Hinreißende Arien, packende Chorszenen und ein grandioser Orchesterklang – mit La traviata schuf Giuseppe Verdi den Inbegriff der italienischen Oper. Die tragische Geschichte der Pariser Kurtisane Violetta Valery, die für die Liebe alles gibt und daran zerbricht, inspirierte Verdi zu einer seiner persönlichsten Opern: weg vom Ideal, hin zur schonungslosen Darstellung des Menschlichen – und das in einer ergreifend schönen Komposition.
Der international gefeierte Regisseur Damiano Michieletto und sein Bühnenbildner Paolo Fantin verlegen die Handlung in die glamouröse wie hemmungslose Welt der 1920er-Jahre, eine Welt zwischen Glanz und Abgrund, Rausch und Einsamkeit. Im Zentrum steht eine Frau im Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit – und zugleich im Schatten gesellschaftlicher Verachtung.
Als Bühnenbild ragt ein riesiger, zerborstener Spiegel aus dem Bodensee: Er macht Violettas inneren und äußeren Zerfall genauso sichtbar wie die Oberflächlichkeit der Pariser Gesellschaft, an der sie seelisch und körperlich zerbricht. In diesem spektakulären Bühnenbild erlebt das Publikum im zweiten Sommer eine der bewegendsten Opern der Musikgeschichte auf dem See.
Die Premiere findet am Donnerstag, 22. Juli 2027 um 21.15 Uhr statt.
Tickets sowie alle weiteren Informationen zu La traviata finden Sie hier.
Spiegelwand
Wie viele Spiegelsplitter gibt es und wie groß sind sie?
Die zentrale Wand des Bühnenbilds setzt sich aus 86 Spiegelsplittern zusammen. Die größten Elemente sind über zwölf Meter lang und bis zu zweieinhalb Meter breit, die kleinsten sind rund 40 Zentimeter lang und 20 Zentimeter breit. Zusammen ergeben sie das Bild eines zerbrochenen Spiegels. Die Wand ist insgesamt 700 Quadratmeter groß und ist das zentrale Element des Bühnenbilds.
Woraus bestehen die Spiegelsplitter?
Die Spiegelsplitter bestehen aus CNC-gefrästen Holzplatten, die mit bedrucktem Gewebe beklebt sind. Die sichtbaren Kanten werden durch grün lackierte Stegplatten gefasst.
Für die präzise und effiziente Verklebung des Gewebes wurde gemeinsam mit den Festspieltechniker:innen eine spezielle Maschine entwickelt, die den gleichmäßigen Auftrag des Klebers auf mehrere Quadratmeter große Platten ermöglicht. Anschließend wurde dieser Zwei-Phasen-Kleber mithilfe in der Maschine integrierter Heizstrahler aktiviert. Die fertigen Elemente wurden dann auf der Seebühne an einer Stahlkonstruktion montiert.
Verbergen sich hinter den Spiegelsplittern auch technische Elemente?
Ja. Mehr als die Hälfte der Spiegelsplitter sind beweglich, das bedeutet, dass 390 der insgesamt 700 Quadratmeter der Spiegelwand aktiv gefahren werden können. Zusätzlich fungieren die Spiegelsplitter als überdimensionale Leinwand für Filmausschnitte, die Szenen aus Violettas Leben zeigen. In die Spiegelwand wurden zudem 29 Lautsprecher unsichtbar integriert, die für den charakteristischen Klang auf der Seebühne sorgen: Dafür wurden in der Holzunterkonstruktion der Spiegelsplitter gezielt Aussparungen vorgesehen und mit Metallgittern überspannt, bevor die gesamte Splitterfläche mit dem bedruckten Gewebe beklebt wurde.
Gibt es auf der Spiegelwand auch begehbare Flächen?
Ja. In die Spiegelwand sind zwei aufklappbare Spielflächen integriert. Die größere befindet sich bregenzseitig in rund 8 Metern Höhe und ist rund 60 Quadratmeter groß. Die zweite, kleinere Spielfläche liegt lindauseitig in etwa zwölf Metern Höhe und misst rund 15 Quadratmeter. Beide Spielflächen werden hydraulisch über jeweils einen Zylinder bewegt.
Implosion
Für die sogenannte „Implosion“ werden zwölf große Spiegelsplittergruppen im Zentrum der Wand, die aus insgesamt 24 einzelnen beweglichen Segmenten bestehen, nach innen aufgeklappt. Jedes dieser Segmente verfügt über ein Gelenk, das mittels eines Hydraulikzylinders angetrieben wird.
Die vollständige Öffnung der Implosion erfordert ein exakt abgestimmtes Zusammenspiel aller Elemente: Sämtliche Splittersegmente müssen in präziser definierter Reihenfolge und Geschwindigkeit bewegt werden, da sonst die einzelnen Segmente miteinander kollidieren können.
Spiegelboden
Der Spiegelboden ist die Hauptspielfläche. Er hat eine Fläche von 580 Quadratmetern und besteht aus einer Stahl- und Holzkonstruktion. Die Oberfläche wurde verputzt und in der Optik von Spiegelscherben bemalt. Die Kanten enthalten Lichtelemente.
Ring
Der rote Ring in der Bühnenmitte misst acht Meter im Durchmesser und besteht aus einer Stahl- und Holzkonstruktion. Er lässt sich mithilfe eines Hydraulikzylinders senkrecht aufrichten.
Im Ring sind 96 LED-Scheinwerfer sowie Leitungen für Frischwasser integriert. Während der Aufführung wird das Wasser über Düsen fein zerstäubt und als Nebel sichtbar.
Wasserbecken
Wie groß ist das Wasserbecken und wie viel Wasser fasst es?
Das Wasserbecken hat eine Fläche von etwa 1400 Quadratmetern und fasst rund 400 Kubikmeter gefiltertes Seewasser. Mit einer Tiefe von ca. 30 Zentimetern stellt es eine der Hauptspielflächen dar und hält für die Zuschauer einige Effekte bereit.
Wie ist das Becken aufgebaut?
Das Becken besteht aus einer Holzkonstruktion, die mit Folie (Dachabdichtung) ausgekleidet ist. Ein Anti-Rutsch Teppich auf der Folie sorgt dafür, dass die Spielfläche sicher begangen werden kann. Vor und nach der Proben- und Spielzeit werden im Sinne des Naturschutzes im ganzen Becken sogenannte „Seefenster“ geöffnet, um die Bewitterung des Seegrundes zu gewährleisten.
Damit die Darsteller:innen während der Aufführungen einen sicheren Stand haben, ist das Wasserbecken mit schwarzem Poly-Rasenteppich ausgelegt. Insgesamt sind zwölf Rollen Rasenteppich mit einem Gesamtgewicht von 2,7 Tonnen auf dem Boden des Wasserbeckens verlegt worden.
Wie funktioniert der Wasseraustausch im Becken? Was passiert mit dem Seewasser?
Im Becken befindet sich gefiltertes Seewasser, das über zwei Unterwasserpumpen durch Hydrozyklon-Filter ins Becken geleitet wird. Dem Beckenwasser werden keinerlei Zusätze beigemengt. Das Beckenvolumen wird täglich ausgetauscht und vor der Rückleitung in den Bodensee mittels Rückspülfiltern gereinigt.
Anfallende Rückstände aus Vor- und Endreinigung, der Beckenreinigung sowie aus der Filterrückspülung werden nicht in den Bodensee eingeleitet, sondern der Ortskanalisation zugeführt. Die Wasserqualität wird im Rahmen eines Hygiene- und Monitoringkonzepts durch ein akkreditiertes Labor regelmäßig überprüft.
Kugel
Wie groß ist die Kugel und woraus besteht sie?
Die schwarze, glänzende Kugel hat einen Durchmesser von knapp sechs Metern und besteht aus polyurethanbeschichtetem Polyester – einem textilen Material, das an eine Hüpfburg erinnert. Sie ist auf eine Stahlkonstruktion aufgezogen und wird während der Aufführung mit Luft gefüllt.
Kann die Kugel bewegt werden?
Ja. Die Kugel ist auf einer fahrbaren Konstruktion gelagert und kann mithilfe einer Seilwinde auf einer schienenähnlichen Fahrbahn aus der Spiegelwand herausbewegt werden. Diese „Achterbahn-Schiene“ ist rund 23 Meter lang.
Wie viele Firmen sind an der Umsetzung beteiligt?
Am Aufbau des Bühnenbildes sind insgesamt 36 externe Firmen beteiligt. Die statische Spiegelwand wird von Biedenkapp Stahlbau GmbH (Hohenems, Österreich) und i+R Holzbau GmbH umgesetzt. Für die beweglichen Elemente ist die Reisch Maschinenbau GmbH (Frastanz, Österreich) verantwortlich, die begehbare Spielfläche (Flap Bregenz) bregenzseitig in der Wand und der Ring realisiert die Bereuter Holding AG (Volketswil, Schweiz) mit deren zahlreichen Subunternehmen.
La traviata auf der Seebühne
Giuseppe Verdis La traviata gehört zu den meistgespielten und meistgeliebten Opern der Welt. Doch was macht dieses Werk bis heute so zeitlos und berührend?
In dieser Folge von Hör-Spiele sprechen Moderatorin Maria Gnann, Chefdramaturgin Anke Rauthmann sowie Ausstattungsleiterin Susanna Boehm über die neue Inszenierung von La traviata, die auch 2027 wieder auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele zu erleben ist.
Gemeinsam werfen sie einen Blick auf die gesellschaftliche Relevanz der Oper, ihre emotionale Direktheit und die musikalischen Farben von Verdis Meisterwerk – ergänzt durch ausgewählte musikalische Kostproben.
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