Drei Violettas und drei Alfredos
Die Besetzungen des Spiels auf dem See sind fixiert.
Traditionell verpflichten die Bregenzer Festspiele beim Spiel auf dem See mehrere Sänger:innen für einzelne Rollen. Bis zu drei Mitwirkende wechseln sich in einem Rotationssystem ab. Das schützt die Stimme vor Überbelastung und gewährt damit höchste Gesangsqualität.
Insgesamt 28 Aufführungen von La traviata stehen bei den Bregenzer Festspielen in diesem Jahr auf dem Programm. Ein solches Pensum in so kurzer Zeit ist nur mit Mehrfachbesetzungen zu bewerkstelligen. Wer aber singt wann nach welchen Kriterien wird dies entschieden?
Außergewöhnlich wie das Spiel auf dem See selbst sind auch bestimmte Notwendigkeiten für das Aushängeschild der Bregenzer Festspiele. Weil in kurzer Zeit sehr viele Aufführungen über die Bühne gehen, sind bei La traviata die großen Rollen Violetta, Alfredo und Giorgio Germont gleich dreifach besetzt. „Die Partien sind nicht nur stimmlich extrem anspruchsvoll, auch körperlich verlangen wir unseren Sänger:innen einiges ab“, erklärt der künstlerische Betriebsdirektor der Bregenzer Festspiele, Jaakko Kortekangas. „Wind und Wetter, die enormen Dimensionen der Seebühne und ein Regiekonzept, bei dem die Darsteller:innen am, im und manchmal sogar unter Wasser spielen – all das ist mit einer normalen Opernbühne kaum vergleichbar.“
Auch wenn jeder topfit ist, gegen Krankheit ist niemand gefeit. Es reicht eine Verkühlung, um pausieren zu müssen. Eine Dreifachbesetzung der großen und doppelte Besetzung der anderen Partien gibt dem Leading Team Sicherheit – so kann Regisseur Damiano Michieletto bei Ausfällen stets auf andere Mitglieder des Casts zurückgreifen. Die Mehrfachbesetzungen sind – bei rund 7000 Besucher:innen bei einer einzelnen Vorstellung – auch betriebswirtschaftlich sinnvoll, um mögliche Risiken zu reduzieren.
Wenn die einzelne Künstlerin und der einzelne Künstler normalerweise nur alle drei Nächte an der Reihe sind, ergibt sich daraus auch ein gewisser Luxus, den sich Bregenz leisten kann: Nach Probenbeginn bleiben rund drei Wochen Zeit herauszufinden, wer mit wem optimal harmoniert. Sowohl musikalisch als auch szenisch. „Es werden alle Konstellationen durchgespielt“, sagt Jaakko Kortekangas, „und am Ende gibt es keine bessere oder schlechtere Besetzung, sondern drei sehr gut aufeinander abgestimmte, wo Klang und Chemie stimmt“
Die Entscheidung fällt in sehr enger Abstimmung zwischen Intendantin Lilli Paasikivi, Jaakko Kortekangas, dem Dirigenten und dem Regieteam etwa zwei Wochen vor der Premiere. Zu den Kriterien gehört auch die Einschätzung, ob sich jemand auf der riesigen Seebühne bis an den Rand gefordert fühlt oder tiefenentspannt mit der Gesamtsituation zurechtkommt. Das kann das Regieteam aus der Nähe am besten beurteilen.
Premierenbesetzung 22. Juli 2026:
Violetta Valéry Marjukka Tepponen
Alfredo Germont Julien Behr
Giorgio Germont Vladimir Stoyanov
Flora Bervoix Angela Simkin
Gastone Francisco Brito
Barone Douphol Michael C. Havlicek
Dottore Grenvil Stanislav Vorobyov
Marchese d'Obigny Janne Sihvo
Annina Melissa Zgouridi
Guiseppe Aaron Godfrey-Mayes
(red)
Hier finden Sie die Besetzungen der einzelnen Vorstellungsabende.