„Ich liebe es, im Wasser zu sein“
Tanzen bei La traviata: Vielfältige Herausforderungen im Wasser und auf der schiefen Ebene
Die Wienerin Sarah Feichtinger (23) und Martin Harding (35), der in Kapstadt aufwuchs und seit zehn Jahren in London lebt, sind erstmals bei den Bregenzer Festspielen dabei. Im Interview sprachen sie vor einer Probe über das 20-köpfige Tanzensemble aus allen Herren Länder, die Abläufe und ihre persönliche Eindrücke am Bodensee.
„Die Größenverhältnisse hier auf der Seebühne sind unglaublich. Neben dem riesigen Raum auf der Bühne ist es so ein ehrgeiziges, anspruchsvolles Projekt“, erzählt Martin. Außerdem liebt es Südafrikaner, der am Meer groß geworden ist, im Wasser zu sein. Neben der großen Gruppe von 20 Tänzer:innen gefallen ihm die vielen gemeinsamen Momente mit Kolleginnen und Kollegen – und mit Hauptprotagonisten der Oper. Die Tänzer:innen sind sehr bunt durchmischt. Das gilt sowohl für ihren geographischen als auch für ihren stilistischen Hintergrund: Moderner Tanz, Ballett und Gesellschaftstanz kommt in diesem Ensemble zusammen. Vor jeder Probe gibt es ein einstündiges Warm-up, das täglich ein anderes Mitglied übernimmt und das daher entsprechend unterschiedlich gestaltet ist. So lernen alle täglich voneinander, ganz unabhängig von den gemeinsamen Proben für La traviata.
Viel in Bewegung
Wird es den beiden auf der Bühne nie kalt? Die beiden verneinen entschieden. Obwohl eines der beiden Kostüme, wie sie lachend erzählen, während der Vorstellung sehr nass wird. „Das Wasser ist nur 30 Zentimeter tief und daher nicht sehr kalt. Außerdem springen wir sehr viel!“ Rutschig ist es im Wasserbecken zum Glück nicht, einer Art Rollrasen, mit der das ganze Becken ausgelegt ist, sei Dank.
Stolz, dabei zu sein
„Die größte Herausforderung für mich ist das unvorhersehbare Wetter“, sagt Sarah. Vor allem in der intensiven Probezeit Anfang Juli in einer großen Hitzewelle mussten sie mit der stark reflektierenden Bühne zur Mittagszeit gut umgehen können. „Dazu diese riesigen Fächer bei starkem Wind ... interessant“, ergänzt sie schmunzelnd. Und doch: Von all diesen Hürden blieb und bleibt vor allem ein starkes Wir-Gefühl und Stolz, hier bei den Bregenzer Festspielen mitmachen zu dürfen. Letzteren haben sie ebenso bei den Bewohner:innen registriert, wenn sie in der Stadt unterwegs waren.
Für Martin, der bereits bei einigen Opern mitgewirkt hat, sind die 28 Vorstellungen auf der Seebühne eine bisher nicht gekannte Dimension. Das gilt genauso für das Publikum. „Für 3.000 Zuschauer:innen braucht man schon ein großes Opernhaus. Aber hier sind es fast 7.000. Und das fast fünf Wochen lang!“, freut er sich mit einem strahlenden Lächeln. Als er auf seinen Social-Media-Konten postete, dass er derzeit in Bregenz arbeitet, kam sofort die Reaktion: „Wow, du arbeitest auf dieser Bühne?!“ „Bei mir waren es auch bei einer Opernproduktion vielleicht einmal sechs Aufführungen – höchstens“, sagt Sarah.
Rädchen greifen ineinander
An den Aufführungstagen kommen sie zum Warm-up gegen 18 Uhr ins Festspielhaus. Martin ist um 19.15 Uhr auf der Hinterbühne, damit noch Zeit genug für die aufwendigen Arbeiten in Sachen Kostüm und Maske bleibt. Alle Tänzer:innen sind in unterschiedliche Slots eingeteilt, damit das ausgeklügelte Prozedere reibungslos abläuft. „18 Uhr bis Mitternacht ist kein so schlechter Arbeitstag“, findet Martin lachend.
Beide bekommen während der Festspiele Besuch von Freunden und Bekannten. Aber sind die beiden so einfach wiederzuerkennen? Auf die Entfernung, mit all der Kostümierung? Im ersten Akt schon: Sarah ist die Einzige mit Sonnenbrille, Martin trägt eine blaue Perücke.
(tb)