Ein großes, buntes Puzzle
Bis zu 1300 Mitwirkende aus 41 Nationen sorgen auch in diesem Sommer wieder dafür, dass die Bregenzer Festspiele zu einem besonderen Höhepunkt im kulturellen Jahreskalender werden.
Kaum beginnt die Probenzeit, verwandelt sich das Festspielhaus in einen in allen Sprachen summenden Bienenstock. Jedes Jahr im Sommer verzehnfacht sich die Zahl der Menschen, die hier mit ihrem Einsatz unvergessliche Erlebnisse fürs Publikum schaffen. Eine besondere Herausforderung auch für die unverzichtbaren Stützen im Hintergrund, wie beispielsweise die Mitarbeiter:innen im Personalbüro.
Jeden Sommer aufs Neue haben die Personalverantwortlichen der Bregenzer Festspiele eine ganz besondere Aufgabe zu meistern: Von etwa 140 Beschäftigten, die derzeit ganzjährig bei den Bregenzer Festspielen und der Kongresskultur Bregenz tätig sind, wächst die Zahl der im Festspielhaus herumschwirrenden Menschen während der Festspielzeit auf rund 1300 an. Für etwa 800 davon müssen Arbeitsverträge erstellt, Personalakten angelegt, Dienstzugänge eingerichtet werden – der Rest verteilt sich auf die Mitglieder der Ensembles, wie die Wiener Philharmoniker, die an den Produktionen beteiligten Chöre oder die Mitwirkenden der Gastspiele.
„Für uns fängt die Arbeit tatsächlich meist im November des Vorjahres schon an, wenn wir eruieren, wie viel Personal im kommenden Sommer benötigt wird“, erklärt Julia Bitschnau, die seit neun Jahren im Personalbüro tätig ist. Gerade durch die Internationalität des Festspielpersonals gibt es hier mitunter besondere Herausforderungen zu bewältigen. „Inbesondere bei den Künstlern, von denen viele auch aus Nicht-EU-Ländern kommen, gibt es immer vieles zu regeln und zu beachten: wie lange dürfen sie sich in Österreich aufhalten, erhalten sie eine Arbeitserlaubnis, welche Formulare werden benötigt?“, beschreibt Julia Bitschnau die Themen, mit denen sie und ihre Kolleg:innen konfrontiert sind.
Dass die Bregenzer Festspiele für Kunst- und Kulturschaffende aus aller Welt ein attraktiver Arbeitsplatz sind, zeigt auch die Personalliste für 2026: 41 verschiedene Nationen sind hier vertreten, 17 Länder davon außerhalb der EU. Setzt man Österreich in die Mitte des Atlas, erstreckt sich das Einzugsgebiet weit in alle Richtungen – von Argentinien, Brasilien und Nicaragua über Kanada oder Südafrika bis hin zu Südkorea und gar Australien.
Was Julia Bitschnau besonders schön findet: viele Sommerkolleg:innen kommen jedes Jahr wieder, und viele neue Beteiligte entdecken das besondere Festspiel-Flair für sich. „Es ist bei uns sicher etwas bunter als zum Beispiel in einem Industriebetrieb. Das liegt natürlich an der Internationalität und Diversität unserer Mitarbeiter:innen, an den vielen Künstler:innen, die andere Sichtweisen und Arbeitsweisen mitbringen.“
Nichtsdestotrotz – die Fragen an sie und ihre Kolleg:innen sind immer wieder die gleichen: Was bedeuten die Zahlen auf meiner Lohnabrechnung? Wie kann ich einen Arztbesuch ins Zeitsystem einbuchen? Meine Oma hat Geburtstag, bekomme ich den Tag frei? „Für uns gibt es keine dummen Fragen – wir wissen selbst, dass nicht immer alles leicht verständlich ist“, betont Julia Bitschnau, „im Gegenteil: wir freuen uns über jeden, der bei uns im Büro vorbeikommt und dem wir weiterhelfen können.“
Worauf sie sich in dieser Saison besonders freut? „Auf das Spiel auf dem See La traviata! Ich finde die technischen Möglichkeiten unserer Bühne immer wieder fantastisch. Und es ist einfach auch jedes Jahr wieders so ein schönes Gefühl, wenn man ab der Eröffnung der Festspiele das Ergebnis seiner Arbeit sehen kann; das, an dem wir alle, jede:r auf seine Weise, gearbeitet haben. Wir sind hier bei den Bregenzer Festspielen wie ein riesiges, buntes Puzzle: Jedes Teilchen ist wichtig, damit am Ende ein solch spektakuläres Werk entstehen kann.“