Bregenzer Festspiele
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Sag mal, Anne Sofie von Otter … 

Zeit mit den Enkelkindern, durch das Leben lernen und Sommer in Schweden

Anne Sofie Von Otter Douce France 2026 Theater Am Kornmarkt Credits
© Ewa Marie Rundquist

Anne Sofie von Otter zählt zu den bedeutendsten Mezzosopranistinnen ihrer Generation. Die Schwedin blickt auf eine internationale Karriere von mehr als vier Jahrzehnten zurück und gastierte an den renommiertesten Opernhäusern der Welt, darunter die Salzburger Festspiele, die Opéra National de Paris und die Bayerische Staatsoper. Bei den Bregenzer Festspielen ist sie in Passion of the Common Man sowie beim Chansonabend Douce France mit Band zu erleben.

Was ist deine Lieblingsbeschäftigung?
Die meisten von uns haben mehrere Lieblingsbeschäftigungen, genau wie in dem Lied aus „The Sound of Music“.
Ich mag es, spazieren zu gehen, ein gutes Buch zu lesen, mit Freunden zu lachen, frische Luft zu atmen, natürlich zu essen und zu trinken, aber am liebsten mache ich wohl Musik oder verbringe Zeit mit meinen beiden Enkelkindern.
Oh, das habe ich ganz vergessen – im Garten Unkraut jäten, während ich Radio höre. Das ist wirklich eine meiner Lieblingsbeschäftigungen!

Wie sieht für dich ein perfekter Tag aus?
Erfrischt aufwachen, den blauen Himmel sehen und mein geliebtes Frühstück genießen – das ist es, was mich aus dem Bett treibt.
Der Rest ist nicht so wichtig, solange ich einen guten Start habe. Ein kurzer Abstecher ins Fitnessstudio, ein paar Stunden üben und singen, Zeit im Freien verbringen und dann ein leckeres Abendessen – das würde ich wohl als einen sehr guten Tag bezeichnen.

Was ist einer deiner stärksten Charakterzüge?
Die Fähigkeit, mich zu konzentrieren und meine Energie zu nutzen, um Dinge zu erledigen – privat wie beruflich – wie zum Beispiel dieses Interview :). Ich hoffe, dass ich auch eine treue und liebevolle Freundin bin, und ich gebe mein Bestes, um eine gute Mutter und Oma zu sein.

Wer ist dein:e Held:in der Kindheit?
Als ich klein war, bewunderte ich die Ballerina Margot Fonteyn sehr. Ich habe sie ein paar Mal im Royal Opera House in Covent Garden tanzen sehen, einmal sogar zusammen mit Rudolf Nurejew. Sie war nicht nur eine großartige Tänzerin, sondern legte auch so viel Gefühl in ihre Darbietung, dass man die begeisterten Ausrufe bis hinunter ins Parkett hören konnte.  Ich war ein großer Fan von klassischem Tanz, hörte nonstop Tschaikowskis Ballettwerke und träumte davon, eine dramatische, berühmte Tänzerin zu sein.

Welche Fehler entschuldigst du am ehesten?
Viele Fehler kann man entschuldigen – es ist nur menschlich, Fehler zu machen!
Aber Gier und Egoismus auf Kosten anderer, Grausamkeit und die Unfähigkeit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, sind nicht in Ordnung; das kann ich nicht verzeihen. Viel zu viele Menschen machen sich dessen schuldig, und wenn ich daran denke, macht mich das wütend.

Wenn du in eine andere Zeit reisen könntest, wohin würde es gehen?
Es geht nicht um die Zeit, sondern um die Menschen. Wie könnte ich in einer anderen Zeit leben wollen, wenn das bedeuten würde, die Menschen zu verlieren, die mir hier und jetzt etwas bedeuten? Um einen Einblick in eine andere Epoche zu bekommen, würde ich empfehlen, ein Buch darüber zu lesen. Zeitreisen brauche ich nicht, danke.

Welches Talent würdest du gerne haben?
Ich kann andere bewundern, die mehrere Talente haben, wie zum Beispiel die Fähigkeit, sowohl zu malen als auch zu singen. Aber eigentlich bin ich sehr zufrieden mit meinen Talenten und Interessen; es ist gut, dass wir alle unterschiedlich sind, und meine Tage wären zu kurz, wenn ich versuchen würde, noch mehr Hobbys oder Zeit für andere Talente unterzubringen.

Wann bist du vollkommen du selbst?
Wenn ich ganz für mich bin. Oder vielleicht mit meiner Familie. Oder wenn ich ganz in die Musik vertieft bin.

Was schätzt du bei deinen Freund:innen am meisten?
Wärme, Humor, Loyalität, Menschlichkeit, Großzügigkeit, Eigeninitiative und Spontanität.

Welchen Rat würdest du deinem jüngeren Ich geben?
Einen Rat geben ist sinnlos, man muss die Dinge erleben und durch das Leben selbst lernen. Ich halte auch nichts davon, jungen Sängern Vorträge darüber zu halten, was sie tun und wie sie denken sollen. Such dir einen guten Lehrer und dann leg einfach los, gib alles. Sei offen. Lerne.

Welche Person (lebendig oder tot) würdest du gerne auf einen Kaffee treffen?
Was den Kaffee angeht, weiß ich nicht recht, aber es gibt mehrere Komponisten, deren Musik mein Leben grundlegend verändert hat. Ich hätte sie gerne getroffen oder zumindest aus der Ferne beobachtet – wie sie sich bewegen, gehen, sprechen, schreiben und Musik machen. Schubert, Bach, Berlioz, Mahler. Wie waren sie wohl, ihre Stimmen, ihre Gesten – in Gesellschaft, wenn sie allein waren, bei der Arbeit, beim Spielen, beim Dirigieren? Wenn sie traurig, glücklich, aufgeregt oder wütend waren …

Gibt es einen Traum, den du dir unbedingt noch erfüllen möchtest?
Ja, ich würde gerne mehr von unserer wunderbaren, schönen und aufregenden Welt sehen. Ich war natürlich beruflich schon an vielen Orten, aber ich möchte wirklich mehr Länder und Kontinente erkunden und kennenlernen und ihre Natur, ihre Düfte und ihre Menschen erleben.

Welche Rolle spielt für dich persönlich die Musik (Jazz und Klassik)? 
Die Rolle, die Musik in meinem Leben spielt, ist unermesslich. Ich habe meinen eigenen Schatz entdeckt, als mir in meinen späten Teenagerjahren bewusst wurde, was Musik für mich bedeutet.

Welche Kindheitserinnerung macht dich besonders glücklich? 
Unbeschwerte Sommer in Schweden, in unserem Haus auf dem Land. Endlose Tage voller Sonne und warmer, duftender Brisen, Baden in unserem See, Beeren und Blumen pflücken, mit den Nachbarskindern spielen, von meiner Mutter geknuddelt werden und von meinen älteren Brüdern aufgezogen werden. Und mit meinem Meerschweinchen Peggy zusammen sein. Mich sicher und glücklich fühlen. Ich schätze mich sehr glücklich, wenn ich daran denke.

Dein persönlicher Bühnenalbtraum?
Ich glaube, alle Musiker haben denselben Albtraum: Wir gehen auf die Bühne und haben keine Ahnung, was wir da tun, wir haben die Musik nicht einstudiert und wissen nicht, wie wir sie aufführen sollen. Das ist wirklich schrecklich und fühlt sich sehr realistisch an. Es ist eine große Erleichterung, aufzuwachen und zu merken, dass es nur ein Traum war. Allein schon jetzt daran zu denken und die Worte aufzuschreiben, macht mir ein schreckliches Gefühl! Abgesehen davon kann im echten Leben eigentlich nicht allzu viel schiefgehen, wenn man die Musik einstudiert hat und weiß, wo man gerade ist. Aber es ist mir schon passiert, dass ich nicht aufgepasst habe, als ich auf die Bühne gerufen wurde, und deshalb meinen Einsatz verpasst habe. Enorm peinlich, das darf sich nicht wiederholen. Blackouts machen auch keinen Spaß. Normalerweise merkt das Publikum gar nichts davon, aber sie versetzen den Körper in einen heftigen Schock, ein Ansturm von Stresshormonen, der sehr unangenehm ist. Ich musste lernen, dass es nicht das Ende der Welt ist, solange man mit erhobenem Kopf und festen Füßen landet!


In diesem Fragebogen verraten Menschen der Bregenzer Festspiele Gedanken rund ums Leben – und sich selbst.

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