Bregenzer Festspiele
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Eine junge Vorarlberger Organistin bewältigt bei den Bregenzer Festspielen mehrere Debüts

Anahita Pasdar über ihr Engagement in Die Ausflüge des Herrn Brouček und weitere Projekte.

In einer Rolle zu debütieren, ist für eine Künstlerin oder einen Künstler eine besondere Herausforderung, Anahita Pasdar hat bei den Bregenzer Festspielen gleich mehrere Debüts zu bewältigen. Sie spielt zum ersten Mal eine Komposition von Leoš Janáček, sie tritt erstmals mit einem großen Orchester, den Wiener Symphonikern, auf und wirkt auch zum ersten Mal in einer Oper mit. Dass sie im Vorfeld erst einmal die Möglichkeiten zu erkunden hatte, die ihr die Elektronische Orgel im Bregenzer Festspielhaus bietet, braucht bei all diesen neuen Aufgaben kaum noch erwähnt zu werden. 

Damit aber noch nicht genug, nach dem Ende der Aufführungsserie der Oper Die Ausflüge des Herrn Brouček beginnen die ersten Proben mit dem Symphonieorchester Vorarlberg, das beim Festspiel-Konzert am 23. August unter der Leitung von Leo McFall neben den Enigma-Variationen, op. 36, von Edward Elgar noch die Ouvertüre zum Werk The Wreckers von Ethel Smyth im Programm hat. Die Oper der britischen Komponistin, Dirigentin und Frauenrechtlerin (1858-1944) ist auch mit einer Orgel instrumentiert. Noch seltener gespielt als jene von Janáček, ist sie ebenfalls Neuland für die junge Vorarlbergerin.

Neue Begegnungen und Herausforderungen scheinen sie zu beflügeln, nach der offiziellen Eröffnung der Bregenzer Festspiele am 22. Juli, bei der ein Part aus Die Ausflüge des Herrn Brouček mit Orgel zum Festprogramm zählte, kam Anahita Pasdar jedenfalls strahlend zum Gespräch über ihr aktuelles Engagement und ihren Werdegang. 

Von der Musikschule ans Mozarteum
Sie ist „glücklich und froh“ über die Entscheidung, sich als Kind in der Musikschule bei der Wahl der Instrumente „intuitiv“ für das Klavier und dann für die Orgel entschieden zu haben. Als „Riesenglück“ bezeichnet sie es heute, dass der renommierte Organist und Komponist Michael Floredo an der Musikschule Walgau ihr Lehrer wurde. „Er hat mir Klavierunterricht gegeben, mir dann die Orgel vorgestellt und mich schließlich zur Komposition gebracht. Ich habe ihm viel zu verdanken. Er hat mich dazu motiviert, ans Konservatorium zu gehen, auch während des Studiums waren wir immer in Kontakt. Es ist für mich wie ein Mentor.“

Ihr Professor an der Universität Mozarteum in Salzburg war Wolfgang Kogert, am Vorarlberger Landeskonservatorium studierte sie unter anderem beim namhaften Organisten Helmut Binder. Das Einschätzungsvermögen dieses Musikers und Pädagogen war ausschlaggebend für ihr aktuelles Engagement bei den Festspielen, denn er hatte bei ihr angefragt, ob sie die Aufgabe übernehmen kann, für die ihn die Bregenzer Festspiele kontaktierten. „Ohne genau zu wissen, worauf ich mich da einlasse, habe ich spontan ja gesagt.“

Inspirierende Begegnungen
Die Orgel kommt im zweiten Teil der 1920 uraufgeführten Oper zum Einsatz. Anahita Pasdar hat ihren Part allein einstudiert, ihre Einsätze und die Tempi erkundet. Der erste Kontakt mit den Wiener Symphonikern unter der Leitung des Dirigenten Robert Jindra erfolgte erst vor wenigen Wochen in Bregenz. „Die Proben waren für mich sehr inspirierend, beim Spiel im Orchestergraben habe ich viele neue Eindrücke gesammelt. Obwohl hochprofessionell gearbeitet wird, hat sich die Stimmung familiär angefühlt.“ Bei der Generalprobe hat sie es sich nicht entgehen lassen, den ersten Teil der Opernproduktion – eine Satire auf bürgerliche Selbstzufriedenheit, in der Brouček zuerst auf den Mond und dann zurück ins Mittelalter katapultiert wird – einmal von den Publikumsreihen aus anzusehen. „Es ist sehr spannend, wie die Sängerinnen und Sänger in diesem Bühnenbild und in der Inszenierung von Yuval Sharon miteinander agieren.“ 

Die Qualität der E-Orgel der Bregenzer Festspiele erachtet die Organistin als sehr gut: „Ich bin positiv überrascht über den Klang. Die Orgel hat zwei Manuale. Ich habe in dieser Oper große orchestrale Stellen, an denen ich viele Register ziehe und beispielsweise eine Stelle, an der ich Flötenstimmen im Schwellwerk registriere.“

Dualität aus Kompositionsarbeiten und Auftritten mit Orchester
Vor rund zwei Jahren ein Praktikum beim Sender NTD in New York absolviert zu haben, hat sich für Anahita Pasdar als zukunftsweisend herausgestellt. Sie hat Musik für Videoanimationen und Dokumentationen, etwa über Cao Cao, eine wichtige Figur in der Geschichte Chinas, geschaffen und weitere Kompositionsaufträge erhalten. „Das macht mir sehr viel Spaß. Meine Arbeit ist somit jetzt sehr kontrastreich. Ich komponiere zu Hause im stillen Kämmerlein und trete dann an der Orgel mit großem Orchester auf.“

Zu den Zukunftsperspektiven der 27 Jahre jungen Organistin, die in einer österreichisch-persischen Familie in Göfis aufgewachsen ist, zählt in erster Linie die Weiterentwicklung in allen Bereichen: „Ich finde es gut, ein breites Spektrum zu haben.“ Konkret fasst die Musikerin ein weiteres Studium in Film- und Medienkomposition an der Zürcher Hochschule der Künste ins Auge. Auch eine weitere Zusammenarbeit mit einem Orchester zählt zu den Wünschen der Künstlerin, die immer wieder auch an den Kirchenorgeln in Vorarlberg spielt. Ein besonderer Auftritt ist in Planung: Anfang Oktober dieses Jahres gibt sie gemeinsam mit Michael Floredo ein Orgelkonzert in Frastanz. Nach den zahlreichen Debüts bei den Festspielen erfolgt somit ein Wiedersehen mit dem Mentor, der sie auf die Türen hinwies, die sie mit viel Ausdauer für sich geöffnet hat.

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