Viele bunte Federn für La traviata
Insgesamt 160 fantasievolle Kopfbedeckungen schmücken die Darsteller:innen beim diesjährigen Spiel auf dem See La traviata, dessen Inszenierung die Goldenen Zwanziger zitiert.
Im Februar haben sie angefangen, und sind gut vorangekommen. Doch ist noch immer viel zu tun, für La traviata auf der Seebühne und für Die Ausflüge des Herrn Brouček im Festspielhaus. Hier erklären die Modistinnen Christina Pantermehl und Ronja Kern, worauf es bei den von ihnen gefertigten Kopfbedeckungen ankommt.
Kopfbedeckungen: Christina Pantermehl und Ronja Kern legen Wert darauf, dass man ihre Werke so nennt. Denn um Hüte im konventionellen Sinn geht es bei dem nicht immer, was die beiden Modistinnen seit dem Februar in großer Zahl auf ihrem breiten Arbeitstisch in der Kostümabteilung der Bregenzer Festspiele anfertigen. Ein Großteil der Kopfbedeckungen für Leoš Janáčeks Oper Die Ausflüge des Herrn Brouček im Festspielhaus ist speziell für die im Mittelalter spielenden Szenen gedacht. Damit diese Stücke wie mit Schlamm benetzt wirken, werden sie von der Abteilung Kunstgewerbe aufwendig patiniert. Glamourös dagegen sind die Kopfbedeckungen für Giuseppe Verdis La traviata auf der Seebühne – passend zu den reich mit Pailletten bestückten Kostümen, die wir beim Hinausgehen passieren.
Eine Explosion an Fantasie
Eine ganze Reihe dieser fantasievollen Kopfbedeckungen für La traviata steht vor uns auf dem Fensterbord. Was fertig ist, das haben Christina Pantermehl und Ronja Kern schon in einem abgeschlossenen Raum hinter der Seebühne gelagert. Eine violette Pfauenkopfbedeckung fällt hier sofort ins Auge, vor allem aber die vielen bunten Federn, mit denen sie für La traviata gearbeitet haben. Ganz im Stil der Zwanzigerjahre variieren die Formen von eng anliegenden Kreationen bis hin zu prachtvollen, voluminösen Modellen. Insgesamt sind 160 Kopfbedeckungen anzufertigen – für den Chor, für Sängerinnen und Sänger, und für die Tänzer, die dann auch lernen müssen, mit breitem Federkostüm durch die Bühneneingänge zu kommen. Nicht alle werden in der Modisterei der Bregenzer Festspiele hergestellt.
Angefangen hat es bei La traviata mit den Zeichnungen, die Carla Teti, die Kostümbildnerin, geschickt hat. In enger Abstimmung mit Kostümdirektion und Produktionsleitung wurden dann die Modelle und Materialien besprochen, Federn und Zubehör bestellt, und alles schließlich zu den aufwendigen Kopfbedeckungen verarbeitet. Am Schluss werden die Stücke dann noch präzise an den Kopf der jeweiligen Trägerin oder des jeweiligen Trägers angepasst. „Wir werden auch noch einen kleinen Workshop für die Dresserinnen machen, die für Kostümwechsel und Reparaturen verantwortlich sind“, sagt Christina Pantermehl.
Es muss bequem sein und leicht
Eine der zentralen Herausforderungen für die Modistinnen liegt darin, dass ihre Kopfbedeckungen Wind und Wetter standhalten müssen. Stoffe werden imprägniert, vor allem aber danach ausgewählt, dass sie wettertauglich sind. „Außerdem“, fügt Christina Pantermehl hinzu, „müssen sie leicht sein und sehr bequem. Und schließlich müssen die Ohren frei bleiben, damit die Darstellerinnen und Darsteller gut hören.“
Man spürt im Gespräch rasch, wie sehr die beiden Modistinnen es genießen, im Theatermilieu gelandet zu sein. Es bietet ihnen den perfekten Raum, um kreativ zu sein und sich auszutoben.