Kritikerstimmen
Passion of the Common Man
Stand: 18.08.2026
Medium: Kronen Zeitung
Autorin: Anna Mika
Titel: Erschütternde Zukunftsvision
Datum: 02.08.2026
[…] Ein schockierendes, sprachlos machendes Werk, vor allem, wenn man bedenkt, wie weit wir schon in dieser Entwicklung stecken. Die Wirkung war umso eindringlicher, da sämtliche Mitwirkende eine Höchstleistung boten: der Chor des Bayerischen Rundfunks, die Sänger, das Symphonieorchester Vorarlberg und die Elektronik von Ida Shuften Juhl.
Medium: Allgäuer Zeitung
Autor: Klaus-Peter Mayr
Titel: Die Menschheit am Abgrund
Datum: 03.08.2026
[…] Das Stück von Komponist Daníel Bjarnason und Texter Royce Vavrek entwirft in dieser Uraufführung auf der Werkstattbühne der Bregenzer Festspiele ein dystopisches Endzeit-Szenario ohne Hoffnung. […]
[…] Vier Solistinnen und Solisten, darunter die legendäre schwedische Mezzosopranistin Anne-Sophie von Otter, verkörpern die Protagonisten dieses Schmerz-Liebe-und-Tod-Rituals. […]
[…] Eindringlich klingende Musik zwischen Vergangenheit und Gegenwart, wo die barocke Harmonik eines Chorals auch mal in eine Klangfläche zersplittert – gesungen vom starken Chor des Bayerischen Rundfunks. […]
[…] Riesiger Applaus für ein Musiktheater, das das Reflektieren über uns selbst provoziert.
Medium: kulturzeitschrift.at
Autorin: Silvia Thurner
Titel: Gut genug kann nicht genügen Daníel Bjarnasons „Passion of the Common Man“ ließ niemanden kalt
Datum: 02.08.2026
[…] Die Werkpräsentation „Passion of the Common Man“ von Daníel Bjarnason im Rahmen der Bregenzer Festspiele war zugleich ein kraftvolles und beklemmendes Erlebnis. […]
[…] Wohl niemand verließ unberührt nach der Präsentation die Werkstattbühne. […]
[…] Die eindrückliche Handlung wurde musikalisch stringent und präzise ausformuliert und gedeutet. So wurden die Tragik und Perversion dieser verdrehten Welt perfekt erkennbar. Anne-Sophie von Otter (Mezzosopran), Aaron Godfrey-Mayes (Tenor), Emma Kajander (Sopran) und Jacques Imbrailo (Bariton), der Chor des Bayerischen Rundfunks sowie das Symphonieorchester Vorarlberg und Ida Schuften Juhl (Electronics) bündelten unter Leitung des Komponisten die Energien. Souverän führten sie das Publikum in einen musiktheatralischen Raum, der intensiv fesselte, einen fast körperlich beengenden Eindruck hinterließ und jedenfalls zum Weiterdenken anregte. […]
[…] Daníel Bjarnason leitete die Solist:innen, den Chor und das Orchester mit klarer Geste, energiegeladen und umsichtig. Dem Chor kam gleich zu Beginn eine besondere Stellung zu, denn er stellte mit monumentalen Akkordaufbauten den „Status quo“ dar. Damit gelang dem Komponisten eine perfekte Irritation. […]
[…] Alle füllten ihre Rollen mit bewundernswert vielseitiger Gestaltungskraft sowie einer klaren Diktion aus. Zudem ergänzten sich die Timbres der Stimmen hervorragend. […]
[…] Die Bildprojektionen am oberen Bühnenrand verstärkten die Wirkung des musikalisch Dargestellten zusätzlich. […]
[…] Die teils arienartig gesteigerten Passagen brachten die emotionale Strahlkraft der Sopranistin hervorragend zur Geltung. Das Orchester begleitete die Sopranistin abschnittsweise mit minimalistischen Begleitfloskeln, führte melodische Linien weiter und verlieh ihren Partien durch den Instrumentalklang eine intensive Farbe. […]
Medium: Südkurier
Autorin: Elisabeth Schwind
Titel: Das Leid des sedierten Menschen
Datum: 03.08.2026
[…] Die Szene erinnert an Science-Fiction-Entwürfe, in denen der Mensch sich längst von der Natur abgekoppelt hat und zur Marionette der eigenen Maschinen geworden ist: Personen in steriler weißer Kleidung sitzen aufgereiht auf Podesten, angeschlossen an Schläuche. […]
[…] Das klingt brutal, doch Stück und Inszenierung gelingt es, mit wenigen szenischen Mitteln Spannung aufzubauen und die Schmerzen, die The Surrogate erfährt, plausibel zu machen. Aaron Godfrey-Mayes muss bis zu seinem Auftritt lange mit Augenbinde auf seinem Platz ausharren, wirft sich dann aber mit umso mehr Verve in seine Passionsrolle. […]
[…] Die Musik des isländischen Komponisten Daníel Bjarnason […] vermag dort am meisten zu berühren, wo das Vorbild Bach durchschimmert. […]
[…] Die Stärke dieser Produktion liegt in ihrer Vielschichtigkeit. Nicht nur lässt es sich durch die Brille der Musikgeschichte lesen, sie fragt auch danach, inwiefern Schmerz zum Menschsein gehören. […]
Medium: Schwäbische Zeitung
Autorin: Werner Müller-Grimmel
Titel: Ewige Langeweile zwischen Salatklonen
Datum: 03.08.2026
[…] Der isländische Komponist und Dirigent Daníel Bjarnason (Jahrgang 1979) weiß, was er einem solistischen Gesangsensemble, einem Chor und einem Symphonieorchester abverlangen kann. Eindrucksvoll zeigte sich das bei der Uraufführung seiner im Auftrag der Bregenzer Festspiele entstandenen „Passion of the Common Man“ auf der mittlerweile baulich erweiterten Werkstattbühne. […]
[…] Großen Anteil am Erfolg der vom Publikum gefeierten Produktion hatten neben der bekannten Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter und weiteren hervorragenden Gesangssolisten auch der von seinem Künstlerischen Chef Peter Dijkstra einstudierte Chor des Bayerischen Rundfunks (BR-Chor) und Mitglieder des Symphonieorchesters Vorarlberg (SOV). […]
[…] Der englische Text zu Bjarnasons „Passion“ hat der nordamerikanische Dramatiker und Filmemacher Royce Vavrek beigesteuert, der im angelsächsischen Raum […] als „einer der angesagtesten Librettisten der Gegenwart“ gepriesen wird. […]
[…] Ein sektiererisch anmutendes Ritual bestimmt, dass ein junger Mann (sängerisch großartig: der Tenor Aaron Godfrey-Mayes) als Stellvertreter für alle leiden soll. Eine junge Frau (Emma Kajander mit strahlkräftig warmem Sopran) muss als seine „Alternative“ antreten. Ein ehemaliger Bauer (der phänomenal singende Bassbariton Jacques Imbrailo) begleitet das auserwählte Opfer auf seinem Leidensweg, während der Chor das handlungsarme Geschehen immer wieder kommentiert. […]
Medium: Neue Vorarlberger Tageszeitung
Autorin: Katharina von Glasenapp
Titel: Oper über eine Welt ohne Nähe
Datum: 03.08.2026
[…] Ein „Master of Ceremonies“ führt wie dort ein Evangelist durch die Geschichte: es ist die charismatische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, die mit ihrer unverwechselbaren Sprech- und Singstimme von der „weinenden Welt“ erzählt. […]
[…] Aaron Godfrey-Mayes, der im vergangenen Jahr in der Opernstudio-Produktion von Rossinis „La Cenerentola“ glänzte, begeistert auch hier mit intensivem lyrischem Tenor. […]
[…] Kommentierend, erzählend, manchmal zurückhaltend, manchmal ausbrechend sind die 24 Stimmen des Chors als eine anonyme Gruppe weiß gekleideter, maskenhafter Wesen hinter dem Orchester postiert, Peter Dijkstra hat seinen Chor des Bayerischen Rundfunks auch hier glänzend vorbereitet. […]
[…] Auch wenn der Chor immer wieder von Freude (Joy) singt, klingt diese Freude zunehmend düster, dumpf, abgeschnitten. Diese Leidensgeschichte ist rätselhaft, geht unter die Haut, wurde mit viel Herzblut erdacht und umgesetzt und ist nach zwei Aufführungen in der Werkstattbühne schon wieder vorbei… […]
Medium: Vorarlberger Nachrichten
Autorin: Andreas Marte
Titel: Leiden als Luxus der Vergangenheit
Datum: 04.08.2026
[…] Was bleibt vom Menschen, wenn der Schmerz abgeschafft ist? Diese Frage stellt das Auftragswerk der Bregenzer Festspiele mit einer Dringlichkeit, die unter die Haut geht. […]
[…] formal kühn, inhaltlich radikal, klanglich von großer Schönheit. […]
[…] Bjarnasons Musik ist der Triumph des Abends. Traumwandlerisch sicher bewegt sie sich zwischen Orchesterklang und elektronischer Klangsprache, zwischen kontemplativer Stille und expressiver Wucht. Die Partitur atmet den Geist Bachs, ohne ihn je zu kopieren. […]
[…] Der von Peter Dijkstra einstudierte Chor des Bayerischen Rundfunks verleiht dem Werk seine gemeinschaftliche Dimension: Er ist Resonanzkörper einer Gesellschaft, die das Fühlen verlernt hat. […]
[…] Die sängerische Besetzung ist makellos. Anne Sofie von Otter verleiht dem Evangelisten– hier neu gedacht als Figur zwischen Gesang und Sprache – eine Tiefe und Autorität, die das Publikum vom ersten bis zum letzten Moment in Atem hält. Ihre Mezzostimme trägt die Erzählung mit jener Mischung aus kühler Präzision und innerer Wärme, die dem Werk seinen emotionalen Kern gibt. Emma Kajander überzeugt mit leuchtendem, sicher geführtem Sopran; Aaron Godfrey-Mayes und Jacques Imbrailo ergänzen das Ensemble mit stimmlicher Substanz und szenischer Präsenz. […]
[…] Regisseurin und Designerin Netia Jones, stellvertretende Leiterin der Oper am Royal Opera House in London, verwandelt die Werkstattbühne in einen immersiven Erfahrungsraum. Licht, Video und Raumgestaltung greifen ineinander, ohne je zu bedrängen oder zu überwältigen. […]
[…] Passion of the Common Man spendet keinen Trost. Das Werk fordert heraus, verstört und bewegt schließlich – im besten Sinne.
Medium: APA
Autorin: Christa Dietrich
Titel: Bregenzer Festspiele: Klangstarke Uraufführung im Gewächshaus
Datum: 01.08.2026
[…] In welchem Maß dem Werk eine Aufforderung zur Reflexion über unser Denken und Handeln innewohnt, unterliegt individuellem Ermessen. Neben dieser allgemeinen Funktion von Kunst, die das Werk erfüllt, ist es somit der musikalische Gehalt, der das hohe Niveau ausmacht. Daniel Bjarnason hat für ein Kammermusikensemble, gebildet vom Symphonieorchester Vorarlberg, für einen kleinen Chor, für den der Chor des Bayerischen Rundfunks engagiert wurde, sowie vier Solisten jeweils melodisch faszinierend komponiert. Die mit spannenden Motiven und zarten Anklängen an Choräle von Bach durchwobene Klangsprache erfährt durch das bestens integrierte Sounddesign von Ida Shuften Juhl eine subtile Erweiterung. […]
[…] Der Komponist erweist sich als derartiger Meister im Umgang mit der Farbe der menschlichen Stimme, dass man das explizit Experimentelle an diesem Werk nicht vermisst. Die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, die in Vorarlberg auch das renommierte Festival Schubertiade mitgeprägt hat, agiert als Master of Ceremonies mit exzellentem Ausdruck. Die Sopranistin Emma Kajander, der Bariton Jacques Imbrailo und der Tenor Aaron Godfrey-Mayes bestechen mit klarer Diktion. […]
Medium: kulturknistern
Autorin: Manon Soukup
Titel: Leben und Leiden ** Passion of the Common Man – Bregenzer Festspiele
Datum: 02.08.2026
[…] Schon beim Betreten der Werkstattbühne fühlt man sich, als wäre man irgendwo zwischen „Dune“ und „Matrix“ gelandet. Weiße Würfel mit LED-Beleuchtung, viele Salatköpfe als Wände, Schläuche zur künstlichen Ernährung von Chor und Solisten, mittendrin das Orchester. Vier Bildschirme zeigen zuerst einen Countdown zum Stückbeginn, in den nächsten 75 Minuten dann Bilder von Zerstörung, Krieg, Feuer und KI-generierten Menschen. […]
[…] „Passion of the Common Man“ beschäftigt sich in meinen Augen vor allem mit dem Sinn des Lebens. Eine Gesellschaft, die augenscheinlich alles hat und kein Leid verspürt, hat den Wunsch, jemandem beim Leiden zuzuschauen. Auch die Arten von Schmerz, die im Stück besprochen werden, zeigen die Menschlichkeit von unerwarteter Seite. Nicht Krieg oder Zerstörung, sondern die unerwiderte Liebe, den Verlust von Familie oder einen Sinn in seiner Arbeit zu sehen. […]
[…] eines der großartigsten neuen Werke, die ich bis jetzt sehen durfte. Denn bis zum Ende hatte ich Hoffnung – für die Menschen genauso wie für unsere Menschlichkeit. […]
Medium: Music Paper
Autorin: Gianluigi Mattietti
Titel: Bei den Bregenzer Festspielen zwei Meisterwerke und eine verpasste Gelegenheit
Datum: 14.08.2026
[…] ricavandone una struttura musicale solida, teatralmente efficace, costruita come un organismo unitario, senza cesure, dove ensemble strumentale, voci ed elettronica si contaminavano a vicenda. […]
[…] Daraus entstand eine musikalisch solide und theatralisch wirkungsvolle Struktur, die wie ein einheitlicher Organismus ohne Zäsuren aufgebaut war und in der Instrumentalensemble, Stimmen und Elektronik ineinander übergingen. […]
[…] La parte strumentale, per archi, flauto, clarinetto, percussioni e pianoforte (che suonava anche tastiere elettroniche), affidata agli strumentisti della Symphonieorchester Vorarlberg diretti dallo stesso compositore, si basava su una scrittura armonica eufonica, avvolgente, sempre carica di tensione, e su strutture timbriche utilizzate per generare precise prospettive drammatiche. Lasciava sempre respirare le linee vocali e articolava gli sviluppi di un arco narrativo continuo e sempre cangiante. In questa texture strumentale si inseriva in modo organico anche l’elettronica, mai percepita come corpo estraneo o come effetto spettacolare, ma piuttosto come una estensione (spazializzata) di risonanze e rumori che emergevano dall’orchestra e dalla scena (sound design di Ida Shuften Juhl). […]
[…] Die Instrumentalpartie für Streicher, Flöte, Klarinette, Schlagzeug und Klavier – das auch elektronische Keyboards spielte –, die den Musikern der Symphonieorchester Vorarlberg unter der Leitung des Komponisten selbst anvertraut war, beruhte auf einer euphonischen, umhüllenden und stets spannungsgeladenen harmonischen Schreibweise sowie auf Klangstrukturen, die zur Erzeugung präziser dramatischer Perspektiven eingesetzt wurden. Sie ließ die Gesangslinien stets atmen und gestaltete die Entwicklungen eines kontinuierlichen und ständig wechselnden Erzählbogens. Organisch fügte sich auch die Elektronik in diese instrumentale Klangstruktur ein: Sie wurde nie als Fremdkörper oder spektakulärer Effekt wahrgenommen, sondern vielmehr als eine verräumlichte Erweiterung von Resonanzen und Geräuschen, die aus dem Orchester und von der Bühne hervorgegangen waren (Sounddesign von Ida Shuften Juhl). […]
[…] Perno del quartetto vocale, la Master of Ceremonies era quasi l’analogo dell’Evangelista nelle Passioni, anche se non narrava una vicenda ma amministrava un rito: un ruolo che sembrava scritto su misura per Anne Sofie von Otter. Alternando parlato e canto, il mezzosoprano svedese ha dimostrato tutta la sua esperienza, l’intelligenza interpretativa, la capacità di trasformare minime variazioni di colore in accenti drammatici. […]
[…] Die Rolle schien Anne Sofie von Otter geradezu auf den Leib geschrieben. Im Wechsel zwischen gesprochenem Wort und Gesang bewies die schwedische Mezzosopranistin ihre ganze Erfahrung, ihre interpretatorische Intelligenz und die Fähigkeit, kleinste Veränderungen der Klangfarbe in dramatische Akzente zu verwandeln. […]
[…] La affiancavano il tenore Aaron Godfrey-Mayes, un Surrogate di grande intensità espressiva; il soprano finlandese Emma Kajander, che si distingueva per l’emissione sicura e per il bel timbro; il baritono Jacques Imbrailo, un Companion notevole per qualità vocali e personalità sulla scena. […]
[…] An ihrer Seite standen der Tenor Aaron Godfrey-Mayes als ausdrucksstarker Surrogate, die finnische Sopranistin Emma Kajander, die durch ihre sichere Stimmführung und ihre schöne Klangfarbe auffiel, sowie der Bariton Jacques Imbrailo, ein bemerkenswerter Companion mit hervorragenden vokalen Qualitäten und starker Bühnenpersönlichkeit. […]