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Kritikerstimmen La traviata

Stand: 26.07.2026

Latraviata Khp©Anjakoehler 260037
© Bregenzer Festspiele / Anja Koehler

Medium: APA
Autor: Martin Fichter-Wöß
Titel: Bregenzer Festspiele - "La Traviata": Spiegel-Bild und Wasser-Ballett
Datum: 23.07.2026

[…] Der Repertoireklassiker […] war in den 80 Jahren des Bestehens der Festspiele tatsächlich noch nicht auf der Seebühne zu sehen. Insofern kam dem 50-jährigen Michieletto eine gewichtige Aufgabe zu - die dieser mit Reflexionen löst. […]

[…] Michieletto positioniert die Handlung in den Goldenen Zwanzigern, den berühmten Jahren des Tanzes auf dem Vulkan, der Emanzipation der Frauen und der düsteren Vorahnung des Scheiterns. Diese Transposition ist mithin durchaus schlüssig und ermöglicht das Eindruckschinden, indem allerorten Federn und Pailletten aufblitzen und auch mal ein Houdini-Zaubertrick ausgeführt wird. […]

[…] So pritschelt die Statisterie zum berühmten Trinklied "Libiamo" im schönsten Esther-Williams-Wasserballett vor der Bühne, während Violetta ihre Glitzerrobe im Laufe des Abends mehr als einmal im Bodenseewasser einweichen muss. […]

[…] Die aus Graz bestens bekannte finnische Sopranistin ist eine satte, reife Violetta, bei der nicht jugendliche Frische, sondern profunde, bewegliche Souveränität dominiert. […]


Medium: VN
Autor: Andreas Marte
Titel: Im Spiegel einer verlorenen Hoffnung
Datum: 23.07.2026

 […] Die Partyszenen besitzen Schwung und organisierte Üppigkeit. Wenn das Partyvolk später wieder einzieht, nimmt es den Tanz des Beginns auf, nun begleitet von Wasserfontänen. Thomas Wilhelms Choreografie verhindert, dass die Fülle in Gewimmel kippt. Die Gesellschaft wirkt wie ein Organismus, der sich selbst berauscht und jeden verschlingt, der seinem Rhythmus nicht mehr folgen kann. Violetta ist Mittelpunkt und Außenseiterin zugleich: Alle sehen sie, doch niemand erkennt ihre Krankheit und Einsamkeit. […]

[…] Das Bild ist unmissverständlich: Krankheit, Schicksal und Urteil hängen über dieser Frau. Michieletto bindet solche Zeichen eng an den emotionalen Verlauf der Handlung und an Verdis Musik. […]

[…] Besonders überzeugt der Wechsel zwischen Masse und Kammerspiel. Die Feste entfalten Bregenzer Glanz, doch die Begegnungen zwischen Violetta, Alfredo und Giorgio Germont bleiben das Zentrum. Michieletto vertraut den Stimmen, Blicken, Körpern und der Musik. […]

[…] Das ist eine kluge Verschiebung: Das Spektakel zeigt die Welt, die Stille den Menschen. So bleibt die intime Tragödie auch auf der Seebühne lesbar. […]

[…] Kirill Karabits hält diese Balance auch musikalisch. Unter seiner Leitung spielen die Wiener Symphoniker mit Sinn für Verdis langen Atem und die Übergänge zwischen gesellschaftlichem Glanz und privatem Schmerz. Die Musik darf aufblühen, ohne in bloße Lautstärke umzuschlagen. In den Ensembleszenen besitzt sie Energie, in den intimen Passagen Transparenz und Zartheit. Karabits lässt den Stimmen Raum und vermeidet die Monumentalisierung, zu der eine Freilichtbühne verführen könnte. Dadurch gewinnen Verdis Melodien emotionale Direktheit. […]

[…] Im Mittelpunkt steht Marjukka Tepponen als Violetta Valéry. Sie ist die herausragende Sängerin und der darstellerische Fixpunkt des Abends. Ihre Violetta besitzt jene Leuchtkraft, die glaubhaft macht, weshalb die Gesellschaft um sie kreist. […] Ihre Stimme trägt über die Weite des Sees, ohne an Beweglichkeit zu verlieren. Auch körperlich ist das beachtlich: lange Wege, Spiel im Wasser und dünne Kleider. […]

[…] Vladimir Stoyanov stattet Giorgio Germont mit Autorität aus, ohne ihn zum Bösewicht zu machen. Das schärft die zentrale Auseinandersetzung: Hier spricht ein Vertreter jener Ordnung, die ihre Grausamkeit als Pflicht und Anstand tarnt. Das Aufeinandertreffen von Stoyanovs kontrolliertem Germont und Tepponens zunehmend verzweifelter Violetta zählt zu den stärksten Momenten des Abends. […]

[…] Am Ende steht ein eindrucksvoller Festspielabend, der auch Menschen erreicht, die sich sonst nicht als Opernfans verstehen. Diese „La traviata“ bietet die sinnliche Kraft der Seebühne und erzählt eine emotional zugängliche Geschichte. Sie vertraut Verdis Musik, ihren Sängerinnen und Sängern und einem Bühnenbild, das spektakulär ist, ohne zum Selbstzweck zu werden. […]


Medium: Klassik begeistert
Autor: Dr. Charles E. Ritterband
Titel: Bregenz begeistert mit einer phänomenalen „Traviata“-Protagonistin
Datum: 22.07.2026

[…] Durchwegs erfreulich, ja geradezu hinreißend die musikalischen Leistungen dieser Inszenierung. Farbensprühend, gewaltig, leidenschaftlich, dann doch wieder subtil und intim die Wiener Symphoniker unter der Stabführung von Kirill Karabits. […]

[…] Ganz eindeutig Star des Abends die Violetta, gesungen von der finnischen Sopranistin Marjukka Tepponen, mit ihrer heroischen ausdauernden Bühnenpräsenz, stimmlicher Stärke, Leuchtkraft und ausgefeilter Musikalität. […]

[…] Sonor und solide Vladimir Stoyanov, als Vater Germont. […]


Medium: O-Ton
Autor: Jutta Schwegler
Titel: Schwarze Kugel des Todes
Datum: 22.07.2026

[…] Der Star des Abends ist ohne Frage die Finnin Marjukka Tepponen, die eine stimmlich reife Violetta auf die Bühne bringt. Ihre Stimme ist volltönend, leuchtend, in der Mittellage besonders berührend und in der Höhe manchmal lodernd. Sehr emotionsgeladen geht sie schon die große E-strano-Arie zu Beginn an, gestaltet auch im weiteren Verlauf sehr differenziert zwischen Verzweiflung und Genuss, zwischen der Schwärze und der Helligkeit der Hoffnung. […]

[…] Melissa Zgouridi singt die Annina mit großem, tief angelegtem Mezzosopran ausdrucksstark und überzeugend. […]

[…] Stanislav Vorobyov gibt einen überzeugenden Dottore Glenvil und macht mit der Schwärze in der Stimme die Nähe des Todes mitfühlend greifbar. […]

[…] Der Bregenzer Festspielchor unter der Leitung von Benjamin Lack überzeugt gemeinsam mit dem Prager Philharmonischen Chor unter Lukáš Kozubík durch homogenen und kräftigen Klang und schauspielert gut. […]

[…] Kirill Karabits lässt sich schon im Vorspiel mit den Wiener Symphonikern Zeit und liefert nicht nur Schönklang, sondern auch die nötige Tiefe, die das Ende vorausahnen lässt. Deutliche Akzente und Einsätze helfen den in weiter Ferne stehenden Sängern sehr, satte Farben und feine Differenzierungen überzeugen. Und wieder einmal sind die Wiener wunderbar bei den Instrumentalsoli, liefern zusammen einen süffigen, warmen und emotional berührenden Klang ab. […]


Medium: Online Musik Magazin
Autor: Stefan Schmöe
Titel: Violetta bittet zur Poolparty
Datum: 23.07.2026

[…] Das alles verdichtet eine morbide Atmosphäre der 1920er-Jahre, einschließlich Violettas kaum zu verwirklichende Sehnsucht nach dem einfachen Leben. Gleichzeitig öffnet der Ansatz aber durchaus den Blick auf eine Zeitlosigkeit des Sujets: Glamour und Krankheit liegen nah beieinander, und wer an der Spitze der High Society steht, droht entsprechend tief zu stürzen. Wobei die Regie das tragische Ende sanft auffängt, indem es zwischen den Spiegelscherben Blumen sprießen lässt. […]

[…] Die Konzentration auf die psychologische Entwicklung der Titelfigur kommt der Musik entgegen. Marjukka Tepponen singt die Violetta mit großformatigem Sopran, der erst einmal die glänzende Rolle dieser Frau beglaubigt, später aber auch mit schönem, substanzvollem Piano und Pianissimo die Zerbrechlichkeit unterstreicht, dabei aber nicht an Größe verliert. Auch im Sterben bleibt diese Frau selbstbestimmt, das jedenfalls sagt die Musik. […]

[…] Klangprächtig und ausgesprochen präzise singen der Prager Philharmonische Chor […] und der Bregenzer Festspielchor […] die wie die ausgezeichneten Wiener Symphoniker im Festspielhaus nebenan musizieren und per Lautsprecher auf die Seebühne übertragen werden was beim Orchester akustisch sehr homogen gelingt […] und beim Gesang verblüffend gut die Position der jeweils singenden Person hörbar macht […]

[…] Das Team um Regisseur Damiano Michieletto hat eine schöne Inszenierung mit klaren Bildern geschaffen, die auf die ganz große Show verzichtet und sich auf die psychologische Entwicklung konzentriert  […] eine sehr achtbare Interpretation, musikalisch auf hohem Niveau umgesetzt.


Medium: Backstage Classical
Autor: Georg Rudiger
Titel: Glanz ohne Abgründe
Datum: 23.07.2026

[…] Sie kann Fragilität verkörpern, wenn sie die Schlusstöne im warmen Pianissimo nach oben oktaviert – und Luxus verbreiten, wenn sie mit vollem, in der Tiefe dunkel gefärbtem Sopran ihre öffentlichen Auftritte zelebriert. […] Aber Tepponen entfaltet auch viele Nuancen zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke, Hoffnung und Verzweiflung. Auch darstellerisch hat Tepponen echtes Festspielniveau. […]


Medium: N-News
Autor: Martin Schechler
Titel: Triumphaler Auftakt auf dem See: la traviata begeistert bei den Bregenzer Festspielen
Datum: 23.07.2026

[…] Eine hervorragend disponierte und spielstarke Besetzung überzeugte mit großer Emotionalität und stimmlicher Brillanz. […]

[…] Das spektakuläre Bühnenbild hielt immer wieder überraschende Momente bereit und sorgte für staunende Gesichter auf den Rängen. […]


Medium: Forum Opéra
Autor: Jean-Marcel Humbert
Titel: Der Spiegel zerbrach…
Datum: 24.07.2026

[…] Marjukka Tepponen besitzt eine Stimme, die reich an Obertönen ist und über ein warmes mittleres Register verfügt, mit genau dem richtigen Maß an Vibrato, um die herzzerreißendsten Momente auszudrücken, sowie eine hochkarätige Gesangstechnik, die es ihr ermöglicht, insbesondere eine herrliche Note zu singen, die bei ihrem Tod am Ende ihrer Schlussarie erst abgemildert, dann verstärkt und schließlich wieder abgemildert wird. Doch sie verfügt über zahlreiche weitere Qualitäten, insbesondere über Kraft, die Perfektion der gestrichenen oder gebundenen hohen Töne und darüber hinaus eine perfekte Anpassung an die Beschallung, die ihrem Stimmtyp voll und ganz entgegenkommt. […]


Medium: Südwest Press
Autor: Jürgen Kanold
Titel: Eine schwarze Kugel bringt den Tod
Datum: 24.07.2026

[…] Diese „La traviata“ bleibt ein psychologisierendes Kammerspiel auf einer Riesenfläche. Auch deshalb war die Musik (in der Premiere am Donnerstag so präsent im Surround-Sound, so raumgreifend wie selten auf der Seebühne. […]

[…] Violetta geht ins Wasser, wie zur eigenen Beerdigung. Dort wachsen dann Blumen, wie am Grab. Oder himmlisch. Poesie, musikalisch ausgemalt. Großer Beifall. […]


Medium: Merkur.de
Autor: Markus Thiel
Titel: Kneipp-Kur mit Verdi: „la traviata” bei den Bregenzer Festspielen
Datum: 23.07.2026

[…] Sehr vielsagend ist: Am stärksten ist diese Neuproduktion, wenn alles weggeräumt ist. Wenn sich Violetta und Alfredo auf der Riesenbühne begegnen und ihre kaputte Beziehung ausleben – zwei Königskinder, zwischen ihnen ein zu tiefes Wasser. Michieletto folgt da einer alten Bregenzer Regie-Regel, die Kollege David Pountney (der mit den meisten Seebühnen Einsätzen) seinerzeit perfektioniert hat: Je weiter die Menschen voneinander entfernt sind, desto größer die Spannung zwischen ihnen. Zumal Verdis Musik mit lyrischer Emphase tatsächlich ins Weite drängt. Der Himmel über Bregenz füllt sich wie von allein mit diesen Klängen, da braucht es kein szenisches Glutamat. […]

[…] In der Premiere singt Marjukka Tepponen […] eine Muster-Violetta. Die Stimme spricht mühelos an, kann sich unforciert weiten, die feinen Seelenschwingungen teilen sich auch über die Mikro-Anlage mit. […]

[…] Je länger der Abend dauert, je mehr sich Michieletto fortwagt aus der realistischen Bebilderung, desto gehaltvoller wird diese „Traviata“. Die Szene mit der schwarzen Riesenkugel, der entsprechende Todesschattenfleck auf Violettas Kleid, die verheißungsvoll sprießenden Blumen in ihren letzten Momenten – eine eigentümliche Poesie entfalten diese Momente, die nichts erklären wollen. Sie halten den Abend doppelsinnig in der Schwebe. Und mag auch die Titelheldin auf einer Spiegelscherbe zusammenbrechen: Vielleicht, das sagt dieses Finale ebenfalls, gibt es da ja eine andere, bessere Dimension. […]


Medium: Passauer Neue Presse
Autor: Jesko Schulze-Reimpell
Titel: Spiegel des Schicksals
Datum: 24.07.2026

[…] Die finnische Sopranistin stürmt über die Bühne, ringt verzweifelt mit den Armen und bewältigt die Sprünge und Kaskaden dieser irrsinnigen Arie mit uhrwerkhafter Präzision. Dabei behält ihre Stimme Glanz und Schönheit […]

[…] Regisseur Damiano Michieletto und Bühnenbildner Paolo Fantin gelingt es dennoch, die kammerspielartigen Szenen der Oper mit der Monumentalität dieses Ortes zu verbinden. […]

[…] Der ukrainische Dirigent Kirill Karabits leitet die Wiener Symphoniker verborgen hinten im Festspielhaus und elektronisch übertragen mit großer Energie und Präzision. Er treibt die Festszenen voran, lässt die Musik drängen und aufbrausen, findet aber ebenso zu jener dunklen Melancholie, die das Werk durchzieht. Auch der Prager Philharmonische Chor überzeugt mit Wucht und Genauigkeit. […]


Medium: Opera in casa
Autor: Renato Verga
Titel: „La Traviata“ im Spiegel: In Bregenz verwandelt sich Verdi in ein unvergessliches Bild
Datum: 23.07.2026

[…] Als eine der weltweit am häufigsten aufgeführten Opern gewinnt „La Traviata“ auf der Seebühne in Bregenz dank der Inszenierung von Damiano Michieletto überraschende Frische. Der große, zerbrochene Spiegel wird zum Mittelpunkt einer stimmigen und poetischen Interpretation. […]

[…] Eine Inszenierung, die Spektakularität und authentische theatralische Intensität vereint. […]

[…] Dank des ausgeklügelten Video-Mappings spiegelt der „Spiegel“ den Himmel, das Wasser des Sees, die Gesichter und die Gedanken der Protagonistin wider und schafft so das scheinbar Unmögliche: eine Dimension der Intimität auf einer unendlichen Bühne zu erschaffen. Die physische Distanz wird durch eine visuelle Dramaturgie aufgehoben, die authentische emotionale „Nahaufnahmen“ schafft. Die Technologie steht hier nicht im Vordergrund, sondern bleibt im Dienst der Erzählung. […]

[…] Die äußerst eleganten Kostüme von Carla Teti spiegeln diese schillernde Mondänität perfekt wider, während die Beleuchtung von Alessandro Carletti die Bühne mit raffinierten Farbvariationen gestaltet. […]

[…] Eine riesige, bedrohliche Kugel, die den Spiegel zerbrochen hat – das wird uns klar, als wir, wie in einem Zeitlupenvideo, das rückwärts abgespielt wird, sehen, wie die Kugel aus dem zerbrochenen Spiegel heraustritt. Es ist wahrscheinlich einer der Höhepunkte der Inszenierung: ein symbolisches Bild, das auch aus großer Entfernung erkennbar ist und das Schicksal der Protagonistin visuell auf den Punkt bringt. […]

[…] Der letzte Akt ist vielleicht der gelungenste Teil der gesamten Aufführung. Während Violetta allein auf einem der schwimmenden Fragmente zurückbleibt, füllt sich die Bühne langsam mit Blumen, die aus den Rissen des Spiegels hervortreten. Ein Bild der unmöglichen Wiedergeburt, poetisch, ohne in Sentimentalität zu verfallen, das mit seltener Eleganz eine Inszenierung krönt, die dazu bestimmt ist, in die jüngste Geschichte der Seebühne einzugehen. […]

[…] eine Violetta, die sich nicht darauf beschränkt, wunderbar zu singen, sondern ihr Schicksal vor den Augen der Zuschauer körperlich durchlebt. In einem so extremen Kontext stellt diese interpretatorische Kontinuität vielleicht den größten Verdienst des Abends dar. […]

[…] Auch die musikalische Leitung des Ukrainers Kirill Karabits an der Spitze der Wiener Symphoniker begleitet den komplexen szenischen Mechanismus auf intelligente Weise und sorgt dabei für eine geschlossene Erzählstruktur sowie ein ständiges Augenmerk auf das Gleichgewicht zwischen Orchester und Beschallung – ein unverzichtbares Element auf der Seebühne. […]

[…] Letztendlich bleibt nicht so sehr ein einzelner spektakulärer Effekt in Erinnerung, sondern vielmehr die Kohärenz des gesamten Projekts. Michieletto beweist, dass die Seebühne nicht unbedingt von Exzessen oder szenografischer Überfrachtung leben muss. Es genügt ein starkes Bild, das bis zu seinen äußersten Konsequenzen durchdacht ist, um ein allseits bekanntes Stück in ein neues Erlebnis zu verwandeln. […]


Medium: bachtrack.com
Autor: Thomas Schacher
Titel: Der zerbrochene Spiegel: La traviata an den Bregenzer Festspielen
Datum: 24.07.2026

[…] Bei der Premiere ist es die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen, welche die Hauptrolle darstellen darf. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, ihrem empathischen Charakter und ihrem glaubwürdigen Agieren zwischen Todesfurcht und Hoffnung auf ein besseres Leben ist sie eine hinreißende Violetta. Den Alfredo gibt der Franzose Julien Behr. Mit seinem in allen Registern makellos klingenden Tenor und seinem feurigen „italienischen“ Temperament bildet er für Violetta einen kongenialen Partner. […]

[…] Höchst raffiniert ist auf der Bregenzer Seebühne die elektronische Klangverstärkung gelöst. Die Stimmen der Sängerinnen und Sänger können lokal sehr genau verortet werden, sie klingen von links oder von rechts, von oben oder von unten, und dazu mit einer bewundernswerten Natürlichkeit. Dies gilt auch vom Orchester, das drinnen im Festspielhaus spielt, für das Publikum aber so wahrgenommen wird, als ob es in einem imaginären Orchestergraben vor der ersten Sitzreihe aufgestellt wäre. […]

[…] In ihren Kontrasten von spektakulären und intimen Szenen, ihrer eingängigen Symbolik und den grossartigen sängerischen Leistungen ist diese Bregenzer Traviata ein grosser Wurf. […]

[…] Im Schlussduett „Parigi, o cara, noi lasceremo” verbinden sich die musikalische Stimmigkeit und die szenische Bildersprache zu einer überwältigenden Einheit. […]


Medium: SRF
Autor: Moritz Weber
Titel: Scherben und Schicksal: Die «Traviata» auf dem Bodensee
Datum: 23.07.2026

[…]Die Sängerinnen und Sänger füllen die psychologisierende Deutung mit ihrer starken Darstellung. Marjukka Tepponen vermag Violetta sowie deren körperlichen Verfall und Niedergang eindrücklich zu verkörpern. Mit kammerspielartigen und solistischen Szenen zieht sie das Publikum in den Bann. Die lebensdurstige Seite der Kurtisane wie deren virtuose Koloraturen gelingen ihr ebenso überzeugend. […]

[…] Der Dirigent Kirill Karabits entfaltet am Pult der aus dem Festspielhaus zugeschalteten Wiener Symphoniker seine frische und spritzige Lesart dieses Opernhits. Er schafft aber auch eine äusserst stimmungsvolle Atmosphäre in den lyrischen oder tieftraurigen Partien. […]


Medium: BR Klassik
Autor: Peter Jungblut
Titel: "La" Traviata in Bregenz Sie gibt sich die Kugel
Datum: 23.07.2026

[…] Bregenz hat eine der besten Tonanlagen der Welt und Dirigent Kirill Karabits weiß, was er seinem Publikum schuldig ist: Kraftvolle Farben, starke Kontraste, drastische Tempowechsel bis hin zur verzeihlichen Effekthascherei. […]


Medium: Neue Zürcher Zeitung
Autor: Christian Wildhagen
Titel: Wenn alle Illusionen zersplittern
Datum: 25.07.2026

[…] Der Rest ist, wie oft bei Michielettos Produktionen, souverän beherrschtes Handwerk: mit elegant synchronisierten Massenszenen (Choreographie: Thomas Wilhelm), in denen das bunte Treiben der Demimonde sinnigerweise zur Poolparty ausufert; mit farblich geschmackvoll aufeinander bezogenen Kostümen (Carla Teti) und stimmungsvollem Licht (Alessandro Carletti), das die wechselhafte Naturkulisse von Himmel und See geschickt einbindet. […]

[…] Sie weiß um ihr Ende immer schwingt deshalb in Tepponens bis in die Extremhöhen makellos geführtem Sopran ein wehmütiger Tonfall mit - eine Melancholie, die selbst im ausgelassensten Feiern und Schwärmen immer um das Ende weiß. […] Behrs Leidenschaftlichkeit kontrastiert ideal mit dem nostalgischen Unterton von Violettas Lebensrückblick. […]

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