Kritikerstimmen La traviata
Stand: 04.08.2026
Medium: Liechtensteiner Vaterland
Autorin: Julia Kaufmann
Titel: Im Spiegel der ungenutzten Möglichkeiten
Datum: 30.07.2026
[…] Was in den nächsten zwei Stunden folgt, ist ein Gesamtkunstwerk aus Musik, Schauspiel, Technik und Bildgewalt. […]
[…] Die unzähligen Scherben reflektieren das Bühnenlicht und die raffinierte Lichtregie und verleihen der Bühne ständig neue Facetten. […]
[…] Die grossen Partyszenen sind lebendig und beinahe filmisch, ohne dass sie jemals überladen wirken. Gerade diese präzise Choreografie macht den Reiz der grossen Ensembleszenen aus. […]
[…] Doch auch die stillen Momente sind stark. Wenn Alfredo Violetta seine Liebe gesteht oder sie verzweifelt «Amami, Alfredo!» singt, scheint die riesige Seebühne plötzlich ganz klein zu werden. Trotz ihrer monumentalen Dimensionen zeigt Michielettos Inszenierung immer wieder erstaunliche Intimität. Das Publikum verfolgt diese Szenen nahezu atemlos. Und die Stärke der Produktion liegt nicht allein in ihrer visuellen Opulenz, sondern vor allem in ihrer musikalischen Qualität. Trotz der imposanten Dimensionen der Bühne verliert «La Traviata» nie ihren emotionalen Kern. Im Gegenteil: Gerade in den grossen Arien und innigen Duetten entfaltet Verdis Musik ihre ganze Kraft. […]
[…] Die Solistinnen und Solisten überzeugen auf ganzer Linie. Violetta trägt den Abend mit beeindruckender Präsenz. Sie verkörpert die schillernde Kurtisane ebenso glaubwürdig wie die zutiefst verletzliche Frau. Ihr Gesang bewegt sich mühe los zwischen virtuoser Leichtigkeit und tief empfundener Melancholie. Auch Alfredo überzeugt mit einem warmen, kraftvollen Tenor. Seine Liebeserklärung an Violetta gehört zu den ersten Gänsehautmomenten des Abends. […]
[…] Nicht minder eindrucksvoll gestaltet sich die Begegnung zwischen Violetta und Alfredos Vater Giorgio Germont. […] Die Gäste verfolgten den langen Dialog beinahe regungslos. […]
[…] Dank der ausgeklügelten Bregenzer Open-Air-Akustik erreicht die Musik die Zuschauerinnen und Zuschauer dennoch mit bemerkenswerter Präzision und Transparenz. […]
[…] Unter der musikalischen Leitung von Pietro Rizzo beziehungsweise von Kirill Karabits entfaltet Verdis Partitur ihre ganze Ausdruckskraft. […]
[…] Auch der Chor überzeugt mit enormer Klangfülle. Ob ausgelassene Festgesellschaft oder eindringliche Massenszenen, er fügt sich stets harmonisch ins Bühnengeschehen ein. […]
[…] Das Publikum erhebt sich von den Sitzen, feiert Solisten, Chor, Orchester und das Kreativteam mit Stan ding Ovations. Und nicht wenige Zuschauerinnen und Zuschauer wischen sich verstohlen eine Träne aus den Augen. Mit «La Traviata» beweisen die Bregenzer Festspiele eindrucksvoll, dass die Seebühne weit mehr sein kann als spektakuläres Freilichttheater. […]
[…] Damiano Michieletto gelingt das Kunststück, Giuseppe Verdis intime Tragödie auf eine monumentale Bühne zu übertragen, ohne ihre emotionale Tiefe zu verlieren. Gemein sam mit dem symbolträchtigen Bühnenbild von Paolo Fantin, den hervorragenden Solistinnen und Solisten, den Wiener Symphonikern und einer bis ins kleinste Detail durchdachten Inszenierung entsteht ein Opernabend, der visuell überwältigt, musikalisch begeistert und emotional tief berührt. […]
Medium: APA
Autor: Martin Fichter-Wöß
Titel: Bregenzer Festspiele - "La Traviata": Spiegel-Bild und Wasser-Ballett
Datum: 23.07.2026
[…] Die aus Graz bestens bekannte finnische Sopranistin Marjukka Tepponen ist eine satte, reife Violetta, bei der nicht jugendliche Frische, sondern profunde, bewegliche Souveränität dominiert. […]
Medium: VN
Autor: Andreas Marte
Titel: Im Spiegel einer verlorenen Hoffnung
Datum: 23.07.2026
[…] Die Partyszenen besitzen Schwung und organisierte Üppigkeit. Wenn das Partyvolk später wieder einzieht, nimmt es den Tanz des Beginns auf, nun begleitet von Wasserfontänen. Thomas Wilhelms Choreografie verhindert, dass die Fülle in Gewimmel kippt. Die Gesellschaft wirkt wie ein Organismus, der sich selbst berauscht und jeden verschlingt, der seinem Rhythmus nicht mehr folgen kann. Violetta ist Mittelpunkt und Außenseiterin zugleich: Alle sehen sie, doch niemand erkennt ihre Krankheit und Einsamkeit. […]
[…] Das Bild ist unmissverständlich: Krankheit, Schicksal und Urteil hängen über dieser Frau. Michieletto bindet solche Zeichen eng an den emotionalen Verlauf der Handlung und an Verdis Musik. […]
[…] Besonders überzeugt der Wechsel zwischen Masse und Kammerspiel. Die Feste entfalten Bregenzer Glanz, doch die Begegnungen zwischen Violetta, Alfredo und Giorgio Germont bleiben das Zentrum. Michieletto vertraut den Stimmen, Blicken, Körpern und der Musik. […]
[…] Das ist eine kluge Verschiebung: Das Spektakel zeigt die Welt, die Stille den Menschen. So bleibt die intime Tragödie auch auf der Seebühne lesbar. […]
[…] Kirill Karabits hält diese Balance auch musikalisch. Unter seiner Leitung spielen die Wiener Symphoniker mit Sinn für Verdis langen Atem und die Übergänge zwischen gesellschaftlichem Glanz und privatem Schmerz. Die Musik darf aufblühen, ohne in bloße Lautstärke umzuschlagen. In den Ensembleszenen besitzt sie Energie, in den intimen Passagen Transparenz und Zartheit. Karabits lässt den Stimmen Raum und vermeidet die Monumentalisierung, zu der eine Freilichtbühne verführen könnte. Dadurch gewinnen Verdis Melodien emotionale Direktheit. […]
[…] Im Mittelpunkt steht Marjukka Tepponen als Violetta Valéry. Sie ist die herausragende Sängerin und der darstellerische Fixpunkt des Abends. Ihre Violetta besitzt jene Leuchtkraft, die glaubhaft macht, weshalb die Gesellschaft um sie kreist. […] Ihre Stimme trägt über die Weite des Sees, ohne an Beweglichkeit zu verlieren. Auch körperlich ist das beachtlich: lange Wege, Spiel im Wasser und dünne Kleider. […]
[…] Vladimir Stoyanov stattet Giorgio Germont mit Autorität aus, ohne ihn zum Bösewicht zu machen. Das schärft die zentrale Auseinandersetzung: Hier spricht ein Vertreter jener Ordnung, die ihre Grausamkeit als Pflicht und Anstand tarnt. Das Aufeinandertreffen von Stoyanovs kontrolliertem Germont und Tepponens zunehmend verzweifelter Violetta zählt zu den stärksten Momenten des Abends. […]
[…] Am Ende steht ein eindrucksvoller Festspielabend, der auch Menschen erreicht, die sich sonst nicht als Opernfans verstehen. Diese „La traviata“ bietet die sinnliche Kraft der Seebühne und erzählt eine emotional zugängliche Geschichte. Sie vertraut Verdis Musik, ihren Sängerinnen und Sängern und einem Bühnenbild, das spektakulär ist, ohne zum Selbstzweck zu werden. […]
Medium: Leidmotief
Autor: Jos Hermans
Titel: A MIRROR, A MONSTER BALL AND THIRTY TONS OF SHARDS
Datum: 28.07.2026
[…] The sound system manages to spatially position the sound produced by the soloists in such a way that it seems as though the sound is emanating directly from the source. You have to see and hear it to believe it. Sound engineers Alwin Bösch and Clemens Wannemacher are true wizards in their field. Both the sound quality and the balance between the orchestra and the soloists are con sistently superb. […]
[…] Dabei gelingt es der Tontechnik, die Stimmen räumlich so präzise zu platzieren, dass sie scheinbar direkt von der jeweiligen Person auf der Bühne ausgehen. Man muss dieses akustische Erlebnis selbst hören, um es zu glauben. Die Toningenieure Alwin Bösch und Clemens Wannemacher sind wahre Meister ihres Fachs. Klangqualität und Balance zwischen Orchester und Solisten sind durchgehend hervorragend. […]
[…] There are impressive effects: water ballets, fountains, a steaming red ring, and an enormous black “death bullet” that hovers above the stage at the end. […]
[…] Beeindruckende Effekte wie Wasserballette, Fontänen, ein dampfender roter Ring und eine gewaltige schwarze „Todeskugel“, die am Ende über der Bühne schwebt, sorgen für starke Bilder. […]
[…] It is also a cornerstone of the success of the duet between Germont and Violetta—the true highlight of the performance. Both soloists are indeed singing at a very high level at this point. […] Marjukka Tepponen as Violetta is heard here at the peak of her abilities. In the finale of the duet, she appears so vulnerable that you fear her voice might break. The duet was very intense and proves that intimate scenes can work very well within the setting of the Seebühne. […]
[…] Besonders eindrucksvoll gelingt dies im Duett zwischen Germont und Violetta – dem eigentlichen Höhepunkt des gesamten Abends. Beide Sänger erreichen hier ein außergewöhnlich hohes Niveau. […] Marjukka Tepponen erreicht als Violetta in dieser Szene den Höhepunkt ihrer darstellerischen und stimmlichen Leistung. Gegen Ende des Duetts wirkt sie so verletzlich, dass man beinahe fürchtet, ihre Stimme könnte unter der emotionalen Belastung zerbrechen. Gerade dieses Duett beweist eindrucksvoll, dass auch intime Szenen auf der riesigen Seebühne hervorragend funktionieren können. […]
[…] Standouts in the smaller roles with distinctive voices were Michael C. Havlicek as Barone Douphol and Stanislav Vorobyov as Dottore Grenvil. Melissa Zgouridi as Annina was also excellent. […]
[…] Auch die kleineren Rollen waren ausgezeichnet besetzt. Besonders hervorzuheben sind Michael C. Havlicek als Baron Douphol und Stanislav Vorobyov als Dr. Grenvil, beide mit markanten Stimmen. Melissa Zgouridi überzeugte ebenfalls als Annina. […]
[…] The Bregenz Festival Choir (choirmaster: Benjamin Lack) and the Prague Philharmonic Choir (choirmaster: Lukáš Kozubík) performed superbly. […]
[…] Der Bregenzer Festspielchor unter Benjamin Lack und der Prager Philharmonische Chor unter Lukáš Kozubík präsentierten sich schließlich in hervorragender Verfassung und rundeten einen musikalisch wie szenisch beeindruckenden Opernabend ab. […]
Medium: Klassik begeistert
Autor: Dr. Charles E. Ritterband
Titel: Bregenz begeistert mit einer phänomenalen „Traviata“-Protagonistin
Datum: 22.07.2026
[…] Durchwegs erfreulich, ja geradezu hinreißend die musikalischen Leistungen dieser Inszenierung. Farbensprühend, gewaltig, leidenschaftlich, dann doch wieder subtil und intim die Wiener Symphoniker unter der Stabführung von Kirill Karabits. […]
[…] Ganz eindeutig Star des Abends die Violetta, gesungen von der finnischen Sopranistin Marjukka Tepponen, mit ihrer heroischen ausdauernden Bühnenpräsenz, stimmlicher Stärke, Leuchtkraft und ausgefeilter Musikalität. […]
[…] Sonor und solide Vladimir Stoyanov, als Vater Germont. […]
Medium: O-Ton
Autor: Jutta Schwegler
Titel: Schwarze Kugel des Todes
Datum: 22.07.2026
[…] Der Star des Abends ist ohne Frage die Finnin Marjukka Tepponen, die eine stimmlich reife Violetta auf die Bühne bringt. Ihre Stimme ist volltönend, leuchtend, in der Mittellage besonders berührend und in der Höhe manchmal lodernd. Sehr emotionsgeladen geht sie schon die große E-strano-Arie zu Beginn an, gestaltet auch im weiteren Verlauf sehr differenziert zwischen Verzweiflung und Genuss, zwischen der Schwärze und der Helligkeit der Hoffnung. […]
[…] Melissa Zgouridi singt die Annina mit großem, tief angelegtem Mezzosopran ausdrucksstark und überzeugend. […]
[…] Stanislav Vorobyov gibt einen überzeugenden Dottore Glenvil und macht mit der Schwärze in der Stimme die Nähe des Todes mitfühlend greifbar. […]
[…] Der Bregenzer Festspielchor unter der Leitung von Benjamin Lack überzeugt gemeinsam mit dem Prager Philharmonischen Chor unter Lukáš Kozubík durch homogenen und kräftigen Klang und schauspielert gut. […]
[…] Kirill Karabits lässt sich schon im Vorspiel mit den Wiener Symphonikern Zeit und liefert nicht nur Schönklang, sondern auch die nötige Tiefe, die das Ende vorausahnen lässt. Deutliche Akzente und Einsätze helfen den in weiter Ferne stehenden Sängern sehr, satte Farben und feine Differenzierungen überzeugen. Und wieder einmal sind die Wiener wunderbar bei den Instrumentalsoli, liefern zusammen einen süffigen, warmen und emotional berührenden Klang ab. […]
Medium: Online Musik Magazin
Autor: Stefan Schmöe
Titel: Violetta bittet zur Poolparty
Datum: 23.07.2026
[…] Das alles verdichtet eine morbide Atmosphäre der 1920er-Jahre, einschließlich Violettas kaum zu verwirklichende Sehnsucht nach dem einfachen Leben. Gleichzeitig öffnet der Ansatz aber durchaus den Blick auf eine Zeitlosigkeit des Sujets: Glamour und Krankheit liegen nah beieinander, und wer an der Spitze der High Society steht, droht entsprechend tief zu stürzen. Wobei die Regie das tragische Ende sanft auffängt, indem es zwischen den Spiegelscherben Blumen sprießen lässt. […]
[…] Die Konzentration auf die psychologische Entwicklung der Titelfigur kommt der Musik entgegen. Marjukka Tepponen singt die Violetta mit großformatigem Sopran, der erst einmal die glänzende Rolle dieser Frau beglaubigt, später aber auch mit schönem, substanzvollem Piano und Pianissimo die Zerbrechlichkeit unterstreicht, dabei aber nicht an Größe verliert. Auch im Sterben bleibt diese Frau selbstbestimmt, das jedenfalls sagt die Musik. […]
[…] Klangprächtig und ausgesprochen präzise singen der Prager Philharmonische Chor […] und der Bregenzer Festspielchor […] die wie die ausgezeichneten Wiener Symphoniker im Festspielhaus nebenan musizieren und per Lautsprecher auf die Seebühne übertragen werden was beim Orchester akustisch sehr homogen gelingt […] und beim Gesang verblüffend gut die Position der jeweils singenden Person hörbar macht […]
[…] Das Team um Regisseur Damiano Michieletto hat eine schöne Inszenierung mit klaren Bildern geschaffen, die auf die ganz große Show verzichtet und sich auf die psychologische Entwicklung konzentriert […] eine sehr achtbare Interpretation, musikalisch auf hohem Niveau umgesetzt.
Medium: Backstage Classical
Autor: Georg Rudiger
Titel: Glanz ohne Abgründe
Datum: 23.07.2026
[…] Sie kann Fragilität verkörpern, wenn sie die Schlusstöne im warmen Pianissimo nach oben oktaviert – und Luxus verbreiten, wenn sie mit vollem, in der Tiefe dunkel gefärbtem Sopran ihre öffentlichen Auftritte zelebriert. […] Aber Tepponen entfaltet auch viele Nuancen zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke, Hoffnung und Verzweiflung. Auch darstellerisch hat Tepponen echtes Festspielniveau. […]
Medium: N-News
Autor: Martin Schechler
Titel: Triumphaler Auftakt auf dem See: la traviata begeistert bei den Bregenzer Festspielen
Datum: 23.07.2026
[…] Eine hervorragend disponierte und spielstarke Besetzung überzeugte mit großer Emotionalität und stimmlicher Brillanz. […]
[…] Das spektakuläre Bühnenbild hielt immer wieder überraschende Momente bereit und sorgte für staunende Gesichter auf den Rängen. […]
Medium: Forum Opéra
Autor: Jean-Marcel Humbert
Titel: Der Spiegel zerbrach…
Datum: 24.07.2026
[…] Marjukka Tepponen possède une voix riche d’harmoniques et d’un médium chaleureux, avec juste ce qu’il faut de vibrato pour exprimer les moments les plus déchirants, et une technique vocale de haute qualité lui permettant de faire notamment une magnifique note diminuée, augmentée puis à nouveau diminuée lors de sa mort à la fin de son air final. Mais elle a nombre d’autres qualités, notamment la puissance, la perfection des notes aigues piquées ou liées, et qui plus est une parfaite adéquation avec la sonorisation, qui sert tout à fait son type de voix. […]
[…] Marjukka Tepponen besitzt eine Stimme, die reich an Obertönen ist und über ein warmes mittleres Register verfügt, mit genau dem richtigen Maß an Vibrato, um die herzzerreißendsten Momente auszudrücken, sowie eine hochkarätige Gesangstechnik, die es ihr ermöglicht, insbesondere eine herrliche Note zu singen, die bei ihrem Tod am Ende ihrer Schlussarie erst abgemildert, dann verstärkt und schließlich wieder abgemildert wird. Doch sie verfügt über zahlreiche weitere Qualitäten, insbesondere über Kraft, die Perfektion der gestrichenen oder gebundenen hohen Töne und darüber hinaus eine perfekte Anpassung an die Beschallung, die ihrem Stimmtyp voll und ganz entgegenkommt. […]
Medium: Südwest Press
Autor: Jürgen Kanold
Titel: Eine schwarze Kugel bringt den Tod
Datum: 24.07.2026
[…] Diese „La traviata“ bleibt ein psychologisierendes Kammerspiel auf einer Riesenfläche. Auch deshalb war die Musik (in der Premiere am Donnerstag so präsent im Surround-Sound, so raumgreifend wie selten auf der Seebühne. […]
[…] Violetta geht ins Wasser, wie zur eigenen Beerdigung. Dort wachsen dann Blumen, wie am Grab. Oder himmlisch. Poesie, musikalisch ausgemalt. Großer Beifall. […]
Medium: Merkur.de
Autor: Markus Thiel
Titel: Kneipp-Kur mit Verdi: „la traviata” bei den Bregenzer Festspielen
Datum: 23.07.2026
[…] Sehr vielsagend ist: Am stärksten ist diese Neuproduktion, wenn alles weggeräumt ist. Wenn sich Violetta und Alfredo auf der Riesenbühne begegnen und ihre kaputte Beziehung ausleben – zwei Königskinder, zwischen ihnen ein zu tiefes Wasser. Michieletto folgt da einer alten Bregenzer Regie-Regel, die Kollege David Pountney (der mit den meisten Seebühnen Einsätzen) seinerzeit perfektioniert hat: Je weiter die Menschen voneinander entfernt sind, desto größer die Spannung zwischen ihnen. Zumal Verdis Musik mit lyrischer Emphase tatsächlich ins Weite drängt. Der Himmel über Bregenz füllt sich wie von allein mit diesen Klängen, da braucht es kein szenisches Glutamat. […]
[…] In der Premiere singt Marjukka Tepponen […] eine Muster-Violetta. Die Stimme spricht mühelos an, kann sich unforciert weiten, die feinen Seelenschwingungen teilen sich auch über die Mikro-Anlage mit. […]
[…] Je länger der Abend dauert, je mehr sich Michieletto fortwagt aus der realistischen Bebilderung, desto gehaltvoller wird diese „Traviata“. Die Szene mit der schwarzen Riesenkugel, der entsprechende Todesschattenfleck auf Violettas Kleid, die verheißungsvoll sprießenden Blumen in ihren letzten Momenten – eine eigentümliche Poesie entfalten diese Momente, die nichts erklären wollen. Sie halten den Abend doppelsinnig in der Schwebe. Und mag auch die Titelheldin auf einer Spiegelscherbe zusammenbrechen: Vielleicht, das sagt dieses Finale ebenfalls, gibt es da ja eine andere, bessere Dimension. […]
Medium: Passauer Neue Presse
Autor: Jesko Schulze-Reimpell
Titel: Spiegel des Schicksals
Datum: 24.07.2026
[…] Die finnische Sopranistin stürmt über die Bühne, ringt verzweifelt mit den Armen und bewältigt die Sprünge und Kaskaden dieser irrsinnigen Arie mit uhrwerkhafter Präzision. Dabei behält ihre Stimme Glanz und Schönheit […]
[…] Regisseur Damiano Michieletto und Bühnenbildner Paolo Fantin gelingt es dennoch, die kammerspielartigen Szenen der Oper mit der Monumentalität dieses Ortes zu verbinden. […]
[…] Der ukrainische Dirigent Kirill Karabits leitet die Wiener Symphoniker verborgen hinten im Festspielhaus und elektronisch übertragen mit großer Energie und Präzision. Er treibt die Festszenen voran, lässt die Musik drängen und aufbrausen, findet aber ebenso zu jener dunklen Melancholie, die das Werk durchzieht. Auch der Prager Philharmonische Chor überzeugt mit Wucht und Genauigkeit. […]
Medium: Opera in casa
Autor: Renato Verga
Titel: „La Traviata“ im Spiegel: In Bregenz verwandelt sich Verdi in ein unvergessliches Bild
Datum: 23.07.2026
[…] Fra le opere più rappresentate al mondo, La traviata ritrova sorprendente freschezza sulla Seebühne di Bregenz grazie alla regia di Damiano Michieletto. Il grande specchio frantumato diventa il fulcro di una lettura coerente e poetica. […]
[…] Als eine der weltweit am häufigsten aufgeführten Opern gewinnt „La Traviata“ auf der Seebühne in Bregenz dank der Inszenierung von Damiano Michieletto überraschende Frische. Der große, zerbrochene Spiegel wird zum Mittelpunkt einer stimmigen und poetischen Interpretation. […]
[…] Una produzione che coniuga spettacolarità e autentica intensità teatrale. […]
[…] Eine Inszenierung, die Spektakularität und authentische theatralische Intensität vereint. […]
[…] Grazie al sofisticato video mapping lo “specchio” riflette il cielo, l’acqua del lago, i volti e i pensieri della protagonista, riuscendo in un’impresa apparentemente impossibile: creare una dimensione di intimità su un palcoscenico sterminato. La distanza fisica viene annullata da una drammaturgia visiva che costruisce autentici “primi piani” emotivi. La tecnologia qui invece di diventare protagonista resta al servizio della narrazione. […]
[…] Dank des ausgeklügelten Video-Mappings spiegelt der „Spiegel“ den Himmel, das Wasser des Sees, die Gesichter und die Gedanken der Protagonistin wider und schafft so das scheinbar Unmögliche: eine Dimension der Intimität auf einer unendlichen Bühne zu erschaffen. Die physische Distanz wird durch eine visuelle Dramaturgie aufgehoben, die authentische emotionale „Nahaufnahmen“ schafft. Die Technologie steht hier nicht im Vordergrund, sondern bleibt im Dienst der Erzählung. […]
[…] I costumi elegantissimi di Carla Teti raccontano perfettamente questa mondanità scintillante, mentre le luci di Alessandro Carletti modellano il palcoscenico con raffinate variazioni cromatiche. […]
[…] Die äußerst eleganten Kostüme von Carla Teti spiegeln diese schillernde Mondänität perfekt wider, während die Beleuchtung von Alessandro Carletti die Bühne mit raffinierten Farbvariationen gestaltet. […]
[…] Una sfera, enorme, minacciosa, che ha spezzato lo specchio e lo capiamo quando, come un video al rallentatore e riprodotto al contrario, vediamo la sfera uscire dallo specchio frantumato. È probabilmente uno dei vertici della regia: un’immagine simbolica, leggibile anche da grande distanza, capace di sintetizzare visivamente il destino della protagonista. […]
[…] Eine riesige, bedrohliche Kugel, die den Spiegel zerbrochen hat – das wird uns klar, als wir, wie in einem Zeitlupenvideo, das rückwärts abgespielt wird, sehen, wie die Kugel aus dem zerbrochenen Spiegel heraustritt. Es ist wahrscheinlich einer der Höhepunkte der Inszenierung: ein symbolisches Bild, das auch aus großer Entfernung erkennbar ist und das Schicksal der Protagonistin visuell auf den Punkt bringt. […]
[…] L’ultimo atto è forse il segmento più riuscito dell’intero spettacolo. Mentre Violetta resta sola su uno dei frammenti galleggianti, il palcoscenico si riempie lentamente di fiori che emergono dalle fenditure dello specchio. Un’immagine di rinascita impossibile, poetica senza indulgere al sentimentalismo, che suggella con rara eleganza una produzione destinata a entrare nella storia recente della Seebühne. […]
[…] Der letzte Akt ist vielleicht der gelungenste Teil der gesamten Aufführung. Während Violetta allein auf einem der schwimmenden Fragmente zurückbleibt, füllt sich die Bühne langsam mit Blumen, die aus den Rissen des Spiegels hervortreten. Ein Bild der unmöglichen Wiedergeburt, poetisch, ohne in Sentimentalität zu verfallen, das mit seltener Eleganz eine Inszenierung krönt, die dazu bestimmt ist, in die jüngste Geschichte der Seebühne einzugehen. […]
[…] una Violetta che non si limita a cantare magnificamente, ma attraversa fisicamente il proprio destino davanti agli spettatori. In un contesto così estremo, questa continuità interpretativa rappresenta forse il merito
maggiore della serata. […]
[…] eine Violetta, die sich nicht darauf beschränkt, wunderbar zu singen, sondern ihr Schicksal vor den Augen der Zuschauer körperlich durchlebt. In einem so extremen Kontext stellt diese interpretatorische Kontinuität vielleicht den größten Verdienst des Abends dar. […]
[…] Anche la direzione musicale dell’ucraino Kirill Karabits, alla testa dei Wiener Symphoniker, accompagna con intelligenza il complesso meccanismo scenico, mantenendo compattezza narrativa e attenzione costante all’equilibrio fra orchestra e amplificazione, elemento inevitabile sulla Seebühne. […]
[…] Auch die musikalische Leitung des Ukrainers Kirill Karabits an der Spitze der Wiener Symphoniker begleitet den komplexen szenischen Mechanismus auf intelligente Weise und sorgt dabei für eine geschlossene Erzählstruktur sowie ein ständiges Augenmerk auf das Gleichgewicht zwischen Orchester und Beschallung – ein unverzichtbares Element auf der Seebühne. […]
[…] Alla fine ciò che resta nella memoria non è tanto un singolo effetto spettacolare, quanto la
coerenza dell’intero progetto. Michieletto dimostra che la Seebühne non deve
necessariamente vivere di eccessi o di accumulazione scenografica. Basta un’immagine
forte, sviluppata fino alle sue estreme conseguenze, per trasformare un titolo
conosciutissimo in un’esperienza nuova. […]
[…] Letztendlich bleibt nicht so sehr ein einzelner spektakulärer Effekt in Erinnerung, sondern vielmehr die Kohärenz des gesamten Projekts. Michieletto beweist, dass die Seebühne nicht unbedingt von Exzessen oder szenografischer Überfrachtung leben muss. Es genügt ein starkes Bild, das bis zu seinen äußersten Konsequenzen durchdacht ist, um ein allseits bekanntes Stück in ein neues Erlebnis zu verwandeln. […]
Medium: bachtrack.com
Autor: Thomas Schacher
Titel: Der zerbrochene Spiegel: La traviata an den Bregenzer Festspielen
Datum: 24.07.2026
[…] Bei der Premiere ist es die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen, welche die Hauptrolle darstellen darf. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, ihrem empathischen Charakter und ihrem glaubwürdigen Agieren zwischen Todesfurcht und Hoffnung auf ein besseres Leben ist sie eine hinreißende Violetta. Den Alfredo gibt der Franzose Julien Behr. Mit seinem in allen Registern makellos klingenden Tenor und seinem feurigen „italienischen“ Temperament bildet er für Violetta einen kongenialen Partner. […]
[…] Höchst raffiniert ist auf der Bregenzer Seebühne die elektronische Klangverstärkung gelöst. Die Stimmen der Sängerinnen und Sänger können lokal sehr genau verortet werden, sie klingen von links oder von rechts, von oben oder von unten, und dazu mit einer bewundernswerten Natürlichkeit. Dies gilt auch vom Orchester, das drinnen im Festspielhaus spielt, für das Publikum aber so wahrgenommen wird, als ob es in einem imaginären Orchestergraben vor der ersten Sitzreihe aufgestellt wäre. […]
[…] In ihren Kontrasten von spektakulären und intimen Szenen, ihrer eingängigen Symbolik und den grossartigen sängerischen Leistungen ist diese Bregenzer Traviata ein grosser Wurf. […]
[…] Im Schlussduett „Parigi, o cara, noi lasceremo” verbinden sich die musikalische Stimmigkeit und die szenische Bildersprache zu einer überwältigenden Einheit. […]
Medium: SRF
Autor: Moritz Weber
Titel: Scherben und Schicksal: Die «Traviata» auf dem Bodensee
Datum: 23.07.2026
[…] Die Sängerinnen und Sänger füllen die psychologisierende Deutung mit ihrer starken Darstellung. Marjukka Tepponen vermag Violetta sowie deren körperlichen Verfall und Niedergang eindrücklich zu verkörpern. Mit kammerspielartigen und solistischen Szenen zieht sie das Publikum in den Bann. Die lebensdurstige Seite der Kurtisane wie deren virtuose Koloraturen gelingen ihr ebenso überzeugend. […]
[…] Der Dirigent Kirill Karabits entfaltet am Pult der aus dem Festspielhaus zugeschalteten Wiener Symphoniker seine frische und spritzige Lesart dieses Opernhits. Er schafft aber auch eine äusserst stimmungsvolle Atmosphäre in den lyrischen oder tieftraurigen Partien. […]
Medium: BR Klassik
Autor: Peter Jungblut
Titel: "La Traviata" in Bregenz Sie gibt sich die Kugel
Datum: 23.07.2026
[…] Bregenz hat eine der besten Tonanlagen der Welt und Dirigent Kirill Karabits weiß, was er seinem Publikum schuldig ist: Kraftvolle Farben, starke Kontraste, drastische Tempowechsel bis hin zur verzeihlichen Effekthascherei. […]
Medium: Neue Zürcher Zeitung
Autor: Christian Wildhagen
Titel: Wenn alle Illusionen zersplittern
Datum: 25.07.2026
[…] Der Rest ist, wie oft bei Michielettos Produktionen, souverän beherrschtes Handwerk: mit elegant synchronisierten Massenszenen (Choreographie: Thomas Wilhelm), in denen das bunte Treiben der Demimonde sinnigerweise zur Poolparty ausufert; mit farblich geschmackvoll aufeinander bezogenen Kostümen (Carla Teti) und stimmungsvollem Licht (Alessandro Carletti), das die wechselhafte Naturkulisse von Himmel und See geschickt einbindet. […]
[…] Sie weiß um ihr Ende immer schwingt deshalb in Tepponens bis in die Extremhöhen makellos geführtem Sopran ein wehmütiger Tonfall mit - eine Melancholie, die selbst im ausgelassensten Feiern und Schwärmen immer um das Ende weiß. […] Behrs Leidenschaftlichkeit kontrastiert ideal mit dem nostalgischen Unterton von Violettas Lebensrückblick. […]
Medium: Hannoversche Allgemeine Zeitung
Autor: Stefan Anrdt
Titel: Der zerbrochene Wasserspiegel
Datum: 24.07.2026
[…] Die Kugel erschein in dem Moment, in dem die Krankheit der Titelfigur das Geschehen unabwendbar bestimmt. Nicht die gesellschaftlichen Widerstände machen es unmöglich, dass die Kurtisane Violetta Valéry ihre große Liebe ausleben kann. In „La Traviata“ verhindert der Tod im letzten Moment das schon eingefädelte Happy End. In Bregenz kündigt er sich in Form der Kugel an, die wie ein schwarzes Loch der ansonsten verspiegelten Spielfläche entwächst. […]
[…] Seit der ersten Ausgabe der Bregenzer Festspiele vor 80 Jahren hat man am Ufer des Bodensees eine eigene Ästhetik immer weiter verfeinert. Das Festival lebt hauptsächlich von den spektakulären Aufbauten auf der Bühne mitten im Wasser. Oft sind hier riesige Skulpturen zu sehen, die zur Spielfläche für das jeweilige Werk werden. Die Geschichten der Opern werden immer auch durch diese Bühnenbildskulpturen erzählt. In diesem Jahr ist das bei „La Traviata“ besonders eindrucksvoll gelungen. […]
[…] Entsprechend stark ist die Partie auch musikalisch besetzt. Bei der Premiere stemmt Marjukka Tepponen mit eindrucksvoll klarem und biegsamen Sopran die Bedeutungslast, mit der das Regieteam die Figur der Violetta beladen hat. Julien Behr ist ihr als Alfredo ein leichter, wunderbar geschmeidiger Tenor-Partner. Vladimir Stoyanov gelingt stimmlich ein schöner Brückenschlag zwischen dem bigotten und dem mitfühlenden Giorgio Germont. […]
[…] Gleichwohl leisten die Wiener Symphoniker unter Leitung von Kirill Karabits mit mal elastischem, mal samten schimmerndem Klang hochprofessionelle musikalische Sterbehilfe. […]
Medium: Süddeutsche Zeitung
Autor: Egbert Tholl
Titel: Am besten allein
Datum: 24.07.2026
[…] Paolo Fantin ließ einen riesigen Spiegel bauen, der aussieht, als pralle er gerade auf den See und zersplittere in viele Einzelteile. Ein gefrorener Moment, dem man unendlich lang zuschauen kann, er ist zur Skulptur geworden, unglaublich trickreich gebaut, man glaubt wirklich, das Riesending bestehe aus Glas. […]
[…] Und nun eben das Erstaunliche: Je mehr Violetta allein ist in dieser Aufführung, desto besser ist diese. Violetta, am Premierenabend Marjukka Tepponen, ist der dunkle Glanz des Abends. Alles, was um sie herum passiert, lenkt nur ab. […]
Medium: Schwäbische Zeitung
Autorin: Katja Waizenegger
Titel: Große Oper statt großes Spektakel
Datum: 24.07.2026
[…] Dass Opern von tragischer Lieber erzählen, ist eher die Regel als die Ausnahme. Im Jubiläumsjahr der Bregenzer Festspiele setzt Verdis „La traviata“ allerdings neue Maßstäbe in puncto Herzschmerz. Die traurige Liebesgeschichte der Kurtisane Violetta berührt unmittelbar. Effekte, sonst ein Kennzeichen des Spiels auf dem See, werden hingegen sparsam eingesetzt. […]
[…] Der italienische Starregisseur Damiano Michieletto hat es gewagt. Und er hat in vielerlei Hinsicht gewonnen. Denn die emotionale Nähe zu der Frau, die sich gegen Konventionen stemmt und als Kurtisane an eine Zukunft mit einem Mann aus der sogenannten guten Gesellschaft glaubt, stellt sich von Beginn an ein – auf der großen Bühne, auf die oft weite Entfernung. Dass dies gelingt, lag bei der Premiere vor allem an der Finnin Marjukka Tepponen als Violetta. Sie weiß das Publikum in jeder Szene zu packen, mit der passenden Mischung aus Temperament und Verletzlichkeit. […] Was sie und auch ihre Kollegin Stacy Alleaume (in der Generalprobe) leisten, ist Können auf Weltklasseniveau. […]
[…] Giuseppe Verdi hätte vermutlich gefallen, wie sein Landsmann Michieletto den vergeblichen Kampf Violettas um gesellschaftliche Anerkennung auf den Punkt bringt. […]
[…] Due Eingangsszene mit plantschenden Badegästen in Kostümen der 1920er-Jahre macht hingegen Laune und steht für das oberflächliche Vergnügen, dem sich die Gesellschaft gerne hingibt. […] Die Kostümbildnerin Carla Teti hat mit fantasievollen Kostümen und einer noch bunteren Kopfbedeckung ganze Arbeit geleistet. […]
[…] Bregenz überrascht immer wieder. Diesmal mit einem Kammerspiel auf dem See, das an Feingefühl und psychologischem Tiefgang kaum zu übertreffen ist. Wer sich auf das Drama einer liebenden, verzweifelten und doch kämpferischen Frau emotional einlässt, erlebt magische Momente zu Verdis unvergesslichen Melodien. Diesmal spielen Musik und Gefühle die Hauptrolle. Das sprichwörtliche Feuerwerk, halsbrecherische Stunts und knallige Effekte bleiben außen vor. […]
Medium: Fränkischer Tag
Autor: Klaus-Peter Mayr
Titel: Bregenz verzichtet auf Spektakel
Datum: 24.07.2026
[…] Es gibt bei „La traviata“ kaum überwältigende Bilder, keine atemberaubenden Stunts in luftiger Höhe, keine akrobatischen Kunststücke. Regisseur Damiano Michieletto bietet ein psychodramatisches Kammerspiel, das eigentlich keine Action braucht. […]
[…] Dass die Intimität mit den vielen Arien und Duetten gut funktioniert, dafür sorgt auch das Orchester. Dirigent Kirill Karabits lässt die Wiener Symphoniker super sensibel begleiten. Von Beginn an, wenn im Piano das Vorspiel anhebt und in eine erste von vielen eleganten Melodien mündet, zeigt das Hauptstadt-Orchester, das seit 80 Jahren zu Festspielzeit anreist, seine Klasse. […]
[…] Das ausgeklügelte Soundsystem lässt glatt vergessen, dass das Drama unter freiem Himmel stattfindet. Dank feiner digitaler Klangsteuerung fühlt man sich wie in einem Kino der Luxusklasse. Ohne superbes Singen, ohne packende Darstellung würde dies alles aber nicht funktionieren. Auch hier überzeugt die neue Produktion. […]
[…] Bei der Premiere bezaubert vor allem die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen das Publikum. […] Die schwierige Partie singt Tepponen mit traumwandlerischer Sicherheit in den Höhen. Und mit betörender melancholischer Schönheit. […]
Medium: Die Rheinpfalz
Autor: Frank Pommer
Titel: Schwimmen vor dem Spiegel des Todes
Datum: 24.07.2026
[…] Natürlich war es wieder ein gigantisches Bühnenspektakel- Das ist schließlich das Markenzeichen der Bregenzer Festspiele. Aber diese „La Traviata“ wirft auch Fragen auf. […]
[…] Ein solches Verdi-Feuer erwartet man natürlich auch von den Sängerinnen und Sängern. Hier wusste Marjukka Tepponen als Violetta absolut zu überzeugen. Ihre Stimme strahlte in der Höhe, sprühte vor Lebensfreude im ersten Akt und brannte vor Liebe in ihren Szenen mit Alfredo. Aber sie konnte auch ihre ganze Verzweiflung zum Ausdruck bringen.
Medium: Der Opernfreund
Autorin: Kirsten Liese
Titel: „La traviata“, Giuseppe Verdi
Datum: 25.07.2026
[…] Sie ist die Entdeckung des Premierenabends, besticht als höhensichere Virtuosin, endet mühelos mit dem dreigestrichenen Es in der Cabaletta „Sempre libera“, singt schön, hingebungsvoll. […] Groß bei Stimme ist auch Vladimir Stoyanov, der den Vater Germont mit der gebotenen Unerbittlichkeit mimt und singt. […]
[…] Musikalisch überzeugte die bis in die Nebenrollen achtbar besetzter Produktion auf ganzer Linie. Neben Tepponen avancierten dabei die Wiener Symphoniker unter Kirill Karabits zum zweiten großen Glanzlicht. […]
Medium: European-News-Agency
Autorin: Nadejda Komendantova
Titel: Mirror, Water, Shards: La traviata Dazzles on Lake Stage
Datum: 24.07.2026
[…] The Bregenz Festival’s new La traviata on the Seebühne is first and foremost an overwhelming experience of stagecraft: Verdi’s intimate tragedy is expanded onto Lake Constance without losing its emotional core, thanks to a concept that turns the entire lake stage into a shattered mirror of Violetta’s world. […]
[…] Die neue „La traviata“ der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne ist in erster Linie ein überwältigendes Erlebnis der Bühnenkunst: Verdis intime Tragödie wird auf den Bodensee ausgeweitet, ohne dabei ihren emotionalen Kern zu verlieren – dank eines Konzepts, das die gesamte Seebühne in einen zerbrochenen Spiegel von Violettas Welt verwandelt. […]
[…] The effect is extraordinary in situ. As daylight fades, the mirror wall catches the last colours of the sky and the lake, then slowly yields to a world of controlled light and moving images. […]
[…] Vor Ort ist der Effekt außergewöhnlich. Wenn das Tageslicht schwindet, fängt die Spiegelwand die letzten Farben des Himmels und des Sees ein und weicht dann langsam einer Welt aus kontrolliertem Licht und bewegten Bildern. […]
[…] The innovative stage setting by Paolo Fantin captures the most interesting achievement of the production. […]
[…] Das innovative Bühnenbild von Paolo Fantin verkörpert die interessanteste Leistung der Inszenierung. […]
[…] Marjukka Tepponen’s Violetta at the Bregenz Festival is a performance of striking vocal poise and dramatic depth, all the more impressive given the scale and demands of the lake stage. Her timbre mirrors the elegant, symphonic sheen of the Wiener Symphoniker as a “rich, mature Violetta” whose strength lies not in girlish freshness but in profound, flexible sovereignty. […]
[…] Marjukka Tepponens Violetta bei den Bregenzer Festspielen ist eine Darbietung von beeindruckender stimmlicher Souveränität und dramatischer Tiefe, die angesichts der Größe und der Anforderungen der Seebühne umso beeindruckender ist. Ihr Timbre spiegelt den eleganten, symphonischen Glanz der Wiener Symphoniker wider – als „reichhaltige, reife Violetta“, deren Stärke nicht in mädchenhafter Frische, sondern in tiefgründiger, flexibler Souveränität liegt. […]
[…] Dramatically, Tepponen traces Violetta’s arc with great clarity: her portrayal captures both the life-hungry brilliance of the courtesan in the early scenes and the physical and emotional collapse of the final act which singled out as “impressively embodied”, especially in the more chamber-like moments that draw the audience into her private world amid the spectacle. Her coloratura in “Sempre libera” retains bite and playfulness, yet later she brings an almost conversational intimacy to the letter scene and the farewell to Alfredo, making the character feel less like an operatic icon and more like a fully human figure caught in the shattered mirrors of the production’s concept. […]
[…] Auf eindrucksvolle Weise zeichnet Tepponen Violettas Entwicklung mit großer Klarheit nach: Ihre Darstellung fängt sowohl die lebenshungrige Strahlkraft der Kurtisane in den frühen Szenen als auch den körperlichen und emotionalen Zusammenbruch im letzten Akt ein, der als „beeindruckend verkörpert“ hervorgehoben wurde, insbesondere in den eher kammermusikalischen Momenten, die das Publikum inmitten des Spektakels in ihre private Welt hineinziehen. Ihre Koloratur in „Sempre libera“ behält ihre Schärfe und Verspieltheit bei, doch später verleiht sie der Briefszene und dem Abschied von Alfredo eine fast gesprächige Intimität, wodurch die Figur weniger wie eine Opernikone wirkt, sondern vielmehr wie eine ganz und gar menschliche Gestalt, die in den zerbrochenen Spiegeln des Inszenierungskonzepts gefangen ist. […]
[…] From an operatic perspective, the Bregenz La traviata succeeds in a difficult task: it translates Verdi’s chamber-like emotional architecture into an open-air environment by building a stage that is both vast and psychologically resonant. […]
[…] Aus opernkritischer Sicht meistert die Bregenzer „La traviata“ eine schwierige Aufgabe: Sie überträgt Verdis kammermusikalische Gefühlsarchitektur in eine Open-Air-Umgebung, indem sie eine Bühne schafft, die zugleich weitläufig und psychologisch eindringlich ist. […]
Medium: NEUE Vorarlberger Tageszeitung
Autorin: Katharina von Glasenapp
Titel: Eine starke Violetta für die Seebühne
Datum: 24.07.2026
[…] Die Produktion überzeugt musikalisch und findet starke Bilder für Violettas Schicksal. […]
[…] Das Team um den Dirigenten Kirill Karabits, den Regisseur Damiano Michelietto, den Bühnenbildner Paolo Fantin und die Kostümbildnerin Carla Teti überzeugt in den großen Chorszenen des ersten und des dritten Bilds ebenso wie in den zahlreichen intimen Momenten. […]
[…] Der hochaufragende geborstene Spiegel wirkt je nach Beleuchtung anders, etwa wie eine verwitterte Baumscheibe mit ihren Jahresringen, oder wie ein Auge, wenn das Zentrum implodiert und sich zuletzt, wie von magischer Hand gezogen, eine große schwarze Kugel– sinnbildlich für die todbringende Krankheit – herauslöst. […]
[…] Licht (Alessandro Carletti) und Video (Roland Horvath) verstärken die Wirkung des Bühnenbilds, das auch andere Spielebenen für das Liebesnest von Violetta und Alfredo oder für den Karnevalszug im letzten Akt bereithält. […]
[…] Verdis „La traviata“ ist große Oper und musikalisch ist die neue Seebühnenproduktion in ihren großen und zahlreichen kleinen Partien glänzend (und zwei- bis dreifach) besetzt. Kirill Karabits führt die Wiener Symphoniker im Vorspiel und im letzten Akt mit großer Zartheit, ebenso überzeugen die quirlige Energie, das schwärmerische Pulsieren und die dramatischen Höhepunkte etwa beim herzzerreißenden „Amami Alfredo“. […]
[…] Die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen begeistert am Premierenabend in ihren funkelnden Koloraturen des „Sempre libera“ ebenso wie im zerbrechlichen Pianissimo ihrer Sterbeszene, über die großen Dimensionen hinweg füllt sie die Bühne mit ihrer Persönlichkeit. „Ihr“ Alfredo ist der Franzose Julien Behr, der das Verliebtsein mit warmer Strahlkraft gestaltet und die emotionale Achterbahnfahrt seiner Partie mit zahlreichen Farben ausstattet. Vladimir Stoyanov gibt den Vater Germont, den man ja eigentlich schütteln möchte wegen seines Verhaltens und der doch eine balsamisch strömende Arie zu singen hat. […]
Medium: Metropoljournal.com
Autorin: Diana Rasch
Titel: BREGENZER FESTSPIELE: „La Traviata“, Verdis beeindruckende Oper begeistert noch bis 23.08.2026
Datum: 26.07.2026
[…] Vor dem spektakulären Bühnenbild von Paolo Fantin, einem riesigen Spiegel, und der Handlung verlegt in die Zeit der 1920er Jahre, belebt durch die Kostüme von Carla Teti, entfaltet sich das musikalische und visuelle Monumentalereignis mit hervorragenden Solisten, Chören und Tänzern unter der Regie von Damiano Michieletto und dem grandiosen Orchesterklang, der mit viel musikalischen Finesse agierenden Wiener Symphoniker unter Dirigent Kirill Karabits, die das Geschehen vom mitreißenden Trinklied „Libiamo ne`lieti calici“ („Brindisi“) und weiteren unvergesslichen emotionalen Melodien bis hin zu den letzten Minuten im Leben der schwindenen Violetta aufs Beste begleiten, war der Premierenabend ein beeindruckendes Gesamterlebnis, an das man sich gerne zurückerinnert. […]
[…] Die Wiener Symphoniker (Chefdirigent Petr Popelka) erweisen sich einmal mehr als verlässliches Herzstück der Bregenzer Festspiele. […] Ihnen gelingt das Kunststück, das Drama hochgradig differenziert klingen zu lassen und dabei eine dynamische Spannweite zu entfalten, die mühelos zwischen rauschhaftem Exzess, kraftvoll und mit packendem Verve und fast hingehauchter erschütternd zarter Melodie changiert. […]
[…] Die überragende finnische Sopranistin Marjukka Tepponen in der Rolle der Violetta verleiht der Hautfigur stimmgewaltig, stilsicher, mit makelloser Höhe und virtuosen Koloraturen und auch als todkranke Sterbende eine faszinierende Mischung aus glamouröser Unnahbarkeit und verletzlicher Menschlichkeit. […]
Medium: Salzburger Nachrichten
Autor: Jörn Florian Fuchs
Titel: Innere Räume auf riesiger Bühne
Datum: 23.07.2026
[…] Regisseur Damiano Michieletto hat sich von Bühnenbildner Paolo Fantin eine fantastische Konstruktion errichten lassen: […]
[…] Punkten mit starkem Spiel und herzerwärmendem Melos kann die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen […]. Der wesentlich zum Unheil beitragende Vater Germont wird von Vladimir Stoyanov wunderbar kraftvoll-autoritär gesungen. Bei den kleineren Partien erfreut vor allem Melissa Zgouridi als Violettas dienstbarer Geist Annina. […]
Medium: Kleine Zeitung
Autor: Helmut Christian Mayer
Titel: Stimmungsvolles Opernsterben in Bregenz
Datum: 23.07.2026
[…] Obwohl die Oper eigentlich mehr ein intimes Kammerspiel ist, gelingt es Damiano Michieletto in seiner stimmungsvollen Inszenierung den Kontrast zwischen Lebenslust und Tod in den wilden 1920er Jahren mit Kostümen aus der Zeit (Carlo Teti) auch mit vielen vitalen Balletteinlagen (Thomas Wilhelm) zu zeigen. Er vernachlässigt dabei aber auch nicht das emotionale Kammerspiel der Protagonisten, was bei den riesigen Dimensionen teils für zu große Distanzen sorgt. Besonders stark gelingt ihm das Finale, wenn sich aus dem immer mehr zerborstenen Spiegel eine große, schwarze Kugel als unausweichliches Todessymbol auf Violetta herabsenkt und diese noch Blumen pflückt, die aus dem Bühnenboden und dem Wasser hervorsprießen, bevor sie stirbt. […]
[…] „Addio del passato bei sogni ridenti“: Violettas Abschied von der Vergangenheit, vom Leben wurde von Verdi in ergreifenden Gesang gegossen. Diese Arie wirkt umso mehr, wenn sie mit solch berührender Innigkeit gestaltet wird, wie von Marjukka Tepponen. Die Finnin kann als Titelheldin aber auch sonst mit feinen Piani, reichen Schattierungen und blitzsauberen Koloraturen ihres ausgesprochen schönen Soprans faszinieren. […]
[…] Tadellos sind auch die vielen kleinen Partien insbesondere Melissa Zgouridi als Annina und der Bregenzer Festspielchor und Prager Philharmonische Chor zu hören. […]
[…] Dass es an großen Gefühlen nicht mangelt, dafür sorgt auch Kirill Karabits erstmals am Pult der Wiener Symphoniker: Er weiß packende Dramatik, strukturelle Klarheit aber auch feinste Piani zu erzeugen. […] Für die Reinheit dieser reichschattierten Klange sorgt eine der besten Tonanalagen der Welt. […]
Medium: Tiroler Tageszeitung
Autorin: Julia Brader
Titel: Drama auf der Seebühne: Warum das Publikum bei „La traviata“ verhalten reagierte
Datum: 23.07.2026
[…] Marjukka Tepponen füllt den gewaltigen Raum mit einer Violetta von großer Ausdruckskraft. Sie wechselt mühelos zwischen dramatischer Entschlossenheit und beinahe resignativer Zartheit, die besonders im letzten Akt berührt. […]
[…] Die Wiener Symphoniker unter Kirill Karabits überzeugen mit einer eleganten, fein ausbalancierten Interpretation, die Verdis Partitur sowohl lyrisch als auch dramatisch ausleuchtet. […]
Medium: Ludwigsburger Kreiszeitung
Autor: Dietholf Zerweck
Titel: Tragödie vor zerbrochenem Spiegel
Datum: 24.07.2026
[…] Mit einer glänzenden Aufführung von Giuseppe Verdis „La Traviata“ begannen die Bregenzer Festspiele vor 7000 Zuschauern auf der Seebühne. […]
[…] Fantastisch die gigantische, grellbunte Wasserparty mit Deck-Chairs und Luftmatratzen, Ringel-Badeanzügen und glitzernden Minis, Jazz-Combos und langbeiniger Chorus Line. […]
[…] Der französische Tenor Julien Behr lässt schon hier seine etwas näselnde Stimme leuchten, doch die finnische Sopranistin Marjukka Tepponen gibt dem Zwiespalt ihrer Gefühle zwischen Sehnsucht und Lebensgier nuancierte Leidenschaftstöne. […]
[…] Spektakulär inszeniert ist die Implosion des Spiegels im 3. Akt, aus dessen Höhle sich eine riesige schwarze Billardkugel als Schicksalssymbol manifestiert. […]
Medium: Abendzeitung München
Autor: Wolf-Dieter Peter
Titel: Sterben in Scherben
Datum: 24.07.2026
[…] Vor gut besetzten Nebenrollen – etwa dem markanten Dr. Grenvil von Stanislav Vorobyov – verlieh Vladimir Stoyanov dem Vater Germont mit schön voluminösem Bariton die gradlinige Würde eines Patriarchen aus der Provence. Julien Behr brachte für Alfredo eine blendende Bühnenerscheinung mit. […]
[…] Ihr Sopran klang mal kühl abkanzelnd und besaß dann auch die Leuchtkraft für das eine große Glück. […]
Medium: St. Galler Tagblatt
Autor: Martin Preisser
Titel: Verdis „Traviata“ – ein unterkühltes Wasserspiel
Datum: 24.07.2026
[…] Die Inszenierung von Verdis „Traviata“ an den Bregenzer Festspielen lebt von großen Stimmen und einem spektakulären Bühnenbild. […]
[…] Die Bregenzer Festspiele punkten auch dieses Jahr wieder mit ihrem Markenzeichen, der jeweils spektakulären Bühnenmaschinerie. […]
[…] Sängerisch überzeugt der Abend. Souverän bis zum einsamen Sterben, verfangen in einer hoffnungslosen Liebe im Zeichen der Tuberkulose, gibt Marjukka Tepponen eine stimmstarke Violetta. […]
[…] Eine Entdeckung ist auch die leuchtend gestaltete Melissa Zgouridi als Annina. [...]
[…] Vladimir Stoyanov überzeugt besonders mit einer breiten stimmlichen Farbigkeit. […]
[…] Der Spiegel als Metapher von zerbrochenen Illusionen und Träumen wirkt stark bis zum Schluss, als eine schwarze Kugel als Sinnbild des Todes erscheint. […]
[…] Zu Verdis genialem Changieren zwischen intimen Momenten und den wuchtigen Chorszenen (Prager Symphonischer und Bregenzer Festspielchor) tragen die Wiener Symphoniker unter dem engagierten und sehr synchron mit der Bühne arbeitenden Dirigenten Kirill Karabits entscheidend bei. […]
Medium: Badische Zeitung
Autor: Alexander Dick
Titel: „Badende Venus“ im Bodensee
Datum: 24.07.2026
[…] Und dann der spektakulärste Moment des Abends: Eine übergroße schwarze Kugel löst sich aus dem Spiegel und „rollt“ in die Szenerie. […]
[…] Die finnische Sopranistin verfügt über genau jenes stimmliche Vokabular, das eine Violetta braucht: großartige Koloraturfertigkeit, hohe Artikulationskultur – vom zarten Piano bis ins lodernde Espressivo. […] Julien Behr ist ein ebenbürtiger Alfredo an ihrer Seite. […]
[…] Kirill Karabits‘ Dirigat erfasst den Kern von Verdis Musik, gerade dort, wo sie intensiv psychologisiert, mit Feinsinn. […] Die Walzet und Galopps in den Ensemblestellen hingegen lodern, homogen agieren hier der Bregenzer Festspielchor und der Prager Philharmonische Chor. […]
Medium: Orpheus
Autorin: Iris Steiner
Titel: Im Spiegel der ungenutzten Möglichkeiten
Datum: 24.07.2026
[…] Hier schaffen Chor, Tänzer und Statisterie wirklich eindrucksvolle Bilder. […]
[…] Großen Anteil an der visuellen Wirkung haben dagegen die Kostüme von Carla Teti. Sie greifen die Ästhetik der Goldenen Zwanziger stilsicher auf und verleihen insbesondere den Ensembleszenen Farbe und Spielfreude. Die fantasievollen Chorbilder mit Schwimmern und Schwimmreifen gehören zu den gelungenen Einfällen des Abends. Gleichzeitig setzen Violettas glitzernde Roben markante Akzente: Oft sind sie die einzigen kräftigen Farbpunkte auf der bewusst reduziert gehaltenen Bühne und unterstreichen wirkungsvoll die isolierte Stellung der Protagonistin. […]
[…] Der eigentliche Triumph des Abends liegt jedoch in der Musik. Die Wiener Symphoniker agieren unter der Leitung von Kirill Karabits mit Eleganz, Präzision und feinem Gespür für Verdis Partitur. Karabits spannt die großen melodischen Bögen mit viel Ruhe und kluger Dramaturgie, ohne den Sängerinnen und Sängern jemals die Bühne zu nehmen. Einen entscheidenden Anteil daran hat einmal mehr die exzellente Bregenzer Tonanlage, deren natürliche Klangbalance weltweit Maßstäbe setzt. […]
[…] Überragend ist Marjukka Tepponen als Violetta. Sie trägt den Abend mit großer Ausdruckskraft. […] Julien Behr überzeugt als Alfredo mit lyrischem Schmelz und hörbarer Leidenschaft, Vladimir Stoyanov verleiht Giorgio Germont mit markantem Bariton und großer Bühnenpräsenz ein eindrucksvolles Profil. Chor und Ensemble runden den hervorragenden musikalischen Gesamteindruck ab. […]
Medium: kultur-online.net
Autorin: Martina Pfeifer Steiner
Titel: La traviata – ein berührendes, gekonnt subtiles Spiel am See
Datum: 29.07.2026
[…] Zum 80-Jahre Jubiläum der Bregenzer Festspiele gelingt genau diese Gratwanderung in der Inszenierung von Damiano Michieletto und Paolo Fantins eindrucksvoller zerberstender Spiegelskulptur auf der Seebühne hervorragend. […]
[…] In großflächigen Videoprojektionen spiegelt sich die Innenwelt Violettas, ihre Emotionen subtil sichtbar machend: wie einsam sie ist und krank, wie das Leben mit dem Geliebten hätte glücklich sein können, ihre Sehnsucht nach Ruhe und Harmonie. […]
[…] Die Spannung steigert sich mit den unüberbrückbaren Distanzen der Beteiligten. […]
[…] Musikalisch hochkarätig spielen die Wiener Symphoniker im Großen Saal des Festspielhauses unter Dirigent Kirill Karabits. Das ausgeklügelte und weltweit einzigartige Soundsystem lässt vergessen, dass die Oper unter freiem Himmel stattfindet. […]
[…] Bei der Premiere und gleichzeitig TV-Aufzeichnung begeistert vor allem die Ennische Sopranistin Marjukka Tepponen, die so großartig und berührend den vielschichtigen Charakter Violettas zu entwickeln vermag. […]
Medium: ResMusica
Autor: Jean-Luc Clairet
Titel: Traviata et la boule noire à Bregenz
Datum: 02.08.2026
[…] Maillots et bonnets de bain 1920 ultra-seyants, boas, paillettes, truc en plumes : rien ne manquait à la fête, pas même les musiciens de la banda tentés eux aussi par les geysers de champagne dressés vers le ciel du jour finissant. […]
[…] Badeanzüge und Badekappen im Stil der 1920er Jahre, Federboas, Glitzer und Federschmuck – nichts fehlte bei diesem Fest, nicht einmal die Musiker der Bühnenkapelle, die sich ebenfalls von den in den Abendhimmel schießenden Champagnerfontänen mitreißen ließen. […]
[…] D’une grande élégance, les images s’étaient succédées entre la lisibilité parfaite d’une direction d’acteurs très attentive (notamment avec une Annina très présente) et quelques états d’âme vidéographiés sur le miroir éclaté. […]
[…] In großer Eleganz wechseln sich Bilder von bemerkenswerter Klarheit in der Personenführung – insbesondere mit einer sehr präsenten Annina – mit videografisch projizierten Seelenzuständen auf den Spiegeln ab. […]
[…] Et c’est dans la foulée que le décor de Paolo Fantin, appliquant un des credo du festival (« la technique doit suivre l’idée et non la contourner »), prend spectaculairement le relais, et aussi tout son sens, s’ouvrant en son coeur pour raconter comment la maladie a brisé le miroir de la beauté. […]
[…] Von diesem Moment an übernimmt Paolo Fantins Bühnenbild spektakulär die Erzählung. Es folgt einem der Leitgedanken der Festspiele – „Die Technik soll der Idee folgen und sie nicht ersetzen“ – und öffnet sich in seinem Inneren, um zu zeigen, wie die Krankheit den Spiegel der Schönheit zerbrochen hat. […]
[…] L’Acte III, un des plus beaux jamais vus, est dès lors vécu le coeur au bord des lèvres par une assistance qui retient son souffle devant le lent et monstrueux (même si toujours très esthétique) accouchement imaginé par Damiano Michieletto et Paolo Fantin, de la boule noire du malheur. […]
[…] Der dritte Akt – einer der schönsten, die je zu sehen waren – wird daher von einem Publikum mit klopfendem Herzen und angehaltenem Atem verfolgt, das die von Damiano Michieletto und Paolo Fantin inszenierte langsame und monströse (wenn auch stets ästhetisch anmutende) Geburt des schwarzen Balls des Unheils miterlebt. […]
[…] L’on sait que l’on vient d’assister (lumières envoûtantes et chorégraphie au cordeau), et malgré le dévoilement calculé de ses batteries, à un spectacle total. […]
[…] Man weiß, dass man gerade – mit betörendem Lichtdesign und perfekt abgestimmter Choreografie – ein Gesamtkunstwerk erlebt hat. […]
[…] cette nouvelle production du Festival de Bregenz qui, une nouvelle fois a su faire rimer populaire (7000 spectateurs à chacune des 28 représentations, 2 années consécutives) avec exemplaire. […]
[…] Mit dieser neuen Produktion beweisen die Bregenzer Festspiele erneut, dass sich Popularität – 7.000 Zuschauer bei jeder der 28 Vorstellungen, bereits zum zweiten Mal in Folge – und höchste künstlerische Qualität keineswegs ausschließen. […]
Medium: ConcertoNet.com
Autor: Claudio Poloni
Titel: Quand La Traviata défie les éléments
Datum: 31.07.2026
[…] Trempés jusqu’aux os mais impériaux, ils livrent une performance vocale et physique magistrale, habités par le feu sacré. Une fin de représentation dantesque qui prouve que l’opéra en plein air reste une magnifique aventure. […]
[…] Bis auf die Knochen durchnässt, aber majestätisch, lieferten sie eine meisterhafte, von heiligem Feuer beseelte stimmliche und körperliche Leistung ab. Ein dantesker Schlussakt, der beweist, dass die Freiluftoper ein wunderbares Abenteuer bleibt. […]
[…] Ce baptême du feu s’est soldé par un spectacle grandiose. Le concept central est celui de l’illusion, au sein d’une société obsédée par l’image, les faux-semblants et le narcissisme. La scène est dominée par un immense miroir brisé imaginé par le scénographe Paolo Fantin, une structure de 25 mètres de haut et d’environ 700 mètres carrés composée de 86 fragments de verre et pesant 200 tonnes. […]
[…] Im Zentrum steht das Konzept der Illusion, innerhalb einer von Bildern, Scheinwelten und Narzissmus besessenen Gesellschaft. Die Bühne wird von einem gewaltigen, vom Bühnenbildner Paolo Fantin entworfenen zerbrochenen Spiegel dominiert – eine 25 Meter hohe, rund 700 Quadratmeter große Struktur aus 86 Glasfragmenten mit einem Gewicht von 200 Tonnen. […]
[…] Chaque déplacement des chanteurs et des choristes crée des ondulations, des éclaboussures et des jeux de lumière dynamiques grâce à de nombreux projecteurs. Ainsi, dans la vision de Damiano Michieletto, qui transpose l’œuvre dans l’effervescence du Paris des Années folles, l’eau devient une métaphore de la vie de Violetta Valery, symbolisant une société superficielle où l’on ne fait que s’amuser, laquelle n’est pas sans rappeler l’univers de Gatsby le Magnifique, mais où l’on finit littéralement par « boire la tasse » et se noyer socialement. […]
[…] Jede Bewegung der Sänger und des Chors erzeugt Wellen, Spritzer und dynamische Lichtspiele, verstärkt durch zahlreiche Scheinwerfer. In Michielettos Interpretation, die die Handlung in das pulsierende Paris der „Années folles“ verlegt, wird das Wasser so zur Metapher für Violetta Valérys Leben: Sinnbild einer oberflächlichen Gesellschaft, die nur dem Vergnügen frönt – nicht unähnlich der Welt aus „Der große Gatsby“ –, in der man am Ende jedoch buchstäblich „untergeht“ und sozial ertrinkt. […]
[…] Damiano Michieletto et Paolo Fantin ont signé un spectacle visuellement saisissant. […]
[…] Damiano Michieletto und Paolo Fantin ist damit eine visuell überwältigende Inszenierung gelungen. […]
[…] Pour ses débuts à Bregenz, le chef Pietro Rizzo a su maintenir une rigueur rythmique implacable. Et surtout, malgré les défis du plein air et la puissance parfois brute du système de sonorisation immersif, il a réussi à préserver les nuances du chef-d’œuvre de Verdi. […]
[…] Bei seinem Debüt in Bregenz bewies Dirigent Pietro Rizzo eine unerbittliche rhythmische Präzision. Und vor allem gelang es ihm trotz der Herausforderungen der Freiluftbühne und der mitunter rohen Kraft des immersiven Beschallungssystems, die Nuancen von Verdis Meisterwerk zu bewahren. […]
[…] Dans le rôle de Violetta, la soprano australienne Stacey Alleaume a offert une incarnation vibrante. Grâce à son agilité vocale, elle a parfaitement négocié les acrobaties du premier acte tout en apportant une profondeur tragique et désespérée aux actes suivants. Le ténor Long Long a fait forte impression en Alfredo Germont, avec sa voix chaleureuse, lumineuse et pleine d’ardeur juvénile. Dans le rôle de Giorgio Germont, Audun Iversen a incarné un patriarche autoritaire et solennel, avec un beau cantabile. […]
[…] In der Rolle der Violetta bot die australische Sopranistin Stacey Alleaume eine mitreißende Interpretation. Dank ihrer stimmlichen Beweglichkeit meisterte sie die akrobatischen Anforderungen des ersten Akts und verlieh den folgenden Akten zugleich tragische, verzweifelte Tiefe. Tenor Long Long hinterließ als Alfredo Germont starken Eindruck mit seiner warmen, strahlenden und jugendlich-leidenschaftlichen Stimme. In der Rolle des Giorgio Germont verkörperte Audun Iversen einen autoritären, würdevollen Patriarchen mit schönem Cantabile. […]