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Kritikerstimmen
Der eingebildete Kranke

Stand: 03.08.2026

KRANKER Rosa Enskat Melanie Kretschmann Tilman Tuppy(C)Tommy Hetzel BURG
© Tommy Hetzel

Medium: European-News-Agency
Autor: Nadejda Komendantova
Titel: A hypochondriac for the present
Datum: 27.07.2026

[…] The piece emerges as a thoroughly contemporary satire, written anew by Barbara Sommer and Plinio Bachmann without losing the structural brilliance of the 1673 original. […]

[…] Das Stück entpuppt sich als durch und durch zeitgenössische Satire, die von Barbara Sommer und Plinio Bachmann neu geschrieben wurde, ohne dabei die strukturelle Brillanz des Originals von 1673 zu verlieren. […]

[…] Sommer and Bachmann’s adaptation deserves particular praise. Rather than simply modernising vocabulary or adding topical jokes, they work with a deeper shift: the language is fast, rhythmically alive, and constantly oscillates between high and low registers. […]

[…] Die Bearbeitung von Sommer und Bachmann verdient besonderes Lob. Anstatt lediglich den Wortschatz zu modernisieren oder aktuelle Witze einzufügen, arbeiten sie mit einer tiefergehenden Veränderung: Die Sprache ist schnell, rhythmisch lebendig und pendelt ständig zwischen hohen und niedrigen Sprachregistern. […]

[…] The performance keeps the original plot clear while infusing it with present tense, avoiding the museum effect that can plague canonical comedies. The result is a text that feels nimble and precise, capable of switching from slapstick to genuine insight in a matter of lines. Bachmann’s direction combines the Burgtheater’s ensemble strength with an aesthetic that is visually striking yet not overburdened. […]

[…] Die Inszenierung hält die ursprüngliche Handlung klar im Blick und verleiht ihr zugleich eine zeitgemäße Note, wodurch der „Museums-Effekt“ vermieden wird, die kanonischen Komödien oft plagt. Das Ergebnis ist ein Text, der sich flink und präzise anfühlt und in der Lage ist, innerhalb weniger Zeilen von Slapstick zu echten Einsichten zu wechseln. Bachmanns Regie verbindet die Stärke des Burgtheater-Ensembles mit einer Ästhetik, die visuell eindrucksvoll ist, ohne jedoch überladen zu wirken. […]

[…] A special feature of this Eingebildete Kranke is the presence of live music on stage, which adds a Brechtian touch: musicians comment, underline and occasionally contradict the action, turning Argan’s domestic world into a kind of gently estranged theatre machine. […]

[…] Eine Besonderheit dieser Inszenierung von „Der eingebildete Kranke“ ist die Live-Musik auf der Bühne, die dem Ganzen einen brechtianischen Touch verleiht: Die Musiker kommentieren, unterstreichen und widersprechen gelegentlich dem Geschehen und Verwandeln Argans häusliche Welt in eine Art sanft verfremdete Theatermaschine. […]

[…] Argan’s desire to control his fate through medicine, contracts and family arrangements is a textbook case of wish colliding with reality, and the production elegantly threads this into the season’s larger exploration of illusions, self-deception and the social structures that enable them. […]

[…] Argans Bestreben, sein Schicksal durch Medizin, Verträge und familiäre Vereinbarungen zu kontrollieren, ist ein Musterbeispiel dafür, wie Wunsch und Wirklichkeit aufeinanderprallen, und die Inszenierung verwebt dies auf elegante Weise in die übergreifende Auseinandersetzung der Spielzeit mit Illusionen, Selbsttäuschung und den sozialen Strukturen, die diese ermöglichen. […]

[…] As a theatrical experience, this Eingebildete Kranke is both funny and unnerving. It confirms how enduring Molière’s diagnosis of human folly is, while showing that contemporary theatre can add new layers of relevance through intelligent adaptation and precise staging. […]

[…] Als Theatererlebnis ist dieser „Eingebildete Kranke“ sowohl komisch als auch beunruhigend. Er bestätigt, wie zeitlos Molières Diagnose der menschlichen Torheit ist, und zeigt zugleich, dass das zeitgenössische Theater durch intelligente Adaption und präzise Inszenierung neue Ebenen der Relevanz hinzufügen kann. […]



Medium: Kulturzeitschrift
Autor: Dagmar und Heinz Franziska Ullmann-Bautz
Titel: Zwischen Hypochondrie und Woke-Kultur
Datum: 26.07.2026

[…] Alles in allem war es ein ungewöhnlicher Theaterabend voller toller Ideen, eigenwilliger Figuren und einer spannenden, immer wieder überraschenden Sprache, die Molières Klassiker mitten in unsere aufgeregte Gegenwart versetzt. […]



Medium: Allgäuer Zeitung
Autor: Klaus-Peter Mayr
Titel: Fantastische Molière-Komödie in Bregenz: Hier macht jeder jeden krank
Datum: 26.07.2026

[…] ganz im Sinne von Molières Vorlage – furchtbar lustig und gnadenlos sarkastisch. Regisseur Bachmann und sein Team stellen nur eine Chaiselongue auf die Bühne. Umwerfend komisch, ja geradezu anarchisch und am absurden Theater orientiert hauen und stechen die Figuren in überzeichnet barocken Kostüme samt wilder Perücken aufeinander ein. Bisweilen rutscht das auch in Klamauk und Slapstick ab, aber alles gerät stimmig, was auch den herausragenden Schauspielerinnen und Schauspielern geschuldet ist. Theater der Spitzenklasse. […]



Medium: Vorarlberger Nachrichten
Autor: Andreas Marte
Titel: Molière im Spiegel der Gegenwart
Datum: 27.07.2026

[…] „Der eingebildete Kranke“ überzeugte in Bregenz mit Spielfreude, Tempo und Witz. […]

[…] Ein schwarzer Vorhang, eine Chaiselongue, markante Kostüme genügen Stefan Bachmann für einen Abend von hohem Tempo, großer Komik und ansteckender Spiellust. […]

[…] Doch bei so hoher Schauspielkunst werden selbst die schlichtesten Scherze zu humorvollen Perlen. […]

[…] Besonders sympathisch war, dass das Ensemble die für Köln entwickelten lokalen Anspielungen nicht unverändert nach Bregenz mitbrachte. In der entsprechenden Passage tauchten plötzlich der Bodensee, Hörbranz, Bregenz und Dornbirn auf. Das Augenzwinkern in Richtung Vorarlberg wurde vom Publikum mit hörbarem Vergnügen aufgenommen. […]

[…] Mit großer Geste, präzisem Timing und unerschöpflicher körperlicher Komik beherrscht Enskat die Bühne. […]

[…] Paul Basonga spielt Angélique mit komischer Präzision, Lola Klamroth gibt Cléante als Liebhaber, der seine Privilegien und die Regeln korrekter Kommunikation so eifrig reflektiert, dass die Liebe beinahe an ihrer eigenen Absicherung erstickt. Melanie Kretschmann ist als Toinette eine energiegeladene Strippenzieherin, die das Geschehen mit Witz und blitzschnellen Rollenwechseln vorantreibt. […]

[…] Die geschlechterübergreifende Besetzung ist kein bloßer Effekt. Sie verschiebt vertraute Rollenmuster, überzeichnet stereotype Zuschreibungen und zeigt, wie sehr gesellschaftliche Erwartungen theatrale Konstruktionen sind. […]

[…] Stefan Bachmanns Regie hält die Balance zwischen intellektuellem Spiel und entfesselter Komödie. Sie lässt das Ensemble auf der nahezu leeren Bühne toben, posieren, tanzen und streiten, ohne dass der Abend auseinanderfällt. […]

[…] Am Ende bleibt der Eindruck eines großartigen Theaterabends, der Molière nicht ehrfürchtig konserviert, sondern frech und lustvoll weiterdenkt. Die Textbearbeitung ist witzig, die Regie präzise, das Ensemble in Hochform. Dass das Publikum mit langem Jubel und Standing Ovations reagierte, war nur folgerichtig. Diese Produktion beweist, dass es für großes Theater manchmal nicht mehr braucht als einen klugen Text und ein Ensemble, das aus jeder Pointe das Beste herausholt. […]



Medium: Neue Vorarlberger Tageszeitung
Autor: Sebastian Vetter
Titel: Argans Angst regiert das Haus
Datum: 28.07.2026

[…] Mit Molières 1673 uraufgeführtem Klassiker „Der eingebildete Kranke“ brachte das Burgtheater ein Gastspiel von unglaublicher Qualität nach Bregenz. […]

[…] Stefan Bachmanns Inszenierung, ursprünglich am Schauspiel Köln entstanden und inzwischen am Wiener Burgtheater beheimatet, machte im Theater am Kornmarkt vor allem eines deutlich: Große Komödie braucht keine großen Apparate, wenn Timing, Körpersprache und Sprache derart präzise ineinandergreifen. […] 

[…] Melanie Kretschmann macht aus Argans Dienerin keine Nebenfigur, sondern das nervöse Zentrum der Vernunft. Sie durchschaut die Mechanik dieses Haushalts, muss sie aber zugleich am Laufen halten. Während die Herrschaften in ihren Ängsten, Haltungen und Begehrlichkeiten kreisen, kann sie sich kein pathologisches Verhalten leisten. Kretschmann spielt das mit trockenem Witz und einer erdenden Lakonie. […]

[…] Paul Basonga spielt sie mit Aufrichtigkeit und großem Herzen. […]

[…] Das medizinische System erhält in Doktor Purgon seine kalte Autorität. Barbara Petritsch spielt diese Figur hart, abgestumpft und von einer Unerschütterlichkeit, als könne sie nichts Menschliches mehr überraschen, geschweige denn berühren. Ihr Sohn Thomas Purgon ist die groteske Fortsetzung dieser Welt. Justus Balamohan Maier zeigt ihn als unbeholfenen Tölpel mit Diplom, mechanisch, unselbstständig und herrlich dumpf. […]

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