Bregenzer Festspiele
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Carmens rot lackierter Fingernagel im Gartengrün

Vier Ausstellungen beleuchten die Geschichte der Bregenzer Festspiele und setzen die grandiose Bühnenbau-Kunst gekonnt in Szene.

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© Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger

Vier kleine, aber feine und vielfältige Ausstellungen beleuchten die Geschichte der Bregenzer Festspiele und setzen vor allem die grandiose Bühnenbau-Kunst gekonnt in Szene. Am besten zu erleben sind sie auf einem Rundgang vom Martinsturm in der Bregenzer Oberstadt über das vorarlberg museum und die Seepromenade bis ins Festspielhaus.

Angefangen hat es mit zwei Kieskähnen im See, und mit einer darüber gelegten Spielfläche. Und mit dem Auftrag an die junge Wiener Schauspielerin und Bühnenbildnerin Wanda Milliore, sie solle sich ein einfaches Bühnenbild und die Kostüme einfallen lassen zu Mozarts Singspiel Bastien und Bastienne. So treten die Bregenzer Festspiele zwischen dem 4. und 11. August 1946 in einer vom Krieg gezeichneten Zeit ins Leben, und ihr Aufwachsen wird noch von vielen Krisen begleitet sein. Die hochbetagte Wanda Milliore erinnert sich an die unsicheren Anfänge in einem Film, der jetzt im Martinsturm zu sehen ist – einem von vier Orten, an denen die Bregenzer Festspiele zu ihrem 80. Geburtstag Bilanz ziehen und über sich nachdenken.

Im Martinsturm in der Bregenzer Oberstadt hat man dafür mit der Ausstellung „Nach dem Applaus. Kulissenteile und ihr neues Leben“ einen besonderen Zugang gefunden. Während der Film einen weiten Sprung macht und die Bühnenbildnerin Es Devlin im Detail schildert, wie die von ihr entworfene Seebühne zu Georges Bizets 2017 aufgeführter Oper Carmen in einem mehrjährigen Prozess entstanden ist, erfahren wir auf Schautafeln, wie Teile der Seebühnen-Kulissen andernorts ein zweites Leben anfangen. Da schaut dann der Finger mit rot lackiertem Nagel von Es Devlins riesiger Hand neckisch aus dem Gartengrün, da verteilt sich die Terrakotta-Armee aus Giacomo Puccinis Turandot quer übers Land, und der Elefant aus Giuseppe Verdis Aida macht sich per Schiff auf eine große, durchaus hindernisreiche Reise ans andere Ende des Bodensees.

Singen, auch wenn der Regen kommt
Ja, die Bregenzer Festspiele sind etwas Besonderes. Auch für jene, die auf der Bühne stehen oder drinnen im Festspielhaus im Orchester spielen. Das erfährt, wer eine Station weiterzieht, ins vorarlberg museum, zu den oben im Panoramaraum hörbaren „Festspielstimmen“. Sie liebe „diese Mischung aus Glamour und Camping“, schildert die Sängerin Hanna Herfurtner die Faszination des Anlasses. Sie habe „jeden Sommer das Gefühl, in einer anderen Welt zu sein“, erklärt Christel Dürr, die hinter der Bühne für alle Beteiligten die Teeküche führt. Die Sängerin Katharina Ruckgaber ist fasziniert vom See, der einmal aufgewühlt sein kann, dann wieder spiegelglatt. Und auch Regen macht ihr nichts aus, im Gegenteil. „Wenn es leicht regnet, macht das für mich als Darstellerin den Abend sogar intensiver.“ Hanna Herfurtner denkt dann: „Ach, das arme, arme Publikum.“ Und Rolando Villazón erinnert sich, wie es einmal in Puccinis La Bohème immer stärker geregnet habe, sie aber unverdrossen weitergesungen hätten. „Das war fantastisch, und das einzige Mal, dass ich unter einer großen Dusche gesungen habe“, sagt er mit dem ihm eigenen Humor.

Bühnenbilder voller Magie
Der Höhepunkt aber findet sich in den Seeanlagen: Großformatige Fotografien der Bregenzer Seebühnen zeigen Bühnenbilder, die vor dem Hintergrund von See und Sonnenuntergang eine besondere Magie entfalten. Welche kraftvollen Zeichen hier seit 1985 im Zwei-Jahres-Rhythmus gesetzt werden, wird an der Seepromenade in einer Open-Air-Ausstellung deutlich. Die chinesische Mauer, ein zerfallender Highway, ein riesiges Auge, ein beweglicher Clownskopf – kaum etwas, das die Bregenzer Technik noch nicht möglich gemacht hat.

In der Fotoausstellung Re-Light! 80 Jahre Bregenzer Festspielbühnen, die in Kooperation mit Leica im Showroom des Festspielhauses zu sehen ist, findet man schließlich die Modelle der Bregenzer Seebühnen in verfremdeter Form vor. Der Fotograf Jan von Holleben verwandelt das Bühnenbildarchiv der Festspiele in ein zeitgenössisches visuelles Erlebnis, und stellt auch die Frage: Woran erinnern wir uns, wenn wir zurückblicken auf Erlebtes? An etwas Reales, oder an Träume und Phantasien?

(ra)

Info

Die Ausstellungen:

Nach dem Applaus. Kulissenteile und ihr neues Leben
Martinsturm, bis 31. Oktober 2026

Festspielstimmen
vorarlberg museum, bis 23. August 2026

80 Jahre Seebühne in Bildern
Seepromenade, bis 23. August 2026

Re-Light! 80 Jahre Bregenzer Festspielbühnen
Showroom im Festspielhaus, bis 23. August 2026

22.06.2026 Ausstellung Martinsturm © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung Martinsturm © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung Martinsturm © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung Martinsturm © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung Martinsturm © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung vorarlberg museum © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung vorarlberg museum © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung vorarlberg museum © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung Seepromenade © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung Seepromenade © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung Seepromenade © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger
22.06.2026 Ausstellung Seepromenade © Bregenzer Festspiele / Tatjana Schnalzger

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