Bregenzer Festspiele
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Happy Birthday Bregenzer Festspiele!

Die Bregenzer Festspiele wurden 1946 gegründet und haben sich seither zu einem international bedeutenden Opern- und Musikfestival entwickelt. Aus den ersten Aufführungen auf zwei Kieskähnen im Bodensee ist ein Festival entstanden, das heute Besucher:innen aus aller Welt anzieht. Die Produktionen auf der Seebühne zählen seit 80 Jahren zu den außergewöhnlichsten Opernaufführungen weltweit und machen das Festival unverwechselbar. Zugleich umfasst das Programm Opernaufführungen im Festspielhaus, Konzerte, zeitgenössisches Musiktheater und zahlreiche weitere künstlerische Formate.

Viele Künstler:innen haben die Entwicklung der Festspiele mitgeprägt und mit ihren Arbeiten zur internationalen Ausstrahlung des Festivals beigetragen. Gleichzeitig haben sich Programm, Spielstätten und künstlerische Schwerpunkte immer wieder verändert und weiterentwickelt.

Untenstehend finden Sie Einblicke in die Geschichte der Bregenzer Festspiele von den Anfängen bis in die Gegenwart, Hintergrundinformationen sowie historisches Bildmaterial.

Gründung, Geschichte und Entwicklung

Die Bregenzer Festspiele finden diesen Sommer zum 80. Mal statt. Grund genug, einen Blick auf acht Jahrzehnte Festspiel-Geschichte zu werfen.

1946 war Bregenz eine Kleinstadt, vom Krieg gezeichnet, die Menschen voll Sorgen. Ablenkung durch Kultur und Einnahmen durch Tourismus lautete das politische Rezept gegen Zukunftsangst. Man hatte weder ein Theater noch ein Konzert- oder Opernhaus, aber ein paar einflussreiche Männer mit einer fixen Idee: Die Stadt am Bodensee sollte Festspielstadt werden. Die personellen Voraussetzungen waren gut, war doch die Vorarlberger Landesbühne neu gegründet, ebenso das Funkorchester und zahlreiche aus der russischen Zone geflüchtete Kunstschaffende suchten Arbeit. Die französische Verwaltung gab grünes Licht. Und bremste damit die Lindauer aus, die ebenfalls Festspiele wollten.

Aber wie macht man Kulturveranstaltungen ohne ein passendes Gebäude? Man nutzte, was man am See hatte – Kiesschiffe. Eines für das neue Funkorchester, das zweite für die Sänger:innen. Mozarts Bastien und Bastienne, Die Sieben gegen Theben und einige Konzerte wurden in dieser ersten „Festwoche“ aufgeführt. Befürchtungen aus dem Rathaus, die Festwoche würden zu teuer, bewahrheiteten sich nicht. Die erste Ausgabe der Festspiele machte Gewinn, dank des Schweizer Publikums, das für volle Sitzbänke sorgte.

Von Anfang an war das Wetter ein Sorgenkind der Veranstalter. Die von den Franzosen errichtete Sporthalle, mehr Großbaracke als Halle, wurde zum Ausweichquartier. Böllerschüsse taten kund, wenn vom See in die Holzhalle gewechselt werden musste. Ein kleineres, aber umso lästigeres Problem waren die Mücken. Ihm war leichter beizukommen als dem Regen – man ließ vor den Aufführungen Arbeiter mit Sprühgeräten die Mücken von Bühne und Tribüne vertreiben.

Schnell nahmen die Festspiele Fahrt auf – 1949 wurde der Verein Festspielgemeinde Bregenz gegründet, der bis in die 1980er-Jahre Träger der Festspiele war und das Festival bis heute als Verein der Freunde der Bregenzer Festspiele unterstützt.1946 begann die bis heute andauernde Kooperation mit den Wiener Symphonikern, man ging eine Partnerschaft mit dem Burgtheater ein, Stars der Bühne und der Oper kamen nach Bregenz: Oskar Werner, Annemarie Düringer, Robert Stolz, Karl Böhm, Monserrat Caballé, um nur einige zu nennen.

Das liebe Geld
Große Pläne wurden gewälzt. Gegen das Wetter könnte man eine Glaskuppel errichten oder besser noch ein Festspielhaus. Der erste Architekturwettbewerb wurde 1955 ausgeschrieben. Das Siegerprojekt von Wilhelm Braun wurde nie umgesetzt. Zu groß waren die finanziellen Sorgen in den 1960er-Jahren. Die Operettenseligkeit auf der Seebühne war ein teures Vergnügen für Veranstalter wie Publikum. Auch wenn man auf Gassenhauer wie den Zigeunerbaron mit lebendigem Ferkel als Nebendarsteller setzte, blieben die Festspiele Kultur für Besserverdienende.

In den 1970er-Jahren wurde die Kritik an der Hochkultur sehr laut. Die Randspiele, von jungen Kulturschaffenden gegründet, brachten zeitgenössische Kunst an den See und opponierten gegen den Bau des Festspielhauses. Erfolglos, 1980 wurde das Haus eröffnet. Die langjährigen Festspielchefs Ernst Bär und Albert Fuchs konnten sich nicht lange daran erfreuen – waren sie doch 1982 mit einem schonungslosen Rechnungshofbericht konfrontiert, der Steuerschulden in Millionenhöhe aufdeckte. Das Management wurde ausgewechselt. Mit dem Triumph der Zauberflöte 1985 auf der Seebühne wurde eine neue Ära eingeleitet. Seit damals wird das Spiel auf dem See jeweils zwei Sommer lang gespielt. Die Festspiele wurden immer internationaler, vielfältiger. Hightech hielt hinter und auf der Bühne Einzug.

In der Intendanz folgten auf Ernst Bär Alfred Wopmann, David Pountney, Elisabeth Sobotka und aktuell Lilli Paasikivi. Grundidee der modernen Festspiele ist es, für alle zugängliche und verständliche Aufführungen mit hohem künstlerischem Anspruch zu schaffen.

Heute bespielen die Festspiele neben der komplett runderneuerten Seebühne mehrere Spielstätten im Festspielhaus und an externen Spielstätten in Bregenz. Rund 240.000 Besucher:innen kommen in den Sommermonaten nach Bregenz und freuen sich über ein erlebnisreiches Kulturprogramm am Bodensee.

Abdruck honorarfrei unter Nennung des Bildnachweises "Bregenzer Festspiele" sowie des jeweiligen Fotografen im Rahmen aktueller, redaktioneller Berichterstattung über die Bregenzer Festspiele.

Bitte beachten Sie die Allgemeinen Nutzungsbedingungen.

03.08.1947 1947 - "Die Entführung aus dem Serail" © Archiv Bregenzer Festspiele / Risch Lau
03.08.1947 1947 - Probenfoto zu "Die Entführung aus dem Serail" © Archiv Bregenzer Festspiele / Hans Feitl
26.07.1952 1952 - "Der Vogelhändler" © Archiv Bregenzer Festspiele - Branz
26.07.1952 1952 - "Der Vogelhändler" Martha Musial und Chordamen
© Archiv Bregenzer Festspiele / Fotograf unbekannt
01.01.1954 1954 - Regiebesprechung "Die Fledermaus" Adolf Rott (Inszenierung, zweiter v.l.), Anton Paulik (Dirigent, dritter v.l.), Fritz Judtmann (Bühnenbild, erster v.r.) ,
© Archiv Bregenzer Festspiele / Alfstäger
23.07.1955 1955 - Entmückungsteam © Archiv Bregenzer Festspiele / Fotograf unbekannt
21.07.1956 1956 - "Der Bettelstudent" Bühnenaufbau Piloten setzten © Archiv Bregenzer Festspiele / Fotograf unbekannt
21.07.1956 1956 - "Der Bettelstudent" © Archiv Bregenzer Festspiele / Fotograf unbekannt
20.07.1957 1957 - "Zar und Zimmermann" © Bregenzer Festspiele / Branz
19.07.1958 1958 - "Die verkaufte Braut" Mitwirkende der Seebühnenproduktion
© Bregenzer Festspiele / Staeger
31.07.1985 1958 - "Hotel Sacher" (Konstantin Zajec als Mister Jones) Wiener Staatsopernballett
© Bregenzer Festspiele / Spang
23.07.1960 1960 - "Wiener Blut" Luftaufnahme
© Archiv Bregenzer Festspiele / Risch Lau
19.07.1963 1963 - Aufbaubild "Banditenstreiche" © Archiv Bregenzer Festspiele / dpa
01.01.2026 1963 - Seegfrörnen mit Resten des Bühnenbildes "Die Trauminsel" © Archiv Bregenzer Festspiele / Oskar Spang
22.07.1961 1961- "Der Zigeunerbaron" (Karl Dönch als Kálmán Zsupán) © Archiv Bregenzer Festspiele / Oskar Spang
25.07.1964 1964 - "Das Land des Lächelns" © Archiv Bregenzer Festspiele / Fotograf unbekannt
19.06.1965 1965 - Hochwasser Bühne wurde durch das Hochwasser und den Sturm zerstört.
© Archiv Bregenzer Festspiele / Fotograf unbekannt
24.07.1965 1965 - "Eine Nacht in Venedig" © Archiv Bregenzer Festspiele - Branz
24.07.1968 1968 - "Die lustige Witwe" Szenenbild
© Archiv Bregenzer Festspiele - Foto Hütter
23.07.1969 1969 - "Hochzeit am Bodensee" Robert Stolz (Komponist) mit Enzi Stolz © Archiv Bregenzer Festspiele / Fotograf unbekannt
24.07.1970 1970 - "Die Fledermaus" © Archiv Bregenzer Festspiele / Walter Gnaiger
20.07.1979 1979 - "Turandot" © Archiv Bregenzer Festspiele / Fotograf unbekannt
21.07.1982 1982 - "Der Zigeunerbaron" © Archiv Bregenzer Festspiele / Fotograf unbekannt
18.07.1997 1997 - "Porgy and Bess" Szenenbild
© Archiv Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Abdruck honorarfrei unter Nennung des Bildnachweises "Bregenzer Festspiele" sowie des jeweiligen Fotografen im Rahmen aktueller, redaktioneller Berichterstattung über die Bregenzer Festspiele.

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07.07.2025 Der Freischütz 2024 | 25 © Bregenzer Festspiele / Daniel Ammann
15.07.2023 Madame Butterfly 2022 | 23 © Bregenzer Festspiele / Anja Koehler
26.07.2021 Rigoletto 2019 | 21 © Bregenzer Festspiele / Anja Koehler
14.07.2018 Carmen 2017 | 18 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
21.07.2016 Turandot 2015 | 16 © Bregenzer Festspiele / Marcel Hagen Studio 22
19.08.2013 Die Zauberflöte 2013 | 14 © Bregenzer Festspiele / Benno Hagleitner Vision Fotografie
17.07.2011 André Chénier 2011 | 12 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
22.07.2009 Aida 2009 | 10 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
19.07.2007 Tosca 2007 | 08 © Bregenzer Festspiele / Benno Hagleitner
21.07.2005 Der Troubadour 2005 | 06 © Bregenzer Festspiele / Andereart
17.07.2003 West Side Story 2003 | 04 © Bregenzer Festspiele / Benno Hagleitner
18.07.2001 La Bohème 2001 | 02 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
21.07.1999 Ein Maskenball 1999 | 00 © Bregenzer Festspiele / Benno Hagleitner
18.07.1997 Porgy und Bess 1997 | 98 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
21.07.1995 Fidelio 1995 | 96 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
21.07.1994 Nabucco 1993 | 94 © Bregenzer Festspiele / Peter Mathis
23.07.1991 Carmen 1991 | 92 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
21.07.1989 Der Fliegende Holländer 1989 | 90 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
22.07.1987 Hoffmanns Erzählungen 1987 | 88 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster
24.07.1985 Die Zauberflöte 1985 | 86 © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

1946

Auf zwei Kieskähnen – einer für die Bühnenaufbauten von Mozarts Jugendwerk Bastien und Bastienne, der andere für das Orchester – fand ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges die erste Bregenzer Festwoche statt. In einer Stadt, die damals nicht einmal über ein Theater verfügte, schien die Idee, Festspiele abzuhalten, aberwitzig, doch die Notlösung, den schönsten Teil der Stadt – den Bodensee – als Bühne zu wählen, erwies sich als durchschlagender Erfolg. Besucher:innen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und aus Frankreich ließen das Festival schon im ersten Bestandsjahr zu einem internationalen Ereignis werden. Von Beginn an bildeten die Wiener Symphoniker das Festspielorchester und haben bis heute großen Anteil an der Entwicklung und dem Erfolg des Festivals.

1950

Die Bregenzer Festspiele erhalten ihr erstes Zuhause. Auf einer auf Holzpiloten stehenden Bühneninsel gelangen in erster Linie Operette und Ballett zur Aufführung. Der Zuschauerraum umfasst 6500 Plätze, bei Regen kann in eine 1000 Personen fassende Sporthalle ausgewichen werden. Bereits ein Jahr zuvor, 1949, wurde die Bregenzer Festspielgemeinde gegründet, ein Verein, bestehend aus Bregenzer Bürger:innen, der in der Folge als Veranstalter der jährlichen Festspiele auftritt.

Walter von Hoesslin setzt gemeinsam mit Adolf Rott (Regie) die ersten Schritte in Richtung eines eigenen Bregenzer Aufführungsstils, indem er als Bühnenbildner von der reinen 'Guckkastenbühne' auf der Seebühne Abstand nimmt. Für ihn ist der See nicht nur Kulisse, sondern zentraler Bestandteil der Aufführungen.

1955

Das Theater am Kornmarkt wird eröffnet. Dass das erste Bregenzer Theater ursprünglich ein Kornspeicher war, wird in der Namensgebung weitergeführt. Mit rund 700 Sitzplätzen ist das kleine Theater so konzipiert, dass auch Oper und Ballett aufgeführt werden können. Im Sprechtheater wird es zur Heimat des Vorarlberger Landestheaters sowie der Gastvorstellungen des Wiener Burgtheaters, des Volkstheaters, der Josefstadt und zahlreicher deutscher Bühnen im Rahmen der Festspiele. Im Bereich des Musiktheaters werden bis in die 70er-Jahre italienische Spiel- und Belcanto-Opern präsentiert.

1962

Die Festspiele dauern durch den Zuspruch des Publikums nicht nur immer länger, es wird auch das Programmangebot erweitert. Ab 1962 werden im Renaissanceschloss in Hohenems Kammermusikkonzerte und Haydnopern gespielt. Auf der Seebühne gelangen seit 1960 mit großem Erfolg Ballettabende zur Aufführung.

1972

Während auf der Seebühne gleich zwei verschiedene Musiktheaterproduktionen zu sehen sind,  (Der Bettelstudent und Die Feenkönigin), wird der Martinsplatz in der Bregenzer Altstadt, auf dem in den 60er-Jahren gelegentlich Serenadenkonzerte stattfanden, als neuer Aufführungsort entdeckt. Ab nun werden hier in Zusammenarbeit mit dem Theater für Vorarlberg Schauspielvorführungen unter freiem Himmel geboten. Die Doppelaufführung auf der Seebühne bleibt übrigens einmalig. In Zukunft beschränkt man sich wieder auf eine Inszenierung pro Spieljahr auf dem See.

1979/80

Mit der Eröffnung des Festspiel- und Kongresshauses (1980, neue Seebühne 1979) geht ein lange gehegter Traum der Festspiele in Erfüllung. Obwohl nach vielen Diskussionen nur ein Rumpfprojekt der ursprünglichen Vorlage verwirklicht wurde, sind nun neue Dimensionen möglich. Das Festspielhaus ist mit der Seebühne verbunden, sodass bei einer plötzlichen Wetterverschlechterung eine Aufführung im Haus für rund 1700 der 4500 Besucher:innen möglich ist. Die Festspielhausbühne entspricht in ihren Dimensionen jenen internationaler Häuser. Die neue Seebühne verfügt über einen Betonkern, in dem sich die wichtigsten infrastrukturellen Einrichtungen sowie der Orchestergraben befinden; um diesen Kern herum wird auf Holzpiloten das Fundament für das jeweilige Bühnenbild gelegt.

1985

Mit der Intendanz von Alfred Wopmann ab 1982 und dem Triumph der Zauberflöte auf der Seebühne wird eine neue Ära eingeleitet. In Zukunft wird das Spiel auf dem See jeweils zwei Sommer lang gespielt. Die Bühnenaufbauten werden nun stabiler, da sie auch im Winter stehen bleiben. Die Entwicklung einer eigenständigen Bregenzer Dramaturgie soll vor allem die Hemmschwellen des Publikums abbauen und den Gedanken des für jeden zugänglichen Volkstheaters mit künstlerischem Anspruch betonen. Die Bregenzer Dramaturgie sieht für das Spiel auf dem See eine betonte Visualisierung der Opernthemen vor. Dadurch wird der Inhalt emotional aufgenommen und leichter verständlich, sodass auch für jene Besucher:innen, die selten in die Oper gehen, ein spontanes Verstehen der Vorgänge möglich wird. Diese besondere Art der Darstellung, die Unverwechselbarkeit des Ortes und die besondere Atmosphäre des Theaters unter freiem Himmel stellen den besonderen Reiz der Bregenzer Festspiele dar.

1988

Die Bregenzer Dramaturgie setzt auch im Festspielhaus neue Akzente. Als Gegengewicht zum opulenten Spiel auf dem See werden Opernraritäten aufgeführt. Mit künstlerisch anspruchsvollen und modernen Inszenierungen sollen zu Unrecht selten gespielte bzw. vergessene Opern ihren Weg zurück in die Spielpläne finden. International stark beachtet festigt diese Aufführungsschiene, der eine eigene Bühnenästhetik zugrunde liegt, den Ruf der Bregenzer Festspiele als innovatives Festival.

1993/94

Das Zuschauerinteresse für die Seeproduktion Nabucco übersteigt alle Erwartungen; auch mit der Errichtung von Zusatztribünen und dem Einschub von zusätzlichen Vorstellungen kann das Interesse nur unzureichend befriedigt werden. Über 300.000 Menschen erleben in diesen beiden Sommern Verdis Nabucco auf der Seebühne. Nach langen Diskussionen wird der Bau einer Probebühne von den Subventionsgebern bewilligt. Direkt beim Festspielhaus angedockt soll sie die Produktionsbedingungen wesentlich erleichtern und somit auch kostengünstiger machen.

1995

Die Bregenzer Festspiele werden zum 50. Mal durchgeführt. Mit Beethovens Fidelio auf der Seebühne (Dirigent Ulf Schirmer, Regie David Pountney, Bühne Stefanos Lazaridis) und Rimski-Korsakows Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch (Dirigent Vladimir Fedoseyev, Regie Harry Kupfer, Bühne Hans Schavernoch) wird die Bregenzer Dramaturgie, einem populären Werk auf der Seebühne ein unbekanntes im Festspielhaus entgegenzusetzen, fortgeführt.

1995/96

In den Jubiläumsjahren der Bregenzer Festspiele übersteigt das Zuschauerinteresse alle Erwartungen, auch Zusatztribünen und der Einschub von zusätzlichen Vorstellungen können die Kartennachfrage nur unzureichend befriedigen. Mit insgesamt 318.000 Zuschauer:innenn avanciert Fidelio zur bestbesuchten Produktion auf der Seebühne.

1997/98

Die Bregenzer Festspiele machen sich auf zu neuen Ufern. Sichtbares Zeichen dafür ist einerseits der mächtig aus dem See emporragende Highway als Kulisse für George Gershwins Porgy and Bess, Neuorientierung und Aufbruch signalisiert aber vor allem aber die neu erbaute Werkstattbühne, die völlig neue Perspektiven eröffnet. Die Werkstatt- und Probebühne ergänzt die Theaterschauplätze See und Festspielhaus, sodass 1998 mit drei verschiedenen Bühnen – der Seebühne, dem Großen Saal im Festspielhaus und der Werkstattbühne – insgesamt 12.000 Theaterplätze zur Verfügung stehen. 1998 findet die szenische Uraufführung von Georg Friedrich Haas' Oper Nacht auf der Werkstattbühne statt. Die Bregenzer Festspiele setzen mit dem Programm crossculture eindrucksvolle Akzente im Programmbereich für ein jugendliches Publikum und erreichen damit jährlich bis zu 10.000 Jugendliche. crossculture erhält 1998 den Österreichischen Staatspreis für Public Relations.

1999/00

Als Spiel auf dem See kommt 1999 erstmals in der Geschichte der Bregenzer Festspiele Ein Maskenball von Giuseppe Verdi zur Aufführung. Zu einer Musik, die Kontraste wie Tanz und Tod in sich vereinigte, tritt eine szenische Umsetzung, deren Bilder im Sommer 1999 um die Welt gehen. Weitere Highlights sind die Opern im Festspielhaus – 1999 Bohuslav Martinus Griechische Passion, 2000 Der Goldene Hahn von Nikolai Rimsky Korsakow – sowie auf der Werkstattbühne 1999 die Mono-Oper Das Tagebuch der Anne Frank von Grigori Frid und das fringe-festival. 2000 istAstor Piazzollas Tango-Operita Maria de Buenos Aires zu sehen.

2001/02

Nach dem großen Erfolg von Guiseppe Verdis Ein Maskenball auf der Seebühne setzen die Bregenzer Festspiele weiterhin auf das fulminante britische Regieduo Richard Jones und Antony McDonald. Auf dem Programm steht Giacomo Puccinis Erfolgsoper La Bohème, in deren Zentrum Leben, Gefühle, Sehnsüchte und Hoffnungen einer Gruppe junger Künstler in der Großstadt Paris stehen. Auch in der Oper im Festspielhaus, Carlisle Floyds Of Mice and Men nach dem berühmten gleichnamigen Roman von John Steinbeck, geht es um die Traumwelten, Hoffnungen und Enttäuschungen zweier Außenseiter der Gesellschaft.

Mi der Programmschiene „Kunst aus der Zeit“ ebenen die Bregenzer Festspiele ab dem Sommer 2001 zeitgenössischem Kunstschaffen neue Wege: In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Thalia Theater ist zeitgenössisches Theater auf die Werkstattbühne zu sehen, während eine neue Kooperation mit dem Kunsthaus Bregenz ganz im Zeichen des Themas „Amerika des 20. Jahrhunderts“ steht.

2003

Im Abschiedsjahr des langjährigen Intendanten Alfred Wopmann bringt das Festival Leonard Bernsteins Erfolgsmusical West Side Story auf die größte Seebühne der Welt: Bernstein schuf mit der zeitlosen Liebesgeschichte eine neue und zugleich einzigartige Form des Musiktheaters. Unvergessliche Songs wie „Maria“, „America“ oder „Tonight“ und eine atemberaubende Choreographie zogen die Zuschauer:innen im Sommer 2003 auf der Seebühne in ihren Bann. Regie führte die Amerikanerin Francesca Zambello, für die Choreografie zeichnete Richard Wherlock verantwortlich, das Bühnenbild stammte von George Tsypin. Im Festspielhaus steht Leos Janaceks Oper Das Schlaue Füchslein auf dem Programm. Es inszeniert Daniel Slater, für die Ausstattung zeichnete Robert Innes Hopkins verantwortlich. Kunst aus der Zeit bringt unter anderem die Uraufführung der neuen Oper des Komponisten Georg Friedrich Haas die schöne wunde. Das Hamburger Thalia Theater gastiert im Sommer 2003 erstmals mit einer Premiere: Zu sehen ist Nacht und Träume von Samuel Beckett.

2004

Die erste Festspielsaison des neuen Intendanten David Pountney bringt ganz dem Motto „Kontinuität und Erneuerung“ entsprechend die Wiederaufnahme von Bernsteins gefeiertem Erfolgsmusical West Side Story auf der Seebühne sowie auch zahlreiche Neuerungen. Gleich zu Beginn des Festspielsommers sorgt die neu gestaltete Eröffnung für frischen Wind: „Ernsthafte, interessante Ideen in einem populären Format zu präsentieren, das ist es, was die Bregenzer Festspiele zu einem so einzigartigen Festival gemacht hat. Diesen Weg weiterzugehen und zu vertiefen ist mein erklärtes Ziel“, so Intendant David Pountney über seine erste Saison.

Erstmals steht der Festspielsommer ganz im Zeichen eines speziellen Schwerpunkts, der dem Komponisten Kurt Weill gewidmet ist. So werden im Rahmen der Oper im Festspielhaus Weills selten gespielte Frühwerke Der Protagonist und Royal Palace aufgeführt, während im Bregenzer Kornmarkttheater seine vergessene Operette Der Kuhhandel in der Inszenierung von Intendant David Pountney den Auftakt einer neuen Operettenschiene bildet.

Die Besucherzahl der zeitgenössischen Programmreihe Kunst aus der Zeit (KAZ) übertrifft im Sommer alle Erwartungen: Von David Pountney ausgebaut und weiter aufgewertet, kann KAZ mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen aufwarten, darunter The Story of Io des britischen Komponisten-Altmeisters Sir Harrison Birtwistle und Hoffmanniana des jungen Vorarlberger Komponisten Thomas Dézsy. Das Hamburger Thalia Theater begeistert die Zuschauer:innen mit der satirischen Rentnerkomödie Thalia Vista Social Club.

2005

David Pountneys Rückkehr zu epischen Opern auf der Seebühne ist ein voller Erfolg: Mit Giuseppe Verdis Der Troubadour übertrifft er die Besucherzahlen von Ein Maskenball und La Bohème. Rund 173.000 Menschen erleben das Meisterwerk im spektakulären Bühnenbild von Paul Steinberg. Die Oper im Festspielhaus und die Orchesterkonzerte fokussieren sich auf den Dänen Carl Nielsen. Seine Oper Maskerade findet regen Zuspruch und bestätigt Pountneys Konzept eines künstlerischen Schwerpunkts, wobei besonders seine temperamentvolle Inszenierung beeindruckt.

Im Bregenzer Kornmarkttheater setzt sich die erfolgreiche Wiederentdeckung seltener Operetten fort: Johann Strauß’ Der Lustige Krieg ist restlos ausverkauft. Parallel dazu etabliert sich die zeitgenössische Reihe Kunst aus der Zeit (KAZ) mit einer Auslastung von bis zu 92 Prozent weiter; der zugehörige KAZ-Pass ist bereits im Juli vergriffen.

2006

Der Sommer steht vor allem im Zeichen des neu sanierten Festspielhauses – des „schönsten Geburtstagsgeschenks zum 60-jährigen Festspieljubiläum“, wie es Festspielpräsident Günter Rhomberg nennt: „Endlich ist es in diesem Sommer möglich, dem Publikum unser Programm in einer Infrastruktur darzubieten, die der Qualität der Festspielaufführungen gerecht wird.“

Das Spiel auf dem See Der Troubadour reiht sich unter die erfolgreichsten Opern auf der Seebühne der vergangenen zehn Jahre ein: 301.573 Besucher:innen sehen in zwei Jahren die spektakuläre Inszenierung von Robert Carsen und Paul Steinberg.

Einhellige Begeisterung bei Kritik und Publikum gibt es für die Oper im Festspielhaus Der Untergang des Hauses Usher von Claude Debussy: In der ersten Opernproduktion im Rahmen der Bregenzer Festspiele auf der Bühne des neu renovierten Festspielhauses gelingt es auf einzigartige Weise, Debussys Ballette Prélude à l’après-midi d’un faune und Jeux sowie den neu vollendeten Operneinakter Der Untergang des Hauses Usher zu vereinen. Die zeitgenössische Programmreihe Kunst aus der Zeit und die Orchesterkonzerte erzielen Besucherrekorde.

2007

Giacomo Puccinis Opernthriller Tosca, das Spiel auf dem See 2007/2008, erweist sich als ideale Wahl für die Seebühne: Nicht nur die packende Inszenierung von Philipp Himmelmann und das spektakuläre Bühnenbild von Johannes Leiacker, sondern auch die großen, emotionalen Momente dieser Oper ziehen das Publikum in ihren Bann. Das neue Seebühnen-Soundsystem BOA kann überzeugen: „Erstmals ist auf der Seebühne der Klang genauso spektakulär wie die Szene“, heißt es etwa im Münchner Merkur.  

Abseits der Seebühne steht der Festspielsommer 2007 ganz im Zeichen des Schwerpunkts „Britten and Britain“: Das Festival präsentiert nicht nur das erste und letzte Musiktheaterwerk des englischen Komponisten Benjamin Britten, sondern auch zahlreiche seiner Orchesterwerke. Höhepunkt ist Yoshi Oidas einfühlsam-schlichte Inszenierung von Brittens Spätwerk Tod in Venedig. Als zweite Britten-Rarität ist die Operette Paul Bunyan im Kornmarkttheater zu sehen. Mit Gastspielen des Wiener Theaters in der Josefstadt (Gefährliche Liebschaften) und des Hamburger Thalia Theaters (Ein Sommernachtstraum) rückt im Sommer 2007 das Schauspiel wieder verstärkt ins Zentrum des Festspielprogramms. Kunst aus der Zeit zeigt unter dem Motto „Made in Britain“ unter anderem die österreichische Erstaufführung der Oper The Shops sowie Ben Masons Fußballoper Playing Away in der Regie von David Pountney.

2008

Ein besonderes Jahr: James Bond-Dreharbeiten und ZDF-Arena
Für die spektakuläre Umsetzung von Puccinis Opernthriller Tosca begeistern sich nicht nur Besucher:innen aus aller Welt: Im Juli 2007 hatte ein Team von EON Productions, der Produktionsfirma, die hinter den Bond-Filmen steht, eine der letzten Tosca-Proben besucht. Produzentin Barbara Broccoli und Regisseur Marc Forster waren beeindruckt – von der einzigartigen Location am Bodenseeufer, dem imposanten Bühnenbild mit seinen technischen Möglichkeiten und der modernen Architektur des Festspielhauses.

Und so wird die Bregenzer Tosca Anfang Mai für zehn Tage zum Schauplatz des Bond-Streifens Ein Quantum Trost. In siebeneinhalb Minuten packender Action im Festspielhaus und auf der Seebühne entdeckt Bond während der Tosca-Vorstellung erstmals seine Widersacher. Regisseur Marc Forster fügt das Spiel auf dem See auf ganz eigene Art und Weise in die Filmhandlung ein: Die Jagd durch das Festspielhaus läuft am Schluss ab wie ein apokalyptischer Stummfilm – immer wieder durchsetzt mit den eindrucksvollen Szenen der Oper.

Kurz darauf, im Juni, ist das Tosca-Auge dann nicht mehr blau, sondern ZDF-Orange: Die Seetribüne wird während der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und in der Schweiz zur Public Viewing Arena. An allen ZDF-Spieltagen moderiert und kommentiert die „ZDF-Dreierkette“ Johannes B. Kerner, Jürgen Klopp und Urs Meier vor tausenden begeisterten Fans. Mehr als 160.000 Schlachtenbummler feiern drei Wochen lang ein Fußballfest.

Der Festspielsommer 2008
Nach den Bond-Dreharbeiten und dem ZDF-EM-Studio kann das – inzwischen wieder blaue – Tosca-Auge im Rahmen des Festspielsommers auch in seiner „Originalform“, nämlich als Opernkulisse, die Besucher:innen an den Bodensee locken: Sie machen Tosca zur bestbesuchten Seebühnen-Opernwiederaufnahme der vergangenen zehn Jahre. Das weitere Festspielprogramm steht im Sommer ganz im Zeichen eines umfangreichen Schwerpunkts, der dem österreichischen Komponisten Ernst Krenek gewidmet ist. Im Zentrum steht Kreneks „Bühnenwerk mit Musik“ Karl V. als Oper im Festspielhaus sowie Kehraus um St. Stephan als Operette im Theater am Kornmarkt.

Der Ernst-Krenek-Schwerpunkt der Bregenzer Festspiele wird darüber hinaus im September von der Fachzeitschrift Opernwelt als „Wiederentdeckung des Jahres“ ausgezeichnet. Zwei ausverkaufte Schauspielproduktionen – das Wiener Theater in der Josefstadt mit Buddenbrooks von John von Düffel nach Thomas Mann im Theater am Kornmarkt, das Hamburger Thalia Theater mit René Polleschs Die Welt zu Gast bei reichen Eltern im Shed8 – und hervorragende Kritiken machen den neuen Schauspielschwerpunkt auch in seinem zweiten Jahr zu einem Highlight des Festivalsommers. Die zeitgenössische Reihe Kunst aus der Zeit kann auf der Werkstattbühne mit drei Uraufführungen aufwarten, das Jugendprogramm crossculture erreicht mit dem umfangreichsten Programm seit Anbeginn einen neuen Teilnehmer- und Besucherrekord.

2009

Für das Spiel auf dem See versetzen Regisseur Graham Vick und Bühnenbildner Paul Brown Aida kurzerhand ins Wasser und begeistern mit dieser eigenwilligen Interpretation Besucher:innen und Kritiker:innen. Die aus Teilen einer zerborstenen Statue bestehende Bühne wird mittels zweier riesiger Kräne allabendlich vor den Augen des Publikums zusammengesetzt. In ihrem ersten Sommer am Bodensee erweist sich die Oper Aida als bestbesuchte Opernproduktion auf der Seebühne, nur knapp hinter dem Musical West Side Story.

König Roger des polnischen Komponisten Karol Szymanowski ist als Oper im Festspielhaus zu sehen. Sowohl die Inszenierung von Intendant David Pountney im Bühnenbild von Raimund Bauer als auch die musikalische Umsetzung unter der Leitung von Sir Mark Elder am Pult der Wiener Symphoniker werden als „grandiose“ Leistungen gewürdigt, die einen „wahren Festspielabend“ bescheren.

Dank eines fulminanten Gastspiels der englischen Opera North Leeds gibt es nicht nur eine, sondern gleich drei Operetten im Festspielhaus zu sehen. Gezeigt werden Schostakowitschs rasante Wohnbau-Komödie Paradies Moskau, Gershwins bissige Präsidenten-Satire Für Dich Baby! und Hautnah des englischen Komponisten David Sawer.

Kunst aus der Zeit trägt erstmals zur Gänze die Handschrift der neuen künstlerischen Leiterin Laura Berman. Zu sehen sind die neuesten Werke des britischen Komponisten-Altmeisters Sir Harrison Birtwistle (Semper Dowland & The Corridor) und der Berliner Truppe Nico and the Navigators zusammen mit der Musicbanda Franui (Anaesthesia).

2010

Giuseppe Verdis Aida erweist sich – ganz ohne Pyramiden, dafür mit blauen Füßen und riesigen Kränen – in diesem kühlen Sommer als die mit Abstand bestbesuchte Seebühnen-Oper der Festivalgeschichte.

Abseits der Seebühne zeigt das Festival unter dem Motto „In der Fremde“ eine Retrospektive des polnisch-russischen Komponisten Mieczysław Weinberg. Höhepunkte sind die szenische Uraufführung der Oper Die Passagierin im Festspielhaus sowie die Erstaufführung von Das Portrait im Kornmarkttheater. Die Passagierin, ein Werk über die Begegnung einer SS-Aufseherin mit einer Auschwitz-Gefangenen, beweist eindrucksvoll, wie ein vermeintlich „schwieriges“ Thema zum Publikumsmagneten wird. Die Fachzeitschrift Opernwelt zeichnet das Werk später als „Wiederentdeckung des Jahres“ aus.

Bereits im Juni präsentiert das Festival Weinbergs Filmkompositionen im Metro Kino. Die neu ins Leben gerufene Reihe Musik & Poesie ergänzt den Schwerpunkt mit Weinbergs Kammermusik und russischer Lyrik. Das Deutsche Theater Berlin kehrt unter Ulrich Khuon mit Joseph Conrads Herz der Finsternis und Lukas Bärfuss' Öl an den Bodensee zurück. Parallelen zu Weinberg zeigen sich auch in Kunst aus der Zeit: Die multimediale Oper Jacob's Room von Morton Subotnick feiert nach Jahrzehnten in der Schublade ihre bejubelte Uraufführung auf der Werkstattbühne.

2011

Der nasskalte Sommer 2011 beschert den Bregenzer Festspielen mit André Chenier begeisterte Besucher:innen eines eher unbekannten Werks auf der Seebühne und mit Solaris erstmals eine Auftragskomposition als Oper im Festspielhaus.

Die begeisterten Kritiken für Umberto Giordanos Revolutionsoper André Chénier auf der Seebühne reichen von „Opernwunder“ bis „Riesenshow“, von „Hollywood-Musiktheater“ bis „fulminante Inszenierung“. Regisseur Keith Warner und Bühnenbildner David Fielding wählen Der Tod des Marat, das bekannteste Gemälde des Revolutionsmalers Jacques-Louis David, als Basis für ihre Inszenierung. Erstmals dient damit ein historisches Gemälde als Vorlage für die Kulisse im Bodensee , der sich in die Badewanne des Revolutionsführers Jean Paul Marat verwandelt.

Abseits der Seebühne steht der Festspielsommer unter dem Motto „Schöpfung“ ganz im Zeichen der britischen Komponistin Judith Weir. Höhepunkte sind die Uraufführung ihrer Oper Achterbahn im Festspielhaus, die Oper im Kornmarkt Der blonde Eckbert sowie bejubelte Orchesterkonzerte, die schöpferische Geister wie Shakespeare und Goethe in den Mittelpunkt rücken.

Im Rahmen der Schauspielreihe sind das Deutsche Theater Berlin und das Schauspielhaus Wien zu Gast. Während sich Waisen von Dennis Kelly um den Verrat von Grundwerten dreht, stehen bei Gorkis Kinder der Sonne und Schimmelpfennigs Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes Fragen von Ignoranz und Verantwortung im Zentrum.

„Nichts ist neu“ – „Nothing is New“ lautet die Antwort von Kunst aus der Zeit auf die Festspielthematik. Zu sehen sind unter anderem Home Work von François Sarhan, die Tanzperformance AS IF Stranger sowie das Stück Black Tie des Theaterkollektivs Rimini Protokoll. Die Jugendreihe crossculture bot neben den Klassikern crossculture night und fest des kindes auch eine weitere Auflage der crossculture week.

2012

„Bombastische Inszenierung“, „ein kaum zu kopierendes Opern-Zauberreich“ und „Zugabe bitte“ sind nur einige der zahlreichen Pressestimmen zum Spiel auf dem See André Chénier. In zwei Jahren sehen rund 230.000 Besucher:innen die Oper des italienischen Komponisten Umberto Giordano. Die Bregenzer Festspiele setzen damit ein klares Zeichen, dass auch eine weniger bekannte Oper ein großes Publikum erreichen kann.

Unter dem Motto „Erinnerungen an die Zukunft“ findet als Oper im Festspielhaus die Uraufführung von Solaris von Detlev Glanert statt. Das künstlerische Schaffen dieses Komponisten steht auch im Zentrum weiterer Programmschienen.

Höhepunkt der zeitgenössischen Reihe Kunst aus der Zeit ist neben zwei Konzerten im Kunsthaus Bregenz und im Seestudio des Festspielhauses ein Wiedersehen mit der Berliner Theatertruppe Nico and the Navigators. Im Rahmen der Schauspielreihe ist ein weiteres Mal das Schauspielhaus Wien zu Gast. Zu sehen: Makulatur, ein Stück des bekannten österreichischen Kinderpsychiaters und Prosaautors Paulus Hochgatterer.

2013

Restlos ausverkaufte Vorstellungen auf dem See und keine einzige Regenabsage: Mit insgesamt 259.425 Besucher:innen gehen die 68. Bregenzer Festspiele überaus erfolgreich zu Ende. Das Spiel auf dem See Die Zauberflöte ist bereits kurz nach der Premiere nahezu ausverkauft und erreicht Besucher-Spitzenwerte, die gleichauf mit Aida (2009) liegen.

Unter dem Motto „Dem Licht entgegen“ setzt das Festival mit der Uraufführung von Der Kaufmann von Venedig des polnischen Komponisten André Tchaikowsky die Reihe unentdeckter Werke im Festspielhaus fort.

Neben den Hauptproduktionen überzeugen die Uraufführung von The Wasp Factory sowie die österreichische Erstaufführung von American Lulu mit jeweils ausverkauften Vorstellungen.

Die Presse lobt die Saison überschwänglich: Während die Opernwelt Intendant David Pountney einen „Riecher für lohnende Raritäten“ attestiert, feiert die Frankfurter Rundschau das Spektakel auf dem See als „fabelhafte Materialschlacht“. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnet die Inszenierung der Zauberflöte gar als einen „Oper gewordenen Kindertraum“.

2014

Die Bregenzer Festspiele erleben mit rund 264.000 Besucher:innen eine Rekordsaison. Bei einer Auslastung von hundert Prozent entfallen auf das Spiel auf dem See Die Zauberflöte rund 204.000 Gäste. Damit ist die Mozart-Oper die bestbesuchte Produktion seit Festivalgründung und überflügelt mit 406.000 Gesamtbesucher:innen in zwei Jahren sogar West Side Story. Insgesamt strömen in den Jahren 2013 und 2014 so viele Menschen nach Bregenz wie noch nie zuvor.

Mit einem facettenreichen Programm verabschiedet sich Intendant David Pountney nach elf Jahren aus Bregenz. Unter dem Motto „Wien zartbitter“ stehen Werke von Heinz Karl Gruber im Fokus, darunter die Uraufführung Geschichten aus dem Wiener Wald im Festspielhaus sowie Gloria von Jaxtberg im Kornmarkttheater. Zudem wird die neue Familienoper, bestehend aus Die Nachtigall und Die unerwartete Schwalbe, vom Publikum im Großen Saal jubelnd aufgenommen.

Mit Werken von Leonard Bernstein sowie Mozarts Der Schauspieldirektor verabschiedet sich der britische Intendant am letzten Festspieltag von den Bregenzer Festspielen. „Diese letzte Saison von David Pountney ist der gelungene Schlusspunkt einer fulminanten Ära, in der sich das Festival maßgeblich weiterentwickelt hat“, bedankt sich Festspielpräsident Hans-Peter Metzler.

2015

In der ersten Saison unter der neuen Intendantin Elisabeth Sobotka ziehen die Bregenzer Festspiele insgesamt rund 228.000 Besucher:innen an. Turandot, Giacomo Puccini letzte Oper, überzeugt in der Regie und im Bühnenbild von Marco Arturo Marelli sowie unter der musikalischen Leitung von Paolo Carignani und Giuseppe Finzi Publikum und Kritiker gleichermaßen.

Zu einer Premiere der besonderen Art avanciert in einem länderübergreifenden TV-Ereignis die Fernsehübertragung von Turandot: Erstmals zeigen die drei Sender SWR, SRF und ORF das Spiel auf dem See nicht nur gleichzeitig, sondern lassen die Zuschauer:innen in einer sogenannten „Backstage-Fassung“ auch in Echtzeit hinter die Kulissen der Opernaufführung blicken. 3sat überträgt hingegen das Bühnengeschehen vollständig. Insgesamt können mehr als eine Million TV-Zuseher:innen gezählt werden: Noch nie sehen so viele Menschen eine Bregenzer Operninszenierung im Fernsehen.

Als Oper im Festspielhaus ist Stefan Herheims Inszenierung von Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen zu sehen. In einer bildgewaltigen Revue entfaltet Herheim ein rauschhaftes Panorama zwischen Travestie-Revue und schwarzer Romantik. Die Produktion avanciert zu einem der meistdiskutierten Höhepunkte des Festspielsommers.

Einen erfrischenden Einstand gibt das neugegründete Opernstudio mit der Debüt-Produktion von Così fan tutte im Kornmarkttheater. Bereits im Mai bietet das Festival im Kunsthaus Bregenz Einblicke in das ebenfalls neue Opernatelier, das für den Sommer 2017 eine Uraufführung vorbereitet. Zudem stehen die österreichische Erstaufführung von Der Goldene Drache sowie die Reihe Musik & Poesie auf dem Plan.

Im 20. Jahr seit Gründung von crossculture erleben neben der crossculture night rund 2000 Kinder und Jugendliche Workshops, das Fest des Kindes sowie die Veranstaltung Brass meets Banda.

2016

70 Jahre nach der Gründung beginnt die Jubiläumssaison mit einer historischen Besonderheit: Zwei Seebühnen ziehen gleichzeitig die Blicke auf sich. Während die Wiederaufnahme von Turandot bevorsteht, erinnert eine Aufführung von Mozarts Bastien und Bastienne auf einem Lastkahn im Gondelhafen an die Geburtsstunde von 1946.

Im Festspielhaus feiert die lange vergessene Oper Hamlet als österreichische Erstaufführung Premiere und erhält bei voller Auslastung frenetischen Applaus.

Das Opernstudio sorgt im zweiten Jahr mit Don Giovanni für ein ausverkauftes Kornmarkttheater, auf der Werkstattbühne beweist die Uraufführung Staatsoperette – Die Austrotragödie so große Zugkraft, dass auch die Generalprobe für Publikum geöffnet wird. Die österreichische Erstaufführung Make no noise sowie Einblicke in das neue Werk To the Lighthouse im Opernatelier ergänzen das zeitgenössische Programm.

Eine Ausstellung im vorarlberg museum zeigt zum 70-jährigen Jubiläum Seebühnen-Modelle aus den Jahren 1985 bis 2016. Begleitend dazu beleuchtet eine Jubiläumsbroschüre die Gründungsjahre und den Weg zur modernen Neukonzeption des Festivals.

2017

So früh wie 2017 ist noch keine Festivalsaison gestartet: Bereits im Februar lädt Brigitte Fassbaender im Rahmen des dritten Opernstudios zur Meisterklasse ein. Junge Talente bereiten sich auf Die Hochzeit des Figaro vor, die im August den Da-Ponte-Zyklus vollendet.

Georges Bizets Carmen auf der Seebühne besticht durch eine monumentale Kulisse aus zwei riesigen, aus dem Wasser ragenden Frauenhänden, die Spielkarten in den Himmel werfen. Die bildgewaltige Inszenierung von Kaspar Holten und Bühnenbildnerin Es Devlin rückt Schicksal und Zufall ins Zentrum des Geschehens. Von den insgesamt rund 257.000 Besucher:innen entfallen bei einer Auslastung von einhundert Prozent 193.642 auf das Spiel auf dem See.

Gioacchino Rossinis Moses in Ägypten beeindruckt im Festspielhaus durch eine monumentale Kulisse, die die biblische Geschichte auch mittels filigraner Live-Video-Projektionen und Miniaturmodellen erfahrbar macht. In der Inszenierung von Lotte de Beer und dem Theaterkollektiv Hotel Modern verschmelzen Puppenspiel und Oper zu einer innovativen Deutung des Exodus-Stoffes.

Das Theaterkollektiv Hotel Modern zeigt zudem auf der Werkstattbühne einen mit Insektenpuppen gespielten Ring in 90 Minuten. Nach vier Jahren bereichert wieder Schauspiel den Spielplan: Das Gastspiel des Maxim Gorki Theaters mit The Situation bildet den Auftakt für eine künftig jährlich fortgesetzte Reihe. Nach drei Jahren Vorbereitung präsentiert das Opernatelier mit der Auftragskomposition To the Lighthouse seine erste Uraufführung vor ausverkauftem Haus.

2018

Bereits Ende Mai starten die Bregenzer Festspiele mit einer Carmen für Kinder, bei der über 3000 Schüler drei beinahe ausverkaufte Aufführungen im Festspielhaus mitgestalten. Ebenso begeistert zeigt sich das erwachsene Publikum von Kasper Holtens Inszenierung auf der Seebühne: Mit fast 206.000 Besuchern stellt Carmen im Bühnenbild von Es Devlin einen neuen Saisonrekord auf. Trotz 29 Spielterminen gibt es lediglich eine einzige Regenabsage.

Eröffnet wird das Festival mit der österreichischen Erstaufführung von Berthold Goldschmidts Beatrice Cenci im Festspielhaus. Regisseur Johannes Erath verwandelt die Bühne in einen atmosphärischen Raum, der die düstere Renaissance-Tragödie in zeitlose, psychologische Bilder übersetzt.

Auf der Werkstattbühne feiert Thomas Larchers sechs Jahre lang vorbereitete Oper Das Jagdgewehr in der Inszenierung von Karl Markovics ihre Uraufführung. Das Opernstudio unter Brigitte Fassbaender erntet für Der Barbier von Sevilla im Kornmarkttheater stehende Ovationen, während Nikolaus Habjan dort mit seiner Puppen-Produktion Böhm die Persönlichkeit des weltberühmten, aufgrund seiner NS-Vergangenheit jedoch höchst umstrittenen Dirigenten Karl Böhm beleuchtet. Auf der Werkstattbühne betört die Tango-Operita María de Buenos Aires das Publikum. Das Opernatelier gewährt erste Einblicke in ein neues Werk von Alexander Moosbrugger, dessen Uraufführung für 2020 geplant ist.

2019

Die 74. Bregenzer Festspielsaison endet mit rund 250.000 Gesamtbesucher:innen, wobei etwa 180.000 Zuschauer:innen die ausverkaufte Produktion von Rigoletto auf der Seebühne erleben. Die von einem monumentalen, beweglichen Clownskopf dominierte Inszenierung von Philipp Stölzl nutzt die technische Präzision dieser Konstruktion, um die emotionalen Facetten des Hofnarrs durch mechanische Mimik in beeindruckender Größe zu visualisieren. In dieser Zirkuswelt verbindet die Produktion das intime, psychologische Drama mit den Effekten des Freiluft-Großformats zu einer einzigartigen Einheit.

Die Oper im Festspielhaus Don Quichotte in der Inszenierung von Mariame Clément eröffnet einen neuen Blick auf die weltberühmte Figur und ergründet heutige Rollenbilder. Auf derselben Stoffgrundlage zeigt das Deutsche Theater Berlin im Kornmarkttheater Jan Bosses Schauspielinszenierung Don Quijote, in der Ulrich Matthes und Wolfram Koch mit minimaler Ausstattung exzellente Theaterkunst beweisen. In der Reihe Musik & Poesie nähert sich der Schriftsteller Michael Köhlmeier verschiedenen Narrengestalten an.

Das fünfte Bregenzer Opernstudio verwandelt die Bühne des Kornmarkttheaters für Tschaikowskis Eugen Onegin in eine unwirtliche Sumpflandschaft; Jan Eßinger inszeniert das Werk als zeitlose Gefühlserkundung. Bei den Orchesterkonzerten der Wiener Symphoniker stehen mit Philippe Jordan und Fabio Luisi zwei prägende Dirigenten am Pult. Neben Verdis opulentem Requiem gelangen an zwei Tagen sämtliche Symphonien von Johannes Brahms zur Aufführung.

Die Werkstattbühne bleibt ein Zentrum für zeitgenössisches Musiktheater: In Kooperation mit der Neuen Oper Wien ist die österreichische Erstaufführung von Der Reigen zu sehen. Zum Abschluss der Festspiele präsentiert François Sarhan mit der musiktheatralen Installation Wunderwandelwelt eine weitere Uraufführung vor den interessierten Besucher:innen.

2020

Nach der pandemiebedingten Absage der regulären Saison setzt die Festivalleitung mit den Festtagen im Festspielhaus ein „starkes künstlerisches Zeichen“ gegen die Einschränkungen der Covid-19-Pandemie. Diese achttägige Veranstaltungsreihe endet am 22. August im ausverkauften Großen Saal mit den Wiener Symphonikern unter Philippe Jordan, die das Publikum zu stehenden Ovationen und einer Polka als Zugabe hinreißen. Trotz der Krise gibt es einen hoffnungsvollen Ausblick für alle Festspiel-Fans, da der Publikumsliebling Rigoletto im Sommer 2021 auf die Seebühne zurückkehren kann.

Insgesamt besuchen 3422 Gäste die neun Veranstaltungen, die von Orchesterkonzerten über das Konzert im KUB bis zur Reihe Musik & Poesie reichen. Einen Höhepunkt bildet die Musiktheater-Uraufführung Impresario Dotcom, wobei die komische Oper von Ľubica Čekovská in einer speziellen „Fassung für Bregenz 2020“ im Festspielhaus Premiere feiert. Ergänzend dazu bieten die Bregenzer Festspiele den Besucher:innen Einblicke hinter die Kulissen bei Führungen über die Seebühne. Auf der Tribüne erzählt zudem ein mehrmals täglich abgespielter Audio-Beitrag unter dem Titel Denk ich an Rigoletto … von den Gedanken und Gefühlen der Mitwirkenden.

2021

Nach der Pandemie-Zwangspause zeigen die Bregenzer Festspiele erneut Rigoletto auf der Seebühne. Mit 99 Prozent Auslastung feiert die Inszenierung von Philipp Stölzl eine gelungene Wiederaufnahme.

Eröffnet wird das Sommerfestival mit Arrigo Boitos selten gespielter Oper Nero im Festspielhaus, die in der Regie von Olivier Py als monumentale Parabel über Machtrausch und den moralischen Verfall einer Endzeitgesellschaft auf die Bühne kommt. Als österreichische Erstaufführung feiert die interdisziplinäre Filmoper Upload von Michel van der Aa auf der Werkstattbühne Premiere und geht der Frage nach einem digitalen Weiterleben nach dem Tod nach. Hierbei verzahnen sich reale Bühnenpräsenz und komplexe Filmprojektionen zu einer Reflexion über menschliche Identität.

Eine neue Perspektive auf Kleists Novelle Michael Kohlhaas entdeckt das Publikum in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg im Kornmarkttheater. Ebenfalls positiv aufgenommen wird Bernhard Studlars temporeiches Stück Lohn der Nacht, der Siegerbeitrag des Wettbewerbs der Österreichischen Theaterallianz.

Im Rahmen des Opernateliers entwirft die bildende Künstlerin Flaka Haliti auf der Werkstattbühne eine Kulisse aus 172 Orgelpfeifen für die Uraufführung von Alexander Moosbruggers Oper Wind.

2022

Immer wieder Beifall während der Aufführung sowie langanhaltender, ergriffener Schlussapplaus: Die erstmals bei den Bregenzer Festspielen gezeigte Oper Madame Butterfly von Giacomo Puccini wird von den Besucher:innen beglückt aufgenommen. Auch bei zahlreichen Medienvertreter:innen aus dem In- und Ausland findet die Inszenierung von Andreas Homoki im Bühnenbild von Michael Levine großen Anklang. Ein riesiges, wie Papier wirkendes Blatt über dem See dient dabei als poetische Projektionsfläche für subtile Naturmalereien und unterstreicht die fragile Innenwelt der Titelheldin.

Angetan zeigen sich auch die Besucher:innen der drei Sibirien-Aufführungen im Festspielhaus, wo der Premierenabend ebenfalls mit stehenden Ovationen endet. In der Regie von Vasily Barkhatov wird Umberto Giordanos selten gespielte Oper als packendes Drama inszeniert, das die schmerzvolle Reise der Protagonisten in die russische Verbannung in atmosphärisch dichten Bildern nachzeichnet.

Jubel auch beim ersten Konzert der neugegründeten Orchesterakademie: 85 junge internationale Musiker:innen lassen den sprichwörtlichen Funken überspringen und entfachen Begeisterungsstürme. Dirigent Daniel Cohen lässt die angehenden Profimusiker:innen zu einer inspirierenden Einheit verschmelzen, die das anspruchsvolle Programm, darunter eine Uraufführung, zu einem wahren Erlebnis macht.

2023

Madame Butterfly begeistert die Besucher:innen ein weiteres Mal auf der Seebühne. In ihrem Wiederaufnahmejahr verzeichnet die Inszenierung von Andreas Homoki insgesamt rund 179.000 Gäste und wird damit zur meistbesuchten Puccini-Oper in der Geschichte der Bregenzer Festspiele. Mit dem Saisonende im August verschwindet diesmal nicht nur das markante Bühnenbild, sondern auch der gesamte Unterbau: Im Winter 2023/2024 wird der gesamte Betonkern erneuert und die Seebühne umfassend saniert, während zeitgleich das neue Bühnenbild für Der Freischütz aufgebaut wird. Eine logistische Meisterleistung, denn mit dem Probenbeginn im Juni 2024 steht der Fertigstellungstermin für Bühne und Bühnenbild bereits unverrückbar fest.

2024

In ihrer letzten Saison als Intendantin übergibt Elisabeth Sobotka ein höchst erfolgreiches Festival, das mit Carl Maria von Webers Der Freischütz in der Inszenierung von Philipp Stölzl einen triumphalen Erfolg feiert. Die Produktion verwandelt die Seebühne in ein winterliches, im Wasser versinkendes Dorf und begeistert in 28 allabendlich ausverkauften Vorstellungen rund 193.000 Zuschauer:innen durch die schaurig-romantische Atmosphäre. Mit einer Bilanz von insgesamt rund 268.000 Gästen schließt das Festival die Ära Sobotka bei einer Auslastung von nahezu einhundert Prozent ab.

Im Festspielhaus begeistert Jan Philipp Glogers Inszenierung von Gioachino Rossinis Jugendmeisterwerk Tancredi. Der Regisseur verlegt die Handlung in ein heutiges Mafiamilieu und deutet die traditionelle Hosenrolle des Tancredi als Frau um, wodurch eine verbotene lesbische Liebesbeziehung in einer gewaltvollen, patriarchalen Clan-Struktur in den Fokus rückt. Inmitten von Machogehabe und archaischen Ehrenkodizes wird die tragische Isolation des Paares so zu einer hochgradig aktuellen Erzählung über Außenseitertum und Unterdrückung.

Auf der Werkstattbühne sind zwei Uraufführungen zu sehen: das Musiktheater Unmögliche Verbindung von Thomas Fiedler und Ondřej Adámek sowie die Opernatelier-Produktion Hold Your Breath der Komponistin Éna Brennan, des Regisseurs und ehemaligen Intendanten David Pountney und des bildenden Künstlers Hugo Canoilas.

Großen Anklang finden die Gastspiele des Burgtheaters mit Der Menschenfeind im Frühjahr sowie des Deutschen Theaters Berlin mit Der zerbrochne Krug und des klagenfurter ensembles mit Mondmilch trinken. Im Theater am Kornmarkt ist die Hybridoperette Hotel Savoy mit der Musicbanda Franui zu sehen, bevor das Opernstudio dort zum Abschluss der Intendanz den Doppelabend Der Ehevertrag | Gianni Schicchi in der Regie von Brigitte Fassbaender zeigt.

2025

In ihrer ersten Saison unter der Intendanz von Lilli Paasikivi verzeichnen die Bregenzer Festspiele rund 249.000 Gesamtbesucher:innen. Das nordisch geprägte Programm der Finnin findet bei den Gästen großen Anklang und sorgt für zahlreiche ausverkaufte Vorstellungen. Auf der Seebühne begeistert Philipp Stölzls bildgewaltige Inszenierung von Der Freischütz in der zweiten Spielzeit insgesamt 180.687 Besucher:innen.

Im Festspielhaus zieht George Enescus selten gespieltes Meisterwerk Œdipe in der Regie von Andreas Kriegenburg und unter der musikalischen Leitung von Hannu Lintu die Besucher:innen in den Bann. Gelobt werden die nuancierte Regie, die starke musikalische Leitung sowie der mitreißende Gesamtklang. Insbesondere Paul Gay in der Titelpartie wird für seine enorme darstellerische Intensität und die Bewältigung dieser Mammutrolle gewürdigt, während der Prager Philharmonische Chor die archaische Wucht der Tragödie eindrucksvoll verstärkt.

Die persönliche künstlerische DNA der neuen Intendantin zeigt sich besonders in klanggewaltigen Werken wie Sibelius’ Kullervo, das als monumentales Epos für Solisten, Männerchor und Orchester die finnische Mythologie beschwört, oder dem zeitgenössischen Tanz der Tero Saarinen Company, bei dem die Kompanie auf der Werkstattbühne mit ihrer fließenden, organischen Formensprache neue visuelle Räume erschließt. Dort feiert zudem das Auftragswerk Emily – No Prisoner Be mit Joyce DiDonato an zwei ausverkaufte Abenden seine Uraufführung vor begeisterten Zuschauer:innen.

Im Theater am Kornmarkt sorgt das Opernstudio mit Rossinis La Cenerentola ebenfalls für ein restlos ausverkauftes Haus, während das Burgtheater mit der Uraufführung von Ferdinand Schmalz’ bumm tschak oder der letzte henker nach langer Zeit wieder im Sommer am Bodensee gastiert.

Service: In der Chronik der Bregenzer Festspiele kann man sich durch die verschiedenen Bühnenbilder der vergangenen Jahre klicken.

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