Bregenzer Festspiele
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Bildgewaltige Ausflüge ins unangenehme Draußen

Probenbeginn der selten gespielten Oper Die Ausflüge des Herrn Brouček von Leoš Janáček im Festspielhaus

NPS 018 Crop PSO Uncoated Broucek

Ausgerechnet auf dem angeblich kargen Mond öffnet sich in einer psychedelischen Landschaft für Matej Brouček ein Tor zur Selbstfindung. Es sagt ihm genauso wenig zu wie der darauffolgende Trip in ein katakombenhaftes 15. Jahrhundert. Mit der Hausoper Die Ausflüge des Herrn Brouček beweisen die Bregenzer Festspiele einmal mehr, auf welch verwegene Reisen das (Musik)Theater die Zuschauerinnen und Zuschauer mitnehmen kann. Am Montag war Probenbeginn.

Brouček ist Magie, Brouček ist Freude!“, hält der international gefragte US-amerikanische Regisseur Yuval Sharon gleich zu Beginn der internen Präsentation fest, worauf sich das versammelte Ensemble und der gesamte technische Stab die kommenden fünf Wochen bis zur Premiere einlassen werden – und das Publikum erwartet. Der tschechische Komponist Leoš Janáček schuf eine Oper von beißender Komik und absurdem Witz und verstand das Libretto, das er selbst verfasste, als Satire über die selbstzufriedene und moralisch träge Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts. „Janáček arbeitete lange Zeit an dieser Oper,“ fährt Yuval Sharon fort, und es habe wohl auch den Geist des Dadaismus gebraucht „den Brouček auf die Bühne zu bringen: „Ein neuer Ansatz des Denkens, das war der Kern von Brouček.“ 

„Ich freue mich über einen neuen Ansatz dieses Stücks, über die enorme Fantasie in dieser Produktion“, sagt Intendantin Lilli Paasikivi nach der Präsentation, in der der mehrfach ausgezeichnete Brite Jon Bausor sein Bühnenbild- und Kostümkonzept für Die Ausflüge des Herrn Brouček darlegte. Er wird das Publikum im Festspielhaus mehrmals überraschen. Es beginnt monochromatisch, das Haus von Matej Brouček ist ebenso eintönig und nur mit einem Fernseher bestückt, bevor es sich zur Mondrakete wandelt, auf dem Erdtrabanten buchstäblich kristallisiert und sich im zweiten Teil der selten gespielten Oper die Erde auftut.

Es gäbe noch so viel zu sagen zu dieser bildgewaltigen Produktion, betonen Regisseur und Bühnenbildner mit bedauerndem Blick auf die Uhr. Schließlich stehen die ersten Proben und Unterweisungen schon in einer halben Stunde auf dem eng getakteten Plan. Auch Dirigent Robert Jindra überzieht die Zeitvorgabe. Seine Vorfreude ist ebenso ansteckend, wenn er zum Abschluss launig erklärt, wie herausfordernd und tückisch Leoš Janáček Partitur und Text zusammenfügte, wie er ungewohnten Tonfolgen und Lauten auf den Straßen Prags nachspürte, um sie sofort auf Notenpapier festzuhalten, und wie er listig Versatzstücke traditioneller tschechischer Musik mit dem Schicksal des Herrn Brouček verwob.

Was der Protagonist auf seinen wilden, surrealen Ausflügen erleben muss, empfindet Brouček als „inconvenient“, sagt Yuval Sharon, als unangenehm. Brouček will nur seine Ruhe und die Welt da draußen auch nicht verstehen. Es gebe sie eben überall, auch heute, auch hier, diese Broučeks, die ihre gewohnten Kreise nicht verlassen und so um eine größere Erfahrung in ihrem Leben kommen. „Janáček bringt das alles mit einem Lächeln im Gesicht. Seine Botschaft ans zeitgenössische Publikum lautet: ,Never lose your opportunities!‛“

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