Bregenzer Festspiele
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Jedes Kostüm eine eigene Leinwand

Für Die Ausflüge des Herrn Brouček bearbeiten die Kostümmalerinnen der Bregenzer Festspiele 58 Chorkostüme. Mit Löchern, Farbe und speziellen Techniken lassen sie die Kleider aussehen, als waren sie jahrelang Schlamm und Schmutz ausgesetzt.

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© Bregenzer Festspiele / Kristina Becker

Beim Betreten des kleinen Raums im Keller des Festspielhauses steigt sofort der Geruch von Farbe und feuchtem Stoff in die Nase. An Puppen hängen Kostüme, daneben wird Stoff zerrissen. Ein raues, kratzendes Geräusch ist zu hören. Mit viel Liebe werden hier die Kostüme für Die Ausflüge des Herrn Brouček vorbereitet – in diesem Fall heißt das: absichtlich „dreckig“ gemacht.

An einer Puppe hinten im Raum hängt ein dunkelblaues Kleid mit einer weißen Schürze und vielen schönen Stickereien. Die Schürze hat ein riesiges Loch, an dem Kostümmalerin Sarah gerade arbeitet. Doch anstatt das Loch zu flicken, wie man es erwarten würde, reißt sie es noch größer auf. Überall auf dem Kostüm erkennt man bereits Schlammspritzer, es sieht getragen und uralt aus. Die Kostüme sind nach den Entwürfen des Kostümbildners Jon Bausor extra für Die Ausflüge des Herrn Brouček zusammengestellt worden. Einige Teile davon stammen aus dem Fundus der Bregenzer Festspiele, von Opern wie Œdipe und Der Freischütz. Stoffreste wurden wiederverwendet oder zu neuen Kleidungsstücken genäht. Der Großteil der Kostüme ist allerdings getrödelt oder Second Hand gekauft. Eine Schneiderpuppe in der Mitte des Raums trägt beispielsweise eine tschechische Tracht. Ihren Kopf bedeckt eine weiße Haube mit detailreichen Stickereien. Das Rot des Kleides ist grell und leuchtend. Noch.

Schritt für Schritt zum "schmutzigen" Look
Am Bügelbrett neben der Puppe arbeitet Kristina, ebenfalls Abteilung Kunstgewerbe, an einem langen hellblauen Rock. Sie reißt mit einer Metallbürste den Saum etwas auf und bearbeitet den Stoff am unteren Ende des Rocks so, dass er dünner und rissiger erscheint. Dieser mechanische Teil der Arbeit sei der anstrengendste, da er körperlich sehr fordernd sei, so die Kostümmalerinnen.

Nach dem Zerlöchern und Zerreißen des Stoffs und der Nähte werden die Kostüme gefärbt und gebleicht. Dies übernimmt Mareike, die an den Waschbecken in der gegenüberliegenden Ecke des Raumes steht. Das Wasser in den drei Becken vor ihr ist dunkelgrün und braun. Sie bereitet gerade die nächsten Kostüme für die Farbanpassung vor. Danach wird jeweils der Saum noch dunkler gefärbt. Die Kleider und Röcke schauen gleich noch dreckiger aus – als ob ihre Trägerinnen mit ihnen bereits seit langer Zeit durch Schlamm und Schmutz gewatet sind.

In den Tagen darauf werden die Kostüme mit Plusterfarbe bemalt. Dabei schleudern die Malerinnen die Farbe unter anderem mit Klobürsten auf die Kostüme, wodurch die Farbklekse mehr nach echtem Dreck aussehen. Wenn die Farbe mit einem Heißluftföhn erhitzt wird, „plustert“ sie auf. Dieser Effekt wird stellenweise für mehr Struktur genutzt.  

Drei Wochen später. Der Raum riecht nach Farbe. Sarah und Kristina bemalen mit Orange- und Brauntönen die Kleider. „Rostig sollen sie werden“, meint Sarah. Während sie Farbe auf einen Ärmel aufträgt, schaut Kristina von ihrem sehr schmutzig wirkenden Kostüm auf und ruft: „Is des eh scho gscheid versaut?“ Sie könnte es noch ein bisschen „dreckiger“ machen, meint Sarah. Nach dem Anmalen werden die Kleider noch mit Nasslack bemalt, damit alles hält.

58 Chorkostüme für die Hausoper
Die ersten Kostüme für Die Ausflüge des Herrn Brouček sind bereits Ende April fertiggestellt. Auch das rote Kleid auf der Schneiderpuppe, das anfangs noch so bunt geleuchtet hatte, ist darunter. Es hat mittlerweile überall Löcher und lose Säume, wirkt dreckig und die weiße Haube mit Stickereien erscheint ganz ausgebleicht und schmutzig. Der untere Saum ist beinahe schwarz und sieht aus, als ob er von seiner Trägerin jahrelang durch den Dreck geschleift wurde. Insgesamt werden von den Mitarbeiterinnen in der Abteilung Kunstgewerbe bis in den Juni hinein 58 Chorkostüme bearbeitet. Am 23. Juli 2026 werden die Kostüme dann bei Die Ausflüge des Herrn Brouček auf der Bühne zu sehen sein.

(jf)

29.04.2026 Chorkostüme für "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Chorkostüme für "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Chorkostüme "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Chorkostüme für "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Patinierung der Chorkostüme für "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Patinierung der Chorkostüme für "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Patinierung der Chorkostüme für "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Patinierung der Chorkostüme für "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Chorkostüme für "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Patinierung der Chorkostüme für "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Chorkostüme "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker
29.04.2026 Chorkostüme für "Die Ausflüge des Herrn Broucek" © Bregenzer Festspiele / Kristina Becker

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