Virtuose Vielseitigkeit

Zum Tod von Adrian Clarke

Bregenz, 2.10.20. Über die Zeitspanne von zwei Jahrzehnten hinweg brillierte Adrian Clarke bei den Bregenzer Festspielen. Der vielseitige Charakterbariton war einer der meistbeschäftigten Sänger des Festivals. Vor wenigen Tagen ist der aus England stammende Künstler im Alter von 66 Jahren nach langer Krankheit verstorben.

Mit subtilem Spiel, enormer stimmlicher Kontinuität und Leidenschaft verzauberte Adrian Clarke nicht nur das Publikum, sondern war auch bei Regisseuren und Dirigenten gleichermaßen geschätzt. 1999 engagierte ihn der damalige Intendant Alfred Wopmann erstmals bei den Bregenzer Festspielen für die von David Pountney inszenierte Oper im Festspielhaus Die Griechische Passion. Seither kehrte der Sänger viele Sommer an den Bodensee zurück. Seinen letzten Festspielauftritt absolvierte er 2018 bei Carmen. „Die Bregenzer Festspiele sind seit vielen Jahren nicht nur eine kreative Herausforderung für mich, sondern auch Sommerheimat für meine Familie geworden“, sagte er vor einiger Zeit.

Vielseitigkeit gepaart mit Verlässlichkeit stachen als besondere Merkmale hervor. Seine künstlerische Bandbreite stellte der Cricket-Fan auf praktisch allen Bühnen der Bregenzer Festspiele virtuos unter Beweis. Es gab keinen Spielort, an dem Adrian Clarke nicht zu Hause gewesen wäre. Neben den Seebühnen-Inszenierungen La Bohème, Tosca, André Chénier und Carmen interpretierte er 2011 die Titelpartie von Judith Weirs Oper Der blonde Eckbert im Kornmarkttheater. Im Festspielhaus sang er in Der goldene Hahn (2000) und Der Kaufmann von Venedig (2013) sowie als Solist bei Orchesterkonzerten.

Auch mit zeitgenössischem Musiktheater konnte er überzeugen: Sowohl in der Österreichischen Erstaufführung Playing Away (2007) als auch in der Uraufführung To the Lighthouse (2017) war ihm der Applaus auf der Werkstattbühne sicher. Einziger Wermutstropfen sei gewesen, sagte Adrian Clarke einmal scherzend, dass sein Auftritt in Tosca nicht im James-Bond-Film Ein Quantum Trost verewigt wurde. Wir werden Dich trotzdem nicht vergessen, geschätzter Adrian! Danke und leb' wohl!

 

Isidora Zebeljan gestorben
Bregenzer Festspiele trauern um Komponistin

Ebenfalls trauern die Bregenzer Festspiele um die serbische Komponistin Isidora Zebeljan, die vergangenen Dienstag nach langer Krankheit im Alter von 53 Jahren gestorben ist. Sie komponierte die 2008 im Auftrag von Genesis Foundation (London) und Bregenzer Festspielen auf der Werkstattbühne uraufgeführte Oper Eine Marathon-Familie. Die Inszenierung des in Koproduktion mit der Neuen Oper Wien und in Kooperation mit Jugokoncert Belgrad realisierten Musiktheaterwerks verantwortete Nicola Raab. Außerdem schrieb Zebeljan das Orchesterwerk Hum away, hum away, strings!, das 2013 anlässlich der Festspieleröffnung uraufgeführt wurde.

Die Komponistin schuf Opern, Bühnen- und Filmmusiken sowie Orchesterwerke. So schrieb sie unter anderem die Orchesterpartitur für Emir Kusturicas vielbeachteten Film Arizona Dream (1993). Seit 2002 bekleidete sie eine Professur für Komposition an der Belgrader Musikakademie. 

(ar)

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