Pressekonferenz „Endspurt“ der Saison 2021

Arrivederci Rigoletto – Kon‘nichiwa Madame Butterfly

Bregenz, 20.8.21. Mit großen Schritten bewegt sich die 75. Festspielsaison ihrem Finale entgegen. Mit voraussichtlich 241.351 Zuschauern geht die Jubiläumssaison der Bregenzer Festspiele am Sonntag, den 22. August zu Ende. 

Das Spiel auf dem See Rigoletto überzeugte auch in seiner zweiten Saison 
Nach der coronabedingten Zwangspause im vergangenen Jahr zeigten die Bregenzer Festspiele erneut Rigoletto auf der Seebühne. Der Zuspruch des Festspielpublikums gab dieser Entscheidung Recht: Mit 99 Prozent Auslastung durften sich die Verantwortlichen über eine gelungene Wiederaufnahme der Inszenierung von Philipp Stölzl freuen.

Vom 22. Juli bis zum 22. August werden insgesamt 28 Aufführungen über die Bühne gegangen sein. Die musikalische Leitung lag bei der Dirigentin Julia Jones, die im Wechselspiel mit dem Dirigenten Daniel Cohen die Wiener Symphoniker durch die Musik Giuseppe Verdis führte.

Der Kaiser im Festspielhaus – Arrigo Boitos Nero
Eröffnet wurde das Sommerfestival mit einem selten gespielten Werk: der Oper im Festspielhaus Nero des Komponisten und Librettisten Arrigo Boito. Olivier Tambosis spektakuläre Inszenierung einer der berüchtigtsten historischen Figuren sahen an insgesamt drei Aufführungen 3.840 Besucherinnen und Besucher, das entspricht einer Auslastung von 83 Prozent. Am Pult der Wiener Symphoniker stand der Dirigent Dirk Kaftan, dessen Interpretation der 1924 uraufgeführten Oper sowohl bei den Kritikern als auch beim Publikum viel Lob und Anerkennung erntete.

Neues Opernkonzept bei den Bregenzer Festspielen – die Filmoper Upload
Als Österreichische Erstaufführung und internationale Koproduktion feierte mit Upload eine interdisziplinäre Filmoper ihre Premiere auf der Werkstattbühne. Komponist, Librettist und Regisseur Michel van der Aa spürte der Frage nach, welche Konsequenzen ein Weiterleben nach dem Tod durch Hochladen des Bewusstseins haben könnte. Den gemeinsamen Kompositionsauftrag vergaben die Koproduktionspartner De Nederlandse Opera (Amsterdam), Oper Köln, Park Avenue Armory (New York), Ensemble Musikfabrik (Köln) und die doubleA Foundation. Die zwei musikalisch und emotional mitreißenden Opernabende erlebten 318 Besucherinnen und Besucher.

Ein Theaterabend und viele zeitlose Fragen – Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas 
Eine neue Perspektive auf Heinrich von Kleists historische Novelle Michael Kohlhaas konnte das Festspielpublikum im Juli entdecken. In der Inszenierung von Andreas Kriegenburg stand nicht wie üblich die männlich-dominierte Lesart des Stoffs im Zentrum. Vielmehr wurde diese durch die Bühnenpräsenz zweier weiblicher Charaktere aus den Angeln gehoben, sodass am Ende über allem die Frage blieb: Hätte man nicht doch eher auf die Frauen hören sollen?

Am 23., 24. und 25. Juli erlebten insgesamt 1.280 Besucher die Vorstellung im Theater am Kornmarkt, die Auslastung beträgt damit 88 Prozent. Die Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin und Les Théâtres de la Ville de Luxembourg brachte dabei ein hochkarätig besetztes Ensemble auf die Bühne, das in den Kritiken positiv bewertet wurde.

Koproduktion mit dem Theater KOSMOS – Bernhard Studlars Lohn der Nacht
Temporeich, witzig und überraschend verknüpfte der in Wien geborene Autor Bernhard Studlar in seinem jüngsten Stück verschiedene Figuren und Orte. Das Siegerstück des Wettbewerbs der Österreichischen Theaterallianz wurde beim Publikum sehr positiv aufgenommen. An drei Vorstellungsabenden konnten insgesamt 501 Besucherinnen und Besucher das turbulente Stück erleben, das nun an den weiteren Spielstätten der Theaterallianz aufgeführt wird. 

Konzertreigen zwischen Oratorium und Symphonie
Den Auftakt zu den alljährlichen Orchesterkonzerten machten am 26. Juli die Wiener Symphoniker mit Joseph Haydns Oratorium Die Schöpfung unter der Leitung von Andrés Orozco-Estrada. Am 1. August feierten die Bregenzer Festspiele ihren 75. Geburtstag mit einer halbszenischen Version von Richard Wagners Das Rheingold. Andrés Orozco-Estrada dirigierte die Wiener Symphoniker, Johannes Erath gestaltete die szenische Einrichtung. Sein Debüt bei den Bregenzer Festspielen gab der Dirigent Omer Meir Wellber am 8. August. Auf dem Programm standen unter anderen Charles Ives The Unanswered Question und Anton Bruckners sechste Symphonie. Den Abschluss feiert die Konzertreihe am 22. August mit dem Symphonieorchester Vorarlberg mit der Österreichischen Erstaufführung von Thomas Larchers Symphonie Nr. 3 unter der musikalischen Leitung des neuen Chefdirigenten Leo McFall. Die Besucherauslastung der Orchesterkonzerte wird bis Sonntag voraussichtlich 86 Prozent betragen. 

Uraufführung zwischen Traum und Wirklichkeit 
Ein seit 2018 vorbereitetes Musiktheater-Ereignis gelangte gestern zur Uraufführung: Alexander Moosbruggers Oper Wind. Die beiden letzten Vorstellungen der Festspiel-Auftragskomposition sind heute und morgen Abend auf der Werkstattbühne zu erleben. Moosbruggers Inspriationsquelle für seine Oper war das wahrscheinlich 1499 gedruckte Buch Hypnerotomachia Poliphili. Die bildende Künstlerin Flaka Haliti entwarf für die Werkstattbühne einen Raum für das audio-visuelle Gesamterlebnis mit 172 Orgelpfeifen. Die nahezu ausverkaufte Oper werden voraussichtlich 670 Besucherinnen und Besucher erleben. 

Musik & Poesie, Konzert im KUB, Franui im Festspielhaus und Festspielfrühstücke
Erneut eröffneten Kammermusik und Literatur überraschende Blickwinkel auf die Vielfalt des Festspielprogramms. An drei Abenden lud die beliebte Reihe Musik & Poesie 470 Besucherinnen und Besucher ins Seestudio. Ebenfalls im Seestudio startete Ihr seid bereits eingeschifft, eine Kreation von Silvia Costa. Diese Uraufführung des Vorarlberger Landestheaters entstand als Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Bregenz und dem vorarlberg museum und lockte insgesamt 287 Besucherinnen und Besucher. Das Konzert im KUB brachte am 10. August vor voll besetzten Reihen Musik der Renaissance, des Frühbarocks und der Gegenwart zum Erklingen. Im Großen Saal des Festspielhauses spielte erneut die Musicbanda Franui auf. Gemeinsam mit Puppenspieler Nikolaus Habjan gelangten unter dem Titel Alles nicht wahr Lieder des österreichischen Künstlers Georg Kreisler zur Aufführung und sorgten für eine Auslastung von 92 Prozent. Am 7. August präsentierte Brigitte Fassbaender in einer Lesung ihre Memoiren. Außerdem lud auch heuer der Verein der Freunde der Bregenzer Festspiele in Zusammenarbeit mit dem ORF Vorarlberg drei Mal zu einem Festspielfrühstück sowie zu einem Werkstattgespräch zum Kennenlernen verschiedener Künstlerinnen und Künstler ein. Der Einladung folgten 350 Besucherinnen und Besucher.

Vielfältiges Kreativprogramm für Kinder und Jugendliche 
Obwohl die Jugendreihe crossculture heuer nicht in gewohntem Umfang stattfinden konnte, vermittelte ein vielfältiges Kreativprogramm dennoch zahlreichen Kindern und Jugendlichen einen Einblick in die Welt der Oper. Im Zuge des Probenbesuchs für Jugendliche durften 1.553 junge Erwachsene im Alter von 14 bis 26 Jahren die Probenarbeit zum Spiel auf dem See Rigoletto hautnah miterleben. Auch das Fest des Kindes konnte in diesem Jahr wieder stattfinden: 100 Kinder erweckten in der ersten Ferienwoche eine Abenteuergeschichte zum Leben. Was in den Kreativwerkstätten Tanz, Gesang, Kostüm und Bühne in einer Woche geschaffen wurde, ließ sich am Ende der Woche bei einer Abschlussveranstaltung via Livestream bestaunen. Am 15. August stand außerdem die Blasorchestermatinee Brass Eroico mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des 5. Internationalen Blasmusik-Camps am Programm. Insgesamt nahmen 2.487 Kinder und Jugendliche am crossculture-Programm der diesjährigen Festspiele teil. 

Ausblick 2022: Madame Butterfly und Sibirien
Auf der Seebühne wird kommendes Jahr Giacomo Puccinis Madame Butterfly an insgesamt 25 Abenden zu sehen sein. Als Oper im Festspielhaus zeigen die Bregenzer Festspiele Sibirien (1903) von Umberto Giordano. Die beiden Werke kreuzten bereits vor über 100 Jahren ihre Wege, als Giordanos Verismo-Oper für die verschobene Premiere von Madame Butterfly an der Mailänder Scala aufgeführt wurde. Führt die Oper im Festspielhaus nach Russland, setzt sich die musikalische Reise auch in den Orchesterkonzerten fort – neben Musik von Richard Wagner und Ludwig van Beethoven stehen auch einige Werke russischer Komponisten wie Peter I. Tschaikowski und Dmitri Schostakowitsch auf dem Programm.

Die Bregenzer Festspiele 2022 finden von 20. Juli bis 21. August statt. Der Kartenvorverkauf startet am 4. Oktober 2021. Informationen unter www.bregenzerfestspiele.com.

Ausblick 2024 und 2025
In den Sommern 2024 und 2025 zeigt das Festival als Spiel auf dem See Der Freischütz von Carl Maria von Weber. Für die Regie und Bühnenbild zeichnet Philipp Stölzl verantwortlich. Die 1821 im Schauspielhaus Berlin uraufgeführte Oper wird zum ersten Mal auf der Seebühne zu sehen sein. 1983 wurde sie im Rahmen der Bregenzer Festspiele im Festspielhaus aufgeführt.

(ag/red)

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v.l.n.r.: Michael Diem (Kaufmännischer Direktor der Bregenzer Festspiele), Hans-Peter Metzler (Präsident der Bregenzer Festspiele) und Elisabeth Sobotka (Intendantin der Bregenzer Festspiele)
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Elisabeth Sobotka (Intendantin der Bregenzer Festspiele)
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