Mit der Operndiva am Würstelstand

Zeynep Buyraç spielt die Titelrolle in Bernhard Studlars Lohn der Nacht

Bregenz 30.7.21. Bregenz scheint ihr zu liegen. Am Vorarlberger Landestheater hatte Zeynep Buyraç schon zweimal gespielt. Sie mag den See. „Er erinnert mich ans Meer. Ich bin ja ein Meereskind“, sagt die 38-Jährige. Heuer hat sie genau eine Hälfte ihres Lebens in ihrer Geburtsstadt Istanbul und die andere Hälfte in Wien verbracht.

Vor zwei Jahren kam die Anfrage für die Uraufführung der Auftragsoper Impresario Dotcom bei den Bregenzer Festspielen, die im Rahmen der Festtage im Festspielhaus 2020 zur Aufführung kam. Sie wurde ein großer Erfolg, was auch der Jury des Österreichischen Musiktheaterpreises auffiel. In der Kategorie „Beste weibliche Hauptrolle“ wurde Buyraç nominiert, was sie selbst am meisten überraschte. „Ich war mitten in einer Probe und habe durch eine Kollegin von der Nominierung erfahren. Da habe ich mir gedacht: Sie verwechselt mich wahrscheinlich“, erzählt sie ohne jede Koketterie.

„In den Zwischenräumen“
Es war keine Verwechslung. Am Montag entscheidet sich bei einer Gala in Steyr, wer in dieser und in 21 anderen Kategorien gewinnt. Insofern wird es eine doppelt aufregende nächste Woche für Zeynep Buyraç. Vor allem liegt das am Theaterstück Lohn der Nacht mit ihr als Hauptdarstellerin. Sie verkörpert eine Operndiva und Mutter, die nach einer Babypause erstmals auf einer Bühne steht – der klassische Konflikt einer arbeitenden Künstlerin, in diesem Fall ist sie sogar Alleinerziehende. Weitere Handlungsstränge spielen auf einer Straßenkreuzung und einer Brücke. Im Zentrum dieses Dreiecks steht ein Würstelstand. Autor Bernhard Studlar schreibt in seinem Vorwort: „Wir treffen uns in den Zwischenräumen. Wo keiner von uns hingehört, schütten wir unsere Herzen aus.“ Dazu verknüpft er lose einzelne Szenen mit Menschen, die sich sonst nie begegnen würden.

Tragikomik
Weitere Figuren in dieser besonderen Nacht sind ein Fußballstar, ein lebensmüder Mann, eine Kinderfrau, ein korrekter Polizist, ein Mäzen – und natürlich die Besitzerin des Würstelstandes. Was passiert mit ihnen, was ist ihr jeweiliger Lohn der Nacht? „Die Diva zahlt einen sehr hohen Preis. Ihre Fallhöhe ist groß“, erzählt Zeynep Buyraç. Mehr möchte sie verständlicherweise nicht verraten. Die tragikomische Mischung zeichne dieses Werk aus. Heftige, traurige Momente wechseln sich mit lustigen ab.

Von der Arroganz des Kapitals
Entstanden ist Lohn der Nacht als Sieger des Wettbewerbs der Österreichischen Theaterallianz, der in Kooperation mit den Bregenzer Festspielen stattfand. Die Ausschreibung orientierte sich inhaltlich an Puccinis Oper Madame Butterfly, die ursprünglich als Spiel auf dem See bereits für diesen Sommer geplant war. Nun kommt das Stück als Vorbote der nächsten Produktion auf der Seebühne. Der Arbeitstitel des Wettbewerbs lautete „Die Arroganz des Kapitals“. Ein Thema, für das bei Giacomo Puccini der amerikanische Marineoffizier Pinkerton steht, der sich die Geisha Cio-Cio San – genannt Butterfly – zur Frau nimmt.  In Lohn der Nacht zeigt sich die Arroganz des Kapitals in Form von Korruption. Ein brandaktuelles Thema, nicht nur, aber auch in Österreich.

Die Premiere von Lohn der Nacht am 5. August ist bereits ausverkauft. Tickets gibt es noch für die Vorstellungen am 6. und 7. August. Jeweils 20 Uhr, Theater KOSMOS, Mariahilfstraße 29.

(tb)
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