Historische Stoffe mit aktuellen Themen

Pressetag I zu "Rigoletto" und "Don Quichotte"

Bregenz, 5.7.19. Beim Pressetag I der Bregenzer Festspiele erlebten Medienvertreter aus dem In- und Ausland den Endspurt zu den bevorstehenden beiden Premieren aus nächster Nähe. Dreizehn Tage vor der Eröffnung der 74. Festspielsaison konnten sie Proben zum Spiel auf dem See Rigoletto sowie zur Oper im Festspielhaus Don Quichotte besuchen. Bei Pressekonferenzen sprachen neben ausgewählten Künstlern außerdem Intendantin Elisabeth Sobotka und der kaufmännische Direktor Michael Diem.

Der Vorverkauf läuft sehr gut: Rund 90 Prozent der Tickets für Rigoletto sind verkauft, bei Don Quichotte sind es circa 80 Prozent. „Wir erwarten 230.000 Gäste“, berichtete Diem. Vor allem nach dem 5. August seien noch Karten für die Seebühne erhältlich. Das weltweit angesehene Klangkonzept BOA (Bregenz Open Acoustics) wird derzeit weiterentwickelt. Dabei spiele nicht nur die technische Komponente eine Rolle, wie Sobotka deutlich machte: „Es geht für uns um die Frage, wie wir auf dieser Bühne ein Stück erzählen. Wir wollen nicht bloß übertragen, sondern Klangräume schaffen.“

Rigoletto

Erstmals ist die im Jahr 1851 entstandene Oper Rigoletto von Giuseppe Verdi auf der Bregenzer Seebühne zu sehen. Dass es die richtige Entscheidung war, habe die Intendantin auch bei ihrer Anfrage an Philipp Stölzl gemerkt: „Er hat keine Sekunde gezögert.“ Der Münchner, der für Regie, Bühnenbild und Licht verantwortlich ist, erlebe nach eigener Aussage hier „the time of my life“. Er fühlt sich in der Kulisse des Bodensees sehr wohl: „Die Natur lädt den kreativen Prozess auf.“

Das gilt nicht erst bei der Vorstellung, sondern bereits während der derzeitigen Arbeit an der Oper.“ Für ihn ist die Geschichte das Stück zur Me-Too-Debatte. „Die Themen von Macht- und sexuellem Missbrauch haben nichts von ihrer Aktualität verloren“, erklärte der 52-Jährige, der als Regisseur von Musikvideos (Rammstein, Madonna, Die Toten Hosen) sowie von Spielfilmen wie Nordwand oder Der Medicus bekannt wurde.

Hinein in die Zirkuswelt
Dirigent Enrique Mazzola schätzt das große gegenseitige Vertrauen mit dem Regieteam. Er empfindet das Stück als „irre Herausforderung,“, besonders für die stark geforderten Sängerinnen und Sänger. Eine von ihnen ist die französische Sopranistin Mélissa Petit, die die Rolle der Gilda – Rigolettos Tochter – übernimmt. Sie war bereits vor zwei Jahren hier als Micaёla in Carmen und mag, dass sie in ihrem Part viel Platz für eigene Interpretation hat.

Handstand-Akrobat Lukas Aue, der mit der britischen Kompanie Wired Aerial Theatre zusammenarbeitet, sieht seine Aufgabe darin, die Leute in die Zirkuswelt hereinzuholen. Selbst führt er ein kleines Theater mit 70 Plätze. Der 100-fachen Zuschauerzahl bei den Bregenzer Festspielen will er mit einem entsprechenden Plus an eigener Energie begegnen.

Don Quichotte

Eine Opernrarität ist Don Quichotte (1910), eine Comédie héroïque aus der Feder von Jules Massenet. Sie ist dreimal im Großen Saal des Festspielhauses zu erleben. Damit gehe für die Intendantin ein Traum in Erfüllung. „Im Zentrum steht eine Figur, die sich die Welt selbst spannend und wichtig macht“, sagte Elisabeth Sobotka. Die über 400 Jahre alte Geschichte über den weltberühmten „Ritter von der traurigen Gestalt“ erscheine vielen etwas aus der Zeit gefallen. Umso glücklicher ist sie, dass das Leading Team um Dirigent Daniel Cohen und Mariame Clément (Regie) sie „zu etwas Heutigem gemacht hat.“

Wann ist ein Mann ein Mann?
Clément hat festgestellt, dass es die Sehnsucht nach Männern, die noch echte Männer sind, bereits im 17. Jahrhundert gab. Damals schuf Miguel de Cervantes die literarische Vorlage. Sie reizt der „extrem reiche Stoff über einen Helden, der gleichzeitig lächerlich ist.“ Bei ihrem Quichotte gibt es keine Angst vor Gefühlen, Männer dürfen auf der Bühne weinen. Jules Massenet sah sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, „Frauenmusik“ zu komponieren. Daniel Cohen sieht die Musik als sehr sentimental, gleichzeitig aber „unglaublich gut geschrieben für Orchester.“

Gábor Bretz empfindet seine Titelrolle als „Traumpartie für einen Bass, die unglaublich Spaß macht. Wir sind auf dem richtigen Weg zur Premiere.“ Mit ihm auf dem Podium war Sopranistin Léonie Renaud, die neben ihrer Hosenrolle als Pedro in Don Quichotte auf der Seebühne (Gräfin Ceprano) zu sehen ist. Sie stammt vom Genfer See – ein Umstand, der am Bodensee Heimatgefühle weckt: „So fühle ich mich hier nicht verloren.“

Aufbau in Episoden
Die Inszenierung von Mariame Clément ist eine Zeitreise in Episodenform. „Jeder Akt kann für sich selbst stehen. So kommt die Geschichte richtig zur Geltung. Für den Preis eines Tickets bekommen Sie vier Opern“, sagte Clément lachend.

Rigoletto ist an 27 Abenden zwischen dem 17. Juli und 18. August auf der Seebühne zu erleben. Die Hausoper Don Quichotte feiert ihre Premiere am 18. Juli, weitere Vorstellungen gibt es am 21. und 29. Juli. Tickets und Informationen unter www.bregenzerfestspiele.com sowie Telefon 0043 5574 4076.

(tb)

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