Bregenzer Festspiele trauern um Zofia Posmysz

Autorin von Die Passagierin 98-jährig verstorben

Auschwitz/Bregenz, 8.8.22. Die Bregenzer Festspiele trauern um Zofia Posmysz. Die Autorin ist heute im Alter von 98 Jahren in einem Hospiz im polnischen Auschwitz verstorben. Das teilte das Museum und die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau mit. Von der Holocaust-Überlebenden stammt die Hörspiel- und Romanvorlage der gleichnamigen Oper Die Passagierin des Komponisten Mieczysław Weinberg, die im Festspielsommer 2010 als szenische Weltpremiere im Festspielhaus gezeigt worden war. Regie führte der damalige Festspielintendant David Pountney.

Zofia Posmysz wurde im Alter von 18 Jahren von den Nationalsozialisten im Jahr 1942 in Krakau verhaftet, im Konzentrationslager Auschwitz inhaftiert und von der US-Amerikanischen Armee befreit. Unter dem Titel Die Passagierin verarbeitete die 1923 geborene Zofia Posmysz ihre traumatischen Erlebnisse zu einem Hörspiel namens Die Passagierin, das der polnische Rundfunk 1959 ausstrahlte. Im Jahr 1960 wurde aus dem Hörspiel ein Fernsehspiel, 1962 erweiterte Zofia Posmysz die Geschichte zum Roman, auf dessen Grundlage 1963 der Film Die Passagierin in der Regie von Andrej Munk entstand. 1968 beendete Mieczysław Weinberg die Arbeit an der Partitur zur gleichnamigen Oper, die jedoch erst 2006 konzertant in Moskau und 2010 szenisch in Bregenz uraufgeführt wurde.

Die polnische Autorin arbeitete für die Realisierung der szenischen Opern-Uraufführung eng mit den Bregenzer Festspielen zusammen. Zum Schlussapplaus der Premiere bei den Bregenzer Festspielen am 21. Juli 2010 erschien die damals 86-Jährige sichtlich bewegt auf der Bühne.

Das Sommerfestival zeigte die Oper von Mieczysław Weinberg im Rahmen eines Programm-Schwerpunkts zu dem polnisch-russischen Komponisten und löste damit eine internationale Entdeckung seines Oeuvres aus. Allein die Bregenzer Inszenierung von
Die Passagierin wurde daraufhin an acht großen Opernhäusern weltweit gezeigt, unter anderem in London (ENO), Tel Aviv, Chicago und Warschau. 

„Wenn es einen Grund gibt, wieso ich den Nationalsozialismus und die grausame Zeit im Konzentrationslager ertragen musste, dann, um den Nachgeborenen davon zu berichten, um etwas derart Unmenschliches nie mehr wieder geschehen zu lassen“, sagte Zofia Posmysz in Bregenz anlässlich der szenischen Uraufführung.

(ar)

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Zofia Posmysz
Zofia Posmysz im Sommer 2010 bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele.