„Wollen zeigen, dass man agil und freudvoll ins Alter gehen kann!“

Fünf Fragen an … Martin Deuring von Die Schurken

Bregenz, 17.6.22. Mit dem Ensemble Die Schurken (Martin Schelling, Klarinette, Stefan Dünser, Trompete, Goran Kovacevic, Akkordeon, Martin Deuring, Kontrabass) haben die Bregenzer Festspiele schon wiederholt zusammengearbeitet. Zuletzt 2019 bei der musikalisch-theatralischen Zeitreise Paris! Paris! Zeit – konkret die Vergangenheit und damit die Erinnerung – spielt auch in der neuen Produktion Vergissmeinnicht eine zentrale Rolle. Am Sonntag ist Premiere.  

Ihr seid Musikvermittler. Warum jetzt ein Stück mit dem Thema Demenz?
Wir sind bald 25 Jahre Musikvermittler und einfach mal draufgekommen, dass wir für unser Zielpublikum, die Kinder, uralte Männer sind! Dann haben wir im Tourbus – denn ganz vieles passiert bei uns im Tourbus! – gesagt, wir thematisieren das und wollen aber zeigen, dass man aktiv, agil und freudvoll ins Alter gehen kann. Zeigen: Die haben großen Spaß auf der Bühne, die leidenschaftlich musizieren und haben Freude an dem, was sie tun! Bei der Beschäftigung mit dem Thema Alter sind wir übereingekommen, dann müssen wir auch das Thema Demenz mit hineinnehmen. Denn es betrifft indirekt viele Kinder, wenn die Oma, der Opa, der Onkel, wer auch immer, an Demenz erkranken.

Musik und eine Krankheit unter ein Dach zu kriegen, war das eine besondere Herausforderung?
Das Außergewöhnliche war dieses Mal, dass wir zuerst das Thema und die Geschichte hatten und dann die passende Musik gesucht haben. Sonst ist es umgekehrt. In der realen Welt ist es so, dass Musik einen emotionalen Wiedererkennungswert hat. Dass Musik berührt, das gefällt uns, das ist was wir als Musikvermittler wollen. Wir haben also gezielt nach Musik gesucht, die eine bestimmte Sinngebung erfüllen könnte. „La vita e bella“ aus dem bekannten Benigni-Film kommt zum Beispiel ein zentraler Stellenwert bei Vergissmeinnicht zu. Und dann haben wir Marcus Nigsch gefragt, ob er uns die Musik komponiert, die uns noch gefehlt hat.

Ihr, die „uralten Menschen“ seid zwischen Anfang 50 und Anfang 60. Dann müsste bei es bei Vergissmeinnicht eigentlich Musik etwa aus den 80er Jahren sein …
In unserem Fall handelt es sich um eine betreute Wohngemeinschaft, in der sich drei um ihren dementen Freund kümmern. Sie wissen natürlich, dass er klassischer Musiker war. Dadurch bringen wir – die anderen drei – jene Musik, an die er sich erinnert.

Gibt es die eine zentrale Botschaft in eurem neuen Stück?
In einem Satz ist es schwierig zu beantworten. Die Freunde gestalten die Zeit so, dass sich der kranke Mensch wohl fühlt und so möglichst stressfrei durch den Tag kommt. Und dazu zeigen wir eine Möglichkeit. Wenn wir ein solches Stück machen, dann muss es auf dem neuesten Stand der Demenzforschung sein. In Kooperation mit der Aktion Demenz können wir super Begleitmaterial mitgegeben.

Es erwartet uns also kein Happy End?
Doch, es gibt ein Happy End. Aber welches, wird noch nicht verraten. Trotz des Themas Demenz ist Vergissmeinnicht ein Musikvermittlungsstück. Die Schurken sind Musikvermittler. Da sind wir in unserer Kernkompetenz. Durch das engagierte lebendige Musizieren berühren wir die Kinder in ihrer Kreativität auf einer Ebene, wo wir sie in Resonanz zu bringen versuchen. Dann kann jedes Kind herausnehmen, was es möchte.

Die Bregenzer Festspiele 2022 finden von 20. Juli bis 21. August statt. Tickets und Infos unter www.bregenzerfestspiele.com Telefon 0043 5574 407 6.

(ami)

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