Musiktheater als Mosaik

Proben für "Carmen" haben begonnen

Bregenz, 22.6.18. Am gestrigen Donnerstag, exakt vier Wochen vor der Wiederaufnahme von Carmen auf der Seebühne, starteten die Proben für das Spiel auf dem See. Bis jedoch alle beteiligten Künstler angekommen sind, dauert es noch: Erst am 9. Juli ist der erste Einsatz der Wiener Symphoniker terminiert. Stück für Stück setzt sich bei den Bregenzer Festspielen ein komplexes Mosaik zusammen, wie Operndirektorin Susanne Schmidt im Wochenpost-Interview erklärt.

Solisten unter sich
„Klein und fein“ ging es am Donnerstag los: „Zuerst proben die neuen Solisten mit Klavierbegleitung. In diesem Jahr haben wir einen neuen Don José und zwei Micaëlas. Da es unbedingt eine Carmen bei diesen Proben braucht, ist uns extra eine frühere Solistin eingesprungen“, sagt Susanne Schmidt. Die Künstler haben zwei Tage Zeit, um allein ihre großen Szenen einzustudieren. Am Samstag stoßen fünf mittelgroße Rollen – Zigeunerinnen und Schmuggler – dazu.

Eng getaktet
Mit der Zeit nehmen die Proben immer größere Ausmaße an: Es folgen die erfahrenen Solisten, die bereits im Vorjahr dabei waren, dann Schritt für Schritt Tänzer, Statisten und Chöre. Am Montag, 9. Juli komplettieren die Wiener Symphoniker mit ihrer ersten „BO“, der sogenannten Bühnenorchesterprobe, das Aufgebot. Im ersten Jahr Carmen gab es für die Symphoniker noch zwei Tage Vorbereitung in Wien, heuer – im zweiten Jahr – nicht. Dass trotz dieses engen Terminplans die Zeit bis zur ersten Aufführung am 19. Juli ausreicht, liegt auch an zwei Dingen: „Zum einen standen 85 bis 90 Prozent der Künstler bereits 2017 unter Vertrag, zum anderen kommen alle Mitwirkenden wie Orchester, Sänger und Sängerinnen bereits einstudiert am Bodensee an. Den Neulingen wurde zur Unterstützung zusätzlich ein Videomitschnitt vom Vorjahr zugeschickt.“

Werkstattbühne im Fokus
Auch Regisseur Kasper Holten ist noch nicht in Bregenz. Regieassistentin Leonora Scheib probt in den ersten zwei Wochen vor (und frischt alles wieder auf). Das scheibchenweise Vorgehen ist für Operndirektorin Susanne Schmidt grundsätzlich „business as usual“ in der Branche. Kompliziert werde es in Bregenz durch die parallel ablaufende Vorbereitung der beiden Opern Beatrice Cenci und Carmen. „Es ist irre anstrengend, zwei Produktionen gleichzeitig zu gebären“, findet die 57 Jahre alte Kölnerin.

Besonders wichtig wird daher die Werkstattbühne, die eine Doppelrolle erfüllt. Hier sind zwei Festspiel-Stücke zu sehen (María de Buenos Aires und Das Jagdgewehr), außerdem dient sie als weiterer Ort für Carmen-Proben – und das nicht nur bei schlechtem Wetter: „Vor allem im ersten Jahr des Spiels auf dem See proben wir viel parallel draußen und drinnen auf der Werkstattbühne. Auch im zweiten Jahr bieten sich manche Proben hier an. Wegen der viel kürzeren Wege als auf der Seebühne kann man vor allem am Anfang einfacher kommunizieren und drillen.“ Diese Aufgabe übernimmt als erstes Leonora Scheib.

Die Bregenzer Festspiele 2018 finden von 18. Juli bis 20. August statt, Tickets sind erhältlich unter www.bregenzerfestspiele.com und Telefon 0043 5574 4076.

(tb)

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Probenbeginn Carmen
v.l.n.r.: Gerald Stollwitzer (Inspizient) und Susanne Schmidt (Operndirektorin der Bregenzer Festspiele)
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Lena Belkina und David Pomeroy
Lena Belkina (Carmen) und David Pomeroy (Don José)
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Probenbeginn Carmen
Lena Belkina (Carmen) und David Pomeroy (Don José)
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Probenbeginn Carmen
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Probenbeginn Carmen
Lena Belkine (Carmen) und David Pomeroy (Don José)
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Regieassistenten
Leonora Scheib und Daniel Hackenberg (Regieassistenten)
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Susanne Schmidt
v.l.n.r.: Susanne Schmidt (Operndirektorin der Bregenzer Festspiele) und Rosita Steinhauser (Regieassistentin)
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Jordan de Souza
Jordan de Souza (Dirigent)
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Susanne Schmidt
Susanne Schmidt (Operndirektorin der Bregenzer Festspiele)
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Werkstattbühne