„Miteinander harmonieren und sich darstellerisch fordern“

Fünf Fragen an… Susanne Schmidt

Bregenz, 5.7.19. Bei der Premiere von Rigoletto am 17. Juli wird Vladimir Stoyanov die Titelrolle singen, als Gilda und Herzog von Mantua werden Mélissa Petit und Stephen Costello auf der Seebühne zu sehen sein. 

Insgesamt 27 Mal steht Giuseppe Verdis Oper in drei Akten bei den Bregenzer Festspiele in diesem Jahr auf dem Programm. Das ist nur mit Mehrfachbesetzungen zu bewerkstelligen. Wer aber singt wann - und wer entscheidet? Operndirektorin Susanne Schmidt gibt die Antworten.   

Warum sind die tragenden Rollen des Spiels auf dem See gleich dreifach besetzt? 
Wir spielen im Schnitt sechs Vorstellungen pro Woche. Wenn man die nur doppelt besetzt hätte, müssten die Protagonisten jede zweite Nacht singen und insgesamt drei Mal in der Woche – das ist für so schwergewichtige Partien zu viel, zumal bei unserem sehr hohen Qualitätsanspruch. Wenn jeder topfit ist, kann er oder sie das machen, aber bei uns kommt dazu, dass sie jeden Abend andere äußere Bedingungen vorfinden. Es kann sich auch jemand verkühlen. Man sitzt einfach ruhiger, wenn man weiß, bei drei Leuten hat man jemanden, der das abdecken kann. Man ist da nicht sofort auf Grundeis mit den Nerven. Es passt von der Belastung her auch besser, weil der Einzelne normalerweise nur alle drei Nächte dran ist. 

Nach welchen Kriterien erfolgt die Zusammensetzung eines Abends von Rigoletto, des Herzogs und der Gilda? 
Dass sie miteinander harmonieren und sich darstellerisch fordern. Das ist so ein Punkt, was die Mischung angeht. Und es geht auch darum, wer mit der Seebühne, mit dem großen Raum und den Bedingungen wie zurechtkommt. Viel laufen und trotzdem viel singen, sich mit den Elementen auseinandersetzen, sich von denen aber nicht ablenken lassen … Das alles findet man erst nach ein paar Tagen Proben heraus. 

Wer entscheidet letztlich über die Besetzung der einzelnen Aufführungen?
Das sind unsere Intendantin Elisabeth Sobotka und ich in ganz engmaschiger Absprache mit dem kreativen Team. Der Regisseur sagt, ob das umgesetzt wird, was er sich erträumt, und der Dirigent sagt, ob er den Eindruck hat, der Sänger kann ihm auch über diese enorme Distanz folgen. Und wir sind auch immer mit dem Regieteam im Gespräch, das mitkriegt, wie gut die Künstler mit der Gesamtsituation zurechtkommen. Ob die sich bis an den Rand gefordert fühlen, da nimmt man für den Premierenabend wegen der Nervosität eher Abstand, oder ob jemand richtig tiefenentspannt da genau seinen Ort findet. Das können einem die Leute, die ganz nah dran sind, manchmal noch besser sagen. 

Das war ausschlaggebend für die Premierenbesetzung – wie geht die Einteilung bei den folgenden Vorstellungen weiter?
Wo es möglich ist, versuchen wir die Protagonisten im Intervall 1, 2, 3 singen zu lassen, also dass jeder jeden dritten Tag an der Reihe ist. Wir drehen später etwas das Muster, damit jeder auch mal an einem Samstag, Sonntag singt oder einem Dienstag, Mittwoch, die in manchen Jahren weniger gut besucht sind. Dieses Jahr ist das überhaupt kein Thema, weil fast alles ausverkauft ist. Grundsätzlich ist zu sagen, dass alle Besetzungen gleichwertig sind, es geht also nicht um besser oder schlechter.

Das Publikum erfährt also sehr früh, wer an einem bestimmten Abend für sie singen und spielen wird? 
Genau. Ich habe diese Woche an die Künstler die Liste aller Vorstellungen verschickt. Jetzt warte ich auf die Rückmeldungen, ob ich irgendeine Doppelbelastung übersehen habe. Es gibt ein paar wenige Sänger, die auch in Don Quichotte, im Orchesterkonzert oder in der Kammermusik singen. Da versuche ich, davor und danach immer ein bisschen Luft zu halten. Sobald das steht, geht die Liste ans Management, an die Kommunikation und den Vertrieb. Nächste Woche sollten die Besucher die jeweiligen Besetzungen komplett auf unserer Website finden.

(ami)

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Susanne Schmidt