Klassische Rollen neu interpretieren

FÜNF FRAGEN AN SPENCER BRITTEN

Bregenz, 13.8.21. Die Italienerin in Algier ist eine der drei Komischen Opern von Gioachino Rossini, die als Film vermutlich Screwball-Komödien von Billy Wilder geworden wären: mit romantischen Verwicklungen, witzigen Dialogen und viel Tempo. Eine zentrale Figur dieser Opera buffa ist der Sklave Lindoro. Hier wird er vom Tenor Spencer Britten verkörpert, der sein Debüt bei den Bregenzer Festspielen feiert. Er ist auf diese Rolle bestens vorbereitet – nicht zuletzt durch die vorherige Arbeit mit Kammersängerin Brigitte Fassbaender im Opernstudio. Sie führt bei Die Italienerin in Algier auch Regie.

Was haben Sie im Opernstudio gelernt?
Brigitte Fassbaenders Erfahrung aus einer so langen und großen Karriere ist für junge Sänger wie mich unschlagbar. Es ist ein großes Plus, dass sie sich der Regie zugewandt hat. So können wir direkt von ihr lernen, was Sänger brauchen. Sie kennt unsere Situation ja selbst bestens. Ihre intuitive Inszenierung macht es uns leicht. Ich habe sie in Berlin bei einer Meisterklasse an der Staatsoper Unter den Linden kennengelernt.

Der Lindoro scheint Ihnen zu liegen, wie das Opernstudio gezeigt hat. Eine Journalistin hat Sie sogar als „geborenen Rossini-Tenor“ bezeichnet. Was muss man speziell für Die Italienerin in Algier oder beispielsweise Der Barbier von Sevilla mitbringen?
Diese Einschätzung schmeichelt mir sehr. Wichtig ist, dass man Koloraturen und hohe Töne beherrscht. Außerdem sind ein gewisses komödiantisches Talent und ein gutes Gespür für die Figuren wichtig.

Was für eine Figur ist Lindoro?
Er ist ein klassischer Belcanto-Tenor: Er sehnt sich immer nach Liebe und vermisst seine Isabella. Ich möchte über diese typische Rolle hinausgehen und meinen Interpretations-Spielraum nutzen. Brigitte Fassbaender hat mir viel Freiraum gegeben, die Rolle selbst zu entdecken und eigene Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch der schauspielerische Teil, den ich sehr genieße. Ich komme ursprünglich aus dem Musical-Fach.

Sie sind ein sehr vielseitiger Künstler…
Ich mag Oper, Operette, Musiktheater. Seit ich ein Kind bin, möchte ich auf der Bühne stehen. Meine musikalische Reise startete in einem Chor. Als Sechsjähriger begann ich mit Tanztraining. Ohne die Pandemie hätte ich ein Engagement als Tänzer in West Side Story gehabt. Brigitte Fassbaender hat das aufgegriffen und etwas Tanz in meine Rolle hier integriert (lacht). Mein Schwerpunkt liegt aber mittlerweile auf Oper.

Nach den Festspielen kehren Sie nach Vancouver zurück. Was nehmen Sie aus Bregenz mit nachhause?
Zunächst einmal den Eindruck, wie schön es hier ist. Ich bin zum ersten Mal in Österreich und wüsste nicht, wie ich den Sommer besser verbringen könnte – mit dem See und der Möglichkeit, hier das zu tun, was ich liebe. Junge Künstler werden wie Profis behandelt. Bei einem Belcanto-Experten wie Jonathan Brandani, dem musikalischen Leiter bei Die Italienerin in Algier, habe ich eine Menge über diese Gesangskunst gelernt.

Die Italienerin in Algier feiert am Montag, 16. August 2021 im Theater am Kornmarkt Premiere. Weitere Vorstellungen folgen am 18., 20. und 21. August, jeweils um 19.30 Uhr.

(tb)
 
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Spencer Britten
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