Einsatz mit großer Freude

Bassbariton Miklós Sebestyén steht bei Rigoletto und Nero auf der Bühne

Bregenz, 16.7.21. In der vergangenen Woche standen zehn Bühnenorchesterproben in zwei unterschiedlichen Produktionen auf seinem Plan: vormittags Nero, am Abend Rigoletto. Jede Menge zu tun, zumal die Proben auf der Seebühne bis Mitternacht dauern. Dennoch ist Miklós Sebestyén, der 1979 in Budapest geboren wurde und heute im Kreis Starnberg lebt, die Freude an seiner Arbeit ins Gesicht geschrieben. Zum einen sind solche „Doppelbelastungen“ in der Branche nichts Ungewöhnliches. In einem Ensembletheater etwa ist es gang und gäbe, mehrere Rollen gleichzeitig auszufüllen und zu proben.

Zum anderen nimmt er in Bregenz, wo der Bassbariton vor zwei Jahren debütierte, diesen Rhythmus gern in Kauf: „So viel Spaß im Beruf wie hier hatte ich noch nie. Das liegt auch am Umgang der Festivalleitung mit uns Künstlern und an der entspannten Stimmung mit meinen Kollegen. Viele kenne ich von 2019. Ich fühle mich ein bisschen wie im Sommerlager.“

Ausgeklügelte Technik in beiden Produktionen
Dass die Bühnenbilder auf der Seebühne spektakulär und komplex sind, sieht man auf den ersten Blick. Doch in dieser Hinsicht ist auch Nero, die Oper im Festspielhaus, nicht zu unterschätzen. Drei kreisförmige Komponenten drehen sich, teilweise gegengleich und knapp aneinander vorbei. „Man muss die Abläufe gut kennen und richtig aufpassen, wenn die Drehungen starten. Aber die Szenerie funktioniert wunderbar, ist klug konzipiert und wird auch dem Publikum gefallen“, sagt Sebestyén, der in Nero den Soldaten Tigellino verkörpert.

Mehr Luft, gleich viel Kraft
Beim Spiel auf dem See werden die Stimmen durch Mikrofone verstärkt, bei der Oper im Festspielhaus nicht. Wird dadurch die Singtechnik eine andere, ist unterschiedlich viel Kraft nötig? „Nein. Man singt, wie man singt. Für mich ändert sich dadurch nichts. Abgesehen davon, dass man bei den größeren Distanzen auf der Seebühne natürlich mehr Luft braucht.“ Einen Vorteil der Mikrofone bei Rigoletto sieht er darin, dass er sich beim Singen mehr zu seinem Partner oder seiner Partnerin drehen kann und dennoch das Publikum jeden Ton perfekt hört. Schauspielerisch seien die Möglichkeiten mit Verstärkung auch größer – zumal das Regieteam nicht an fixen Vorgaben klebe, sondern gerne einige Freiheiten bei der Ausgestaltung der Rolle lasse. Am See ist er – wie vor zwei Jahren – der Auftragsmörder Sparafucile.

Hoch über dem Bodensee
Gerne hätte er eine Szene wie seine Kolleginnen, die die Figur der Gilda spielen. Ihnen ist es vorbehalten, im Ballon in 15 Metern Höhe über dem See zu schweben und zu singen. Das wäre genau das Richtige für den Höhenliebhaber und Kletterfan. Doch er hat erfahren, dass er vielleicht außerhalb der Vorführungen einmal für eine „Privatfahrt“ einsteigen darf. Darauf freut er sich schon jetzt. Und auf seine Auftritte zuvor erst recht.

Nero feiert am 21. Juli (19.30 Uhr) Premiere. Tags darauf folgt die Wiederaufnahme-Premiere Rigoletto. Karten und Informationen unter www.bregenzerfestspiele.com sowie Telefon 0043 5574 4076.

(tb)
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