Beinahe rund um die Uhr im Einsatz

Vormittag oder Mitternacht, Probenplan, Opernbegleitung oder Lichtstimmungen: Ein Arbeitstag am Bodensee hat viele Gesichter.

Der Kosmos Bregenzer Festspiele hat viele Gesichter. Drei Mitarbeiter:innen geben einen Einblick in ihren Arbeitstag und nehmen uns mit in ihre Welt. Dabei wird unter anderem klar: Fast rund um die Uhr ist jemand im Einsatz, vom Vormittag bis spät in die Nacht.

»Bindeglied zwischen Technik und Kunst«
Momentan kommt Nino Walser erst gegen 2 Uhr morgens ins Bett. Seit dem Probenstart zum Freischütz hat der Co-Projektleiter der Lichtabteilung Abenddienst. Seine Schicht startet um 16.30 Uhr. Nach einer Besprechung mit dem Team und der genauen Aufgabenverteilung folgt der Aufbau für die Beleuchtungsprobe. Dann geht es beispielsweise um das Feintuning der Effekte, Übergänge von Lichtstimmungen und Projektionen. 164 – größtenteils bewegliche – Scheinwerfer kommen zum Einsatz.

Vom ersten Entwurf vor drei Jahren bis heute ist Walser in die Entwicklung des Lichtdesigns einbezogen. Bei den Bregenzer Festspielen und bei der Kongresskultur Bregenz hat er viel Erfahrung gesammelt, seit er vor 13 Jahren seine Lehre zum Veranstaltungstechniker begann. Später kam die Weiterbildung zum Beleuchtungsmeister dazu – als »Bindeglied zwischen Technik und Kunst«, wie der 29-Jährige sagt. Nach einer gelungenen Premiere könne er zurück in den Tagdienst wechseln und die Vorbereitung auf die Saison 2026 fortsetzen.

Auf die Probe gestellt
»Vor den Festspielen beginne ich in Zusammenarbeit mit den Projektleiter:innen, die Dispositionen aller Produktionen zu planen«, erzählt Ludovica Filippello. Derzeit ist die wichtigste Aufgabe für die Mitarbeiterin im Künstlerischen Betriebsbüro, den Tagesprobenplan zu erstellen. Viele Proben und die dazugehörigen Räume sind seit Langem fixiert. Anderes ergibt sich kurzfristig – beispielsweise, wenn es eine Zusatzprobe braucht oder eine Sängerin ausfällt. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist im detaillierten Tagesprobenplan nachzulesen, der bis zu sechs Seiten lang ist und jede:n Beteiligte:n aufführt. Ein wichtiges Dokument, an dem sich alle orientieren.

Sie hat mit Künstler:innen aus aller Welt und aus sämtlichen Produktionen der Saison zu tun. Diese Internationalität gefällt ihr sehr. »Die Woche vor der Eröffnung ist für mich sehr stressig«, sagt sie und ist dabei bester Laune. Als weitere Aufgabe kümmert sie sich unter anderem um die Feiern nach den Premieren von Der Freischütz und Tancredi. International dürfte es auch dort zugehen.

Zweite Heimat für Ania Marchwinska
Seit 2009 ist Ania Marchwinska Korrepetitorin bei den Bregenzer Festspielen. Solange das Orchester noch nicht eingetroffen ist, übernimmt sie am Klavier die musikalische Begleitung. Diesen Sommer ist sie bei einem Orchesterkonzert und beim Freischütz im Einsatz. Während der Probenzeit für das Spiel auf dem See ist ihr Arbeitsort ab 10.30 und ab 19 Uhr ein kleines Zelt auf der Tribüne. An manchen Tagen kommen Proben mit dem:der Dirigent:in und einigen Sänger:innen dazu, ein anderes Mal ein Einzelcoaching für kleine Korrekturen. Zusammengefasst: »Jeder Tag ist anders.« In diesem Jahr fällt ihr zudem eine ganz neue Rolle zu: Sie spielt beim Freischütz elektrisches Cembalo auf der Bühne. Zusammen mit einem Kontrabass und einem Akkordeon liefert sie die Untermalung für die zahlreichen Dialoge. »Hoffentlich starten bald die Proben für die Bühnenmusik. Ich freue mich schon darauf«, sagt sie lächelnd.

Den Sonnenuntergang am Bodensee während der Abendproben mag sie sehr. Außerdem gefallen ihr die Konzerte für Sponsoren und den Freunde-Verein der Bregenzer Festspiele besonders. Die gebürtige Polin ist viel herumgekommen, beherrscht acht Sprachen und hat an der berühmten Juilliard School in New York City sowie in Stanford studiert. An ihrem langjährigen Engagement hat sie sicht- und hörbar Freude. Familie und Hund folgen ihr jedes Jahr an den Bodensee: »Einen Sommer ohne Bregenz kann ich mir gar nicht mehr vorstellen.«

(tb)

28.06.2024

Ania Marchwinska

© Bregenzer Festspiele / Eva Cerv
28.06.2024

Ludovica Filippello

© Bregenzer Festspiele / Eva Cerv
28.06.2024

Nino Walser

© Bregenzer Festspiele / Eva Cerv